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Aktionstag gegen Radikalisierung von Jugendlichen (Symbolbild). 

Aktionstag gegen Radikalisierung

Jung, radikal – Nein, Danke! 

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Heidelberg – Extremismus und Radikalisierung unter jungen Menschen nehmen zu – auch in Deutschland. Doch gibt es bestimmte Verhaltensmuster und was kann die Zivilgesellschaft tun? 

Um der Radikalisierung Jugendlicher entgegenzuwirken, versuchen unter anderem Beratungsstellen, die Jugendlichen abzufangen. Doch wie sich am Dienstag beim Diskussionsabend im DAI zeigt, kann dies nicht die einzige Maßnahme gegen eine Radikalisierung innerhalb unserer Gesellschaft sein. 

Mögliche Motive einer Radikalisierung 

Im Rahmen eines RNZ-Forums diskutieren am Abend Ahmad Mansour, ehemaliger Radikalist, Psychologe und Islamismus-Experte, Prof. Susanne Schröter, Ethnologin, und Felix Steinbrenner, Landeszentrale für politische Bildung und Fachreferent für Extremismusprävention, über die Gefahren der Radikalisierung von Jugendlichen und jungen Leuten. 

Eine zentrale Frage steht an diesem Abend besonders im Fokus: Welche Sinnstiftung vermag eine Radikalisierung zu verbieten und inwiefern lassen sich bestimmte Muster im Werdegang Radikaler ausmachen? 

So komplex die Thematik auch ist, eines steht fest: Es gibt kein bestimmtes Radikalisierungsmuster

„Viele sind Außenseiter, einige sind auf der Suche nach Vorbildern oder neuen Zielen. Aber eben nicht alle“, so Prof. Susanne Schröter. Zudem lassen sich sowohl junge Leute mit als auch ohne Migrationshintergrund für radikale Ideologien begeistern – Frauen wie Männer. 

„Das Problem liegt in unserer Gesellschaft“, so Schröter. „Der Mensch ist ein Gesellschaftstier. Doch viele vereinsamen. Und gerade Jugendliche werden von der Verantwortung für und innerhalb der Gesellschaft ausgeschlossen.“ Salafistische Gruppen können für diese Menschen dann ein Befreiungsort sein. Sie instrumentalisieren Macht und geben den Menschen das Gefühl: „Ich bin jemand, ich bin wichtig.“ 

Ahmad Mansur geht sogar soweit und behauptet, dass die Gruppierungen eine regelrechte „Marktlücke“ gefunden haben. Die Jugendlichen werden dort abgeholt, wo sie sich gerade befinden – auf deutsch, in der Jugendsprache, mit Themen, die für Jugendliche interessant sind, und – besonders wichtig – im Internet. Das macht es den Radikalen so einfach. 

Einmal Radikalisierung und zurück 

Und er spricht aus Erfahrung...

Als Ahmad Mansour Teenager war, spielte er nicht besonders gut Fußball. Ihn plagte das Gefühl, Außenseiter zu sein. Ein Imam wurde auf den Jugendlichen aufmerksam und lud ihn zur Koranschule ein. „Dort habe ich Freunde gefunden und ich habe eine Aufgabe, eine Mission bekommen“, so der Psychologe und Islamismus-Experte heute. „Doch mit der Zeit wurde aus dem sehr guten Koran-Unterricht eine Ideologie. Schließlich habe ich mich radikalisiert. Und meine Ansichten waren sehr radikal.“

Erst während seines Studiums musste Mansour ich seine eigene Meinung bilden. Er las viel und bemerkte die Doppelmoral des Koran. „Das hat mich motiviert auszusteigen.“

Gesellschaftliche Maßnahmen 

Doch Mansour betont: Um das Problem der zunehmenden Radikalisierung innerhalb unserer Gesellschaft zu vermeiden, muss ein grundlegendes pädagogisches Umdenken stattfinden. „Und wir müssen Räume für Jugendliche schaffen – Räume zum Nachdenken und Räume, um Antworten zu finden“, so der ehemalige Radikalist. 

Prof. Susanne Schröter sieht die Möglichkeiten und Grenzen zivilgesellschaftlichen Engagements darin: „Wir müssen verhindern, dass die Gesellschaft auseinander bricht, in weniger bedeutende und bedeutende Individuen.“

lin 

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