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Im Rahmen der Ermittlungen konnten Ende Oktober 2015 unter anderem mehrere Schusswaffen im Besitz von L. sichergestellt werden.

Staatsanwältin verweist auf Bluttat in München

Waffenhändler (32) drohen bis zu 10 Jahre Haft 

Heidelberg – „Profimäßig“ soll der der Waffenliebhaber L. zwei Jahre lang illegal Waffen über das Darknet verkauft haben. Nun drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft ohne Bewährung.

Im Jahr 2015 wird die Zollfahndung Stuttgart auf den gelernten Optiker aufmerksam, da an seine Anschrift ein Paket aus den USA adressiert war, dass drei Pistolenläufe enthielt. Die Polizei nimmt daraufhin die Ermittlungen auf.

Im Rahmen der Ermittlungen können im Keller der Mutter des 32-Jährigen mehrere Waffen sichergestellt werden, darunter Pumpguns, Kalaschnikows und Maschinenpistolen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm auch am letzten Verhandlungstag des Prozesses vor, unter demPseudonym „Dosensuppe“ und „Lektor 83“ im Darknet mit Waffen gehandelt zu haben. Obwohl L. zugibt, mit Waffen gehandelt zu haben, bestreitet er unter dem Namen „Dosensuppe“ agiert zu haben.

Waffenhandel! Hausdurchsuchung bei Verdächtigem

Waffen-Narr teilweise geständig

Gegenüber dem Gericht gibt der Heidelberger an, die Waffen immer unausgepackt weitergehandelt zu haben. Die Ermittler können dem Angeklagten gegenüber aber aufzeigen, dass er sich im Darknet immer damit gerühmt hätte, alle Waffen ausprobiert zu haben. Die Ermittler können zudem mehrere Fotos auf seinem Handy sicherstellen, die seiner Angabe widersprechen. L. posiert auf einem der Bilder auch mit einer Skorpion-Maschinenpistole. Diese Waffe hatte L. an den Briten Dominik B. verkauft. Die Pistole sei laut L. aber nicht einsatzfähig gewesen. Ein hinzugezogener britischer Waffenexperte widerspricht dieser Aussage.

Bei dem jungen Heidelberger können die Ermittler neben vollständigen Waffen auch mehrere Einzelteile sicherstellen, die er stark eingeölt in Plastiktüten verpackt hatte. Laut der Staatsanwaltschaft spreche das ebenfalls für einen Weiterverkauf über das Darknet.

Staatsanwaltschaft verweist auf Amoklauf in München

Der Heidelberger hat laut der Staatsanwältin gegen mehrere Paragraphen verstoßen: Er habe gewerbsmäßig mit Schusswaffen gehandelt und war im Besitz von Schusswaffen –darunter auch Kriegswaffen. Mit dem Handel habe er die Waffen „Nichtberechtigten“ zur Verfügung gestellt. Das Attentat in München am Freitag habe gezeigt, was daraus resultieren kann. Sie betont aber, dass keine Verbindung zwischen dem Amoklauf und L. besteht.

Die Staatsanwaltschaft hält auch nichts von seinem Geständnis, da dieses sehr spät erfolgte und nicht umfassend war. L. soll sowieso nur das zugegeben haben, was die Ermittler bereits herausbekommen hatten. L. soll laut Staatsanwältin „Profi“ gewesen sein, da er nicht nur Pseudonyme verwendete, sondern auch falsche Absender und Versendeorte benutzte.

Deswegen fordert die Staatsanwaltschaft unter anderem bis zu sieben Jahre Haft und die Übernahme der Gerichtskosten

Die Staatsanwaltschaft verweist auch auf die A uswirkungen seines Waffenhandels. So hatte der Brite Dominik B. vor, mit einer der Waffen einen Menschen zu töten – der Franzose N. habe mit einer anderen Waffe des Angeklagten einen Polizisten erschossen. Dem widersprechen Hans Böhme und Andrea Combé, die Verteidiger von L.

Verteidiger plädieren auf Strafmilderung

Sie rechtfertigten sein Handeln damit, dass er eine stark ausgeprägte Waffenliebe hatte, die er legal nicht befriedigen konnte. Da L. finanziell nicht gut gestellt sei, finanzierte er seine „Sammelleidenschaft“ über Waffenverkäufe im Darknet. Damit habe er auch seine Person aufgewertet.

Combé vergleicht ihren Mandanten mit G. – dem einem der größten Waffenhändler im Darknet – der nur eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten für deutlich mehr Verstöße gegen das Waffengesetz bekommen habe.

Die Verteidigerin fordert für den Angeklagten deswegen lediglich fünf Jahre Haft. Zudem bittet sie darum, dass keine weiteren Kosten auf den Mann zukommen, da er diese nicht bewerkstelligen könne.

Der letzte Verhandlungstag schließt mit den Worten von L.: „Nach München ist mir klar geworden, das mein Handeln unverantwortlich war. Ich werde mich für den Rest meines weiteren Lebens von Waffen distanzieren“.

Am Donnerstag, 28. Juli 2016, wird das Urteil in diesem Fall am Landgericht in Heidelberg gesprochen.

eep

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