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Ein Soldat stellt in der zentralen Registrierungsstelle im PHV Formulare für eine syrische Flüchtlingsfamilie aus.
Ein Soldat stellt in der zentralen Registrierungsstelle im PHV Formulare für eine syrische Flüchtlingsfamilie aus.
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Ein Soldat stellt in der zentralen Registrierungsstelle im PHV Formulare für eine syrische Flüchtlingsfamilie aus.
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Ein Stempel mit dem Schriftzug „BEA Heidelberg“, eine Abkürzung für „Bedarfsorientierte Erstaufnahme Heidelberg“.
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Ein Flüchtling (r.) sitzt zur Registrierung hinter einem Computermonitor mit einer Kamera.
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Ein Flüchtling hinter einem Computermonitor mit der Aufschrift "Erstmeldung".
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Ein Flüchtling hinter einem Computermonitor mit der Aufschrift "Erstmeldung".
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Ein Mitarbeiter fotografiert einen Flüchtling aus Afghanistan.
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Ein Mitarbeiter nimmt in der zentralen Registrierungsstelle im Patrick-Henry-Village Fingerabdrücke eines Flüchtlings.

Zentrale Registrierungsstelle im PHV

Drehkreuz Heidelberg: Im Schnelldurchgang zum Asylantrag

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Heidelberg - Bisher verstreichen oft Monate, bis Flüchtlinge registriert sind und einen Asylantrag stellen können. Im „Drehkreuz Heidelberg“ soll es nur noch zwei Tage dauern.

Naqibullah wirkt ein wenig deprimiert, als er in einem kleinen, weiß getünchten Raum vor einem jungen Soldaten steht. Gerade gibt der Bankkaufmann aus Afghanistan im neugeschaffenen Registrierungszentrum in Heidelberg Fingerabdrücke ab, um sich als Flüchtling registrieren zu lassen. 

Seine Frau hält den einjährigen Sohn auf dem Arm, die dreijährige Schwester schaut interessiert zu, wie ihr Papa die geschwärzten Finger auf ein Stück Papier presst. Die Familie hat eine anstrengende Nacht in einer Turnhalle hinter sich. Die Kinder sind erkältet. Sie hätten gefroren, in der Halle sei es kalt, klagt der schlanke Mann mit den freundlichen Augen. Hoffentlich kämen sie bald woanders unter.

„Drehkreuz Heidelberg“ seit Montag in Betrieb

Im Patrick-Henry-Village in Heidelberg werden seit Montag in Baden-Württemberg neu angekommene Flüchtlinge registriert, untersucht und anschließend im Land verteilt. In einem der Häuser, in denen früher US-Soldaten mit ihren Familien lebten, wurden provisorische Registrierungsstellen eingerichtet. 

Dort werden die Daten der Flüchtlinge aufgenommen, biometrische Fotos gemacht und Fingerabdrücke genommen. Sind die Flüchtlinge registriert, müssen sie noch eine Gesundheitsprüfung über sich ergehen lassen. Ab nächster Woche können sie auch ihren Asylantrag stellen. Anschließend werden Asylbewerber mit guten Erfolgschancen an Kommunen weiterverwiesen. Die anderen müssen zurück in die Landeserstaufnahmeeinrichtungen.

Naqibullah und seine Familie haben gute Chancen: Vor drei Monaten sind sie vor dem Krieg in Afghanistan geflohen. In ihrer Heimatstadt im Norden des Landes nahe der Unruheprovinz Kundus, deren Hauptstadt erst am Montag von den Taliban eingenommen wurde, explodierten immer wieder Bomben. Der Familienvater schwebte allein wegen seines Berufs in ständiger Lebensgefahr. Die vier haben eine abenteuerliche Flucht hinter sich – im Bus, im Zug und auch im Boot. Das sei gesunken, sagt der Mann mit den asiatischen Gesichtszügen. Wäre die Polizei nicht gekommen, um sie zu retten, wären sie heute nicht mehr am Leben.

1.300 Flüchtlinge kommen täglich ins „Ländle“ 

Schon jetzt strömen täglich mehr als 1.300 Flüchtlinge nach Baden-Württemberg, ihre Zahl wird in den nächsten Wochen weiter steigen. „Gestern fiel Kundus. Das wird enorme Auswirkungen auf uns haben“, sagt der Leiter der operativen Stabsstelle beim Land für Flüchtlingsangelegenheiten, Hermann Schröder. Er rechnet mit bis zu 2.000 Neuzugängen – jeden Tag. Der Platz ist heute schon mehr als knapp, oft müssen innerhalb weniger Stunden neue Notunterkünfte organisiert werden.

Das neu geschaffene Drehkreuz soll Abhilfe schaffen, doch es wird möglicherweise schnell an seine Kapazitätsgrenzen kommen. Wie groß eine solche Registrierungszentrale sein könne, müsse man erst prüfen, sagt Schröder. Aber wenn der Zulauf so bleibe wie jetzt, müssten noch zwei, drei weitere vergleichbare Stellen im Land geschaffen werden.

Registrierung, Untersuchung, Antrag

In Heidelberg wird es eine größere Registrierstelle geben, die in einer ehemaligen Turnhalle mit zwei Geschossen untergebracht wird. Im Idealfall soll dort an einem Tag im Erdgeschoss die Registrierung und Gesundheitsuntersuchung abgeschlossen sein und am nächsten Tag kann im Obergeschoss der Asylantrag gestellt werden.

Dass all diese Schritte an einem Ort erledigt werden, ist laut Schröder bundesweit ein Novum. Das Bundesinnenministerium sei daher auch „mehr als interessiert an diesem Projekt“ und begleite es sehr intensiv. Schröder hofft, dass durch das Drehkreuz die Lage in den überbelegten Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes besser wird. Die Situation sei dort sehr angespannt. Viele Menschen warteten schon sehr lange, sie seien hoffnungslos, es gebe immer wieder Auseinandersetzungen, oft sei Alkohol im Spiel.

Streit wegen unterschiedlichen Interessen

Das bestätigt auch der Projektleiter des Registrierungszentrums im Patrick-Henry-Village Heidelberg, Michael Willms. 3.800 Menschen lebten derzeit im Patrick-Henry-Village, sagt er. Nach Möglichkeit würden verschiedene Ethnien und Religionen getrennt voneinander untergebracht. Aber meist entstehe Streit nicht wegen religiöser Fragen, sondern wegen unterschiedlicher Lebensführungen. Familien wollten abends ihre Ruhe haben, alleinstehende junge Männer wollten lieber Party machen. „Da gehen die Meinungen, wie man den Abend gestaltet, weit auseinander.

Am Tag jedenfalls wirkt das weitläufige Patrick-Henry-Village fast schon idyllisch. Kinder spielen auf einem ehemaligen Parkplatz in der Sonne – zwei Jungs aus Afrika jagen lachend einen Ball, andere haben sich Rollerblades unter die Füße geschnallt, ein kleines Mädchen schiebt sein Geschwisterchen in einem Puppenwagen spazieren. Familien tragen Tüten mit in Folie eingeschweißtem Essen in ihre Unterkünfte. Auch Naqibullah kann wieder lächeln. Seine Familie habe direkt nach der Registrierung ein Zimmer zugewiesen bekommen – ganz für sich allein, berichtet er strahlend.

dpa/rmx

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