Da kommt noch was! - Die zweite Ernte im Gemüsegarten vorbereiten
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So bereiten Sie Ihren Gemüsegarten auf die zweite Ernte im Winter vor.
Da kommt noch was! - Die zweite Ernte im Gemüsegarten vorbereiten
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So bereiten Sie Ihren Gemüsegarten auf die zweite Ernte im Winter vor.
Da kommt noch was! - Die zweite Ernte im Gemüsegarten vorbereiten
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So bereiten Sie Ihren Gemüsegarten auf die zweite Ernte im Winter vor.
Kartoffeln und Gurken aus dem Topf - Gemüsegarten auf dem Balkon
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So bereiten Sie Ihren Gemüsegarten auf die zweite Ernte im Winter vor.
Gemüse aus dem Oderbruch
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So bereiten Sie Ihren Gemüsegarten auf die zweite Ernte im Winter vor.

Da kommt noch was!

So bereitet man den Garten auf die zweite Ernte vor

Heidelberg/Bremen - Das Frühjahr gilt gemeinhin als Pflanzzeit. Doch auch in der zweiten Jahreshälfte kann sich eine Aussaat lohnen. So kann man bis in den Winter frisches Gemüse ernten:

Buschbohnen, Spinat, verschiedene Sorten an Salaten und Kohl – die Auswahl an grünem Gemüse für eine Aussaat ab Juli ist groß. Und der Aufwand lohnt sich, davon ist Heike Sauer von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg überzeugt. „Wer in der zweiten Jahreshälfte noch einmal aussät, kann mindestens bis in den späten Herbst hinein frisches Gemüse ernten.

Grundlage hierfür ist eine optimale Vorbereitung des Beetes. Und das heißt: erst aufräumen, dann aussäen. „Große, abgefallene Blätter oder Wurzelreste des erstgepflanzten Gemüses stören die Entwicklung der nachfolgenden Keimlinge“, erläutert die Agraringenieurin.

Für ihre Entwicklung brauchen die Sämlinge in den ersten Wochen ausreichend und regelmäßig Feuchtigkeit. Gerade das ist an heißen Tagen eine Herausforderung. „Sonne und Wind trocknen eine offene Bodenoberfläche schnell aus“, sagt Hartmut Clemen vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen. „Mulch wie getrockneter Grasschnitt, Stroh oder Rhabarberblätter halten die Feuchtigkeit besser im Boden.

Lücken im Beet schnell schließen

Herbert Lohner vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt, mit der Aussaat nicht darauf zu warten, bis ein ganzes Beet abgeerntet ist, sondern Lücken sobald wie möglich zu schließen. 

Auf diese Weise entsteht aus einem ordentlichen Salatbeet nach und nach eine Form der Mischkultur, wie sie in traditionellen Bauerngärten einmal üblich war.“ Allerdings sollten Hobbygärtnern dabei auf gute Nachbarschaft achten: Ein hochwachsender Kohl kann mit seinem Schattenwurf oder durch Wurzelkonkurrenz der benachbarten Petersilie das Leben schwer machen.

Auf Fruchtfolge achten

Auch die Fruchtfolge gilt es im Blick zu behalten. „Nacheinander gepflanztes oder gesätes Gemüse sollte nicht miteinander verwandt sein“, erklärt Sauer. „Auf Salat sollte also kein Salat folgen.“ Keine Probleme bereitet in dieser Hinsicht der Feldsalat: Er ist kein Gartensalat, sondern ein Baldriangewächs (Valerianaceae). „Feldsalat ist ein klassischer Wintersalat“, sagt Sauer. „Er enthält viel Eisen und Vitamin C – also alles, was man im Winter braucht.

Bei einer Aussaat im August ist eine Ernte im selben Jahr noch möglich. Allerdings benötigen die Samen Temperaturen unter 25 Grad, um zu keimen. Sauers Tipp: das Saatgut gut feucht halten. Einmal gekeimt, gilt die einjährige Pflanze mit ihren in Rosetten angeordneten Blättern als sehr robust und wenig anfällig für Schädlinge oder Krankheiten.

Grün- oder Braunkohl, ‚Ostfriesische Palme‘, Asia-Salate

Ein Wintergemüse ist auch der Grün- oder Braunkohl (Brassica oleracea var. sabellica). Frostige Temperaturen sorgen für die Schmackhaftigkeit der Blätter, sie kann laut Clemen bei Bedarf auch künstlich herbeigeführt werden. Ein paar Sekunden im Gefrierfach genügten, um die Stärke in Zucker umzuwandeln. 

Clemens Favorit ist die Sorte ‚Ostfriesische Palme‘, die bis zu 1,80 Meter hoch wächst. Wie alle Grünkohlsorten benötigt auch sie „ordentlich Futter unter den Füßen“. Sie eignet sich also als Folgefrucht auf Kartoffeln und Buschbohnen und wird beim Einpflanzen idealerweise mit Hornspänen gedüngt.

Asia-Salate (Brassica spec.) halten Temperaturen von bis zu minus zehn Grad aus – zumindest unter einem schützenden Vlies. Im Spätsommer ausgesät und bei maximal zwölf Grad gekeimt, können die ersten Blätter als Babyleaf schon nach vier Wochen geerntet werden. 

Vorausgesetzt die Ende August, Anfang September gern mal auftretenden Erdflöhe machen ihnen nicht allzu sehr zu schaffen. „Gut gießen, das mögen diese Schädlinge gar nicht“, empfiehlt Sauer. Ihrer Ansicht nach lohnt sich der Anbau nicht nur aus geschmacklichen Gründen. „Ihre Blätter sind grünrot oder grünweiß, geschlitzt oder gefiedert. Das sieht richtig chic aus im Beet oder im Balkonkasten.

‚Echtes‘ Wintergemüse

Frisches Grün bis in den Frühling bietet der Winterportulak (Claytonia perfoliata), auch Postelein genannt. Die Samen keimen allerdings erst bei Temperaturen von unter zwölf Grad, sollten also je nach Witterung von August bis März ausgesät werden. Diese Pflanzen können bis zu 30 Zentimeter hoch wachsen. Ihre fleischigen Stängel, tellerförmigen Blätter und weißen Blüten sind roh und gekocht genießbar.

 „Sie schmecken viel zarter und milder als der Portulak, der in den Sommermonaten angebaut wird“, sagt Clemen. Einen Nachteil bringt das Gemüse mit sich: „Postelein säen sich sehr leicht aus.

Wer nicht jedes Jahr aufs Neue grünes Gemüse aussäen will, dem empfiehlt Lohner ausdauernde Pflanzen wie den Ewigen Kohl oder die Wilde Rauke (Diplotaxis tenuifolia). Anders als die Salatrauke (Eruca sativa) ist dieser Rucola mehrjährig und sät sich leicht selbst aus. Seine schmalen, gezackten Blätter schmecken würzig-scharf und können laufend geerntet werden. „Um diese Pflanze braucht man sich nicht mehr zu kümmern“, sagt der BUND-Experte.

Alternative Gründüngung

Will man im zweiten Halbjahr nicht noch einmal Gemüse anbauen, kann man das Beet trotzdem sinnvoll nutzen: Buchweizen oder Phacelia eignen sich hervorragend als Gründüngung und Bodendecker. 

Und sie bieten Nahrung für Bienen und andere Insekten, die ab dem Spätsommer nur noch spärlich Nahrung finden. „Wer seinen Garten als Ökosystem versteht, sollte auch daran denken“, betont Herbert Lohner vom BUND.

Melanie Öhlenbach/dpa/rmx

Quelle: Mannheim24

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