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Ausbildungsreport 2016

DGB-Studie: Fast die Hälfte der Azubis klagt über Belastung

Mainz - Leistungsdruck, Überstunden, Pendeln: Viele Auszubildende in Rheinland-Pfalz klagen über solche Probleme am Arbeitsplatz. Der DGB hat zum sechsten Mal fast 1000 Azubis befragt.

Knapp die Hälfte der Lehrlinge in Rheinland-Pfalz sieht sich einer Studie zufolge in der Ausbildung unter Druck. Das hat der Ausbildungsreport 2016 ergeben, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Rheinland-Pfalz und die DGB-Jugend am Dienstag in Mainz vorstellten. 

47 Prozent der knapp 1.000 Befragten gaben eine hohe Belastung in mindestens einem Bereich an. Mehr als jeder sechste Azubi (17,8 Prozent) klagt über Leistungs- und Zeitdruck, mehr als jeder siebte (16,1 Prozent) über lange Fahrzeiten und 12,3 Prozent über ständige Erreichbarkeit. Eine schlechte Pausensituation wird von 13,4 Prozent als Belastung empfunden. Knapp ein Drittel der Azubis (32,3 Prozent) gibt an, regelmäßig Überstunden zu machen, geht aus der Studie hervor. Im vergangenen Jahr waren es allerdings noch fast 38 Prozent gewesen. 

Die Belastung hat nach Einschätzung des DGB auch Folgen für die Gesundheit: Vier von zehn Auszubildenden mit einer hohen Belastung fühlen sich am Ende eines Tages erschöpft, ein Fünftel fühlt sich schwach und krankheitsanfällig. Über die Hälfte (55,8 Prozent) kommt auch zur Ausbildung, wenn sie sich krank fühlt. Selbst bei einer gering eingeschätzten Belastung gibt noch mehr als ein Fünftel (22,2 Prozent) an, am Ende eines Tages erschöpft zu sein, knapp neun Prozent fühlen sich schwach. Auch von den Azubis, die nach eigener Aussagen unter einer geringer Belastung stehen, ist über die Hälfte bei Krankheit im Betrieb. 

Der DGB-Landesvorsitzende Dietmar Muscheid sieht einen Zusammenhang zwischen der Belastung und der Qualität der Ausbildung. Wer Nachwuchs sichern wolle, dürfe junge Menschen „nicht als billige Arbeitskräfte" benutzen, sagte er. „Es geht um gute und qualitative Fachkräfte, das setzt gute und qualitative Ausbildung voraus." Besonders hoch sind viele Belastungen nach DGB-Angaben in Berufen mit überwiegend weiblichen Azubis. Das könne daran liegen, dass es bei vielen Dienstleistungsberufen - etwa die Branchen Friseur oder Pflege - Kleinbetriebe mit einer nicht so guten tarifvertraglichen Absicherung gebe, sagte Bezirksjugend-Sekretärin Leonie Hein. Die Azubis sind - wie in den vergangenen Jahren - mit ihrer Ausbildung insgesamt zufrieden. 

In Betrieben mit Betriebsrat, Personalrat oder Jugendvertretung sagen dies rund 87 Prozent der Lehrlinge, in Betrieben ohne Mitbestimmung sind es knapp 64 Prozent. Rund 28 Prozent werden nach der Ausbildung übernommen. 14 Prozent geben an, sie hätten schon einmal eine Ausbildung abgebrochen.

dpa

Quelle: Mannheim24

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