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In Uncharted 4 geht Nathan Drake gemeinsam mit seinem Bruder Sam auf Abenteuerreise.

Spieletest

Uncharted 4 - Eine Liebeserklärung

Wer immer noch einen Grund sucht, sich eine Playstation 4 zuzulegen: Hier ist er. Uncharted 4 ist das beste Spiel dieser Konsolengeneration.

Es gibt Spiele, die kann man nicht gänzlich objektiv testen. Uncharted 4 ist für mich so ein Spiel. Daher gleich zu Beginn das Geständnis: Ich habe Uncharted immer geliebt. Uncharted 2 gehört immer noch zu meinen absoluten Lieblingsspielen. Ganz oben auf dieser Liste aber steht „The last of us“, das genau wie die Uncharted-Serie von den Ausnahmeentwicklern „Naughty Dog“ stammt. War Uncharted immer das spielerische Äquivalent zu einem Popcornfilm im Kino, so führte „The last of us“ das Medium Videospiele vor einigen Jahren zu einem komplett neuen Qualitätsniveau, präsentierte eine zutiefst traurige, erwachsene Geschichte mit komplexen Charakteren, mit geschliffenen Dialogen, traf einen desöfteren mit voller Wucht mitten in die Magengrube.

Als nun „Uncharted 4“ angekündigt und immer wieder verschoben wurde, fragten sich viele, welchen Einfluss „The last of us“ auf die Abenteuer von Nathan Drake haben würde. Würde aus dem vergnügten Abenteurer, der mit traumwandlerischen Sicherheit von einer Katastrophe in die nächste stolpert, ein zerquälter Charakter, der an sich und der Welt verzweifelt?

Furiose Achterbahnfahrt mit erzählerischer Tiefe

Keine Sorge. „Naughty Dog“ wäre nicht einer der ganz wenigen Entwickler, die noch nicht ein schlechtes Spiel herausgebracht haben, wenn sie einfach die Erfolgsformel des mit Preisen überschütteten „The last of us“ auf „Uncharted“ übertragen hätten. Und doch ist „Uncharted 4“ erwachsener geworden. Es ist nicht mehr einfach nur ein Spiel, bei dem man sich entspannt zurücklehnt und darauf wartet, in welche haarsträubende Situatiion Nathan Drake als nächstes schlittert. Es ist ein Spiel geworden, bei dem man mit den Charakteren mitfiebert, bei dem - der haarsträubenden Grundannahme zum Trotz - die Motivation der Akteure klar wird, einem die Protagonisten ans Herz wachsen. Das schaffen nur die wenigsten Videospiele, die sich allzu oft immer noch mehr auf Technik und Schauwerte konzentrieren und dabei vergessen, dass es vor allem die Geschichten, die Reise der Charaktere und deren Entwicklung sind, die aus einem Spiel ein bleibendes Erlebnis machen.

Doch keine Sorge. Davon abgesehen ist Uncharted 4 genau die furiose Achterbahnfahrt, die sich die Fans erhofft haben. Es braucht allerdings ungewöhnlich lange, um in Gang zu kommen. Nathan Drake, mittlerweile mit der Journalistin Elena aus den vorherigen Teilen verheiratet, hat dem Abenteurerdasein abgeschworen. Er arbeitet für eine Taucherfirma, lehnt Angebote für Schatzsuchen konsequent ab. Herzzreißend die Szene auf dem Dachboden des gemeinsamen Hauses, wo Nathan nach Feierabend die Erinnerungsstücke an seine früheren Abenteuer sortiert und kommentiert, mit der Spielzeugpistole auf Zielscheiben früherer Bösewichter ballert, bevor Elena zum Essen ruft. Allein die folgende Szene, in der die beiden gemeinsam bei Tisch sitzen, hat eine Intimität, einen Grad von Realismus, die man so in einem Videospiel noch nicht erlebt hat. Und das hat absolut nichts mit der Grafik zu tun, die alles in den Schatten stellt, was man bisher auf einer Konsole gesehen hat. Es liegt vielmehr daran, dass hier Videospielcharaktere so miteinander agieren, dass man das Gefühl hat, echte Menschen aus Fleisch und Blut miteinander umgehen zu sehen. Erheblichen Anteil daran hat die hervorragende Synchronisation - „Uncharted 4“ ist eines der wenigen Spiele, die man ohne Einbußen auf Deutsch spielen kann.

Der klassische Uncharted-Dreiklang: Klettern, Rätseln, Ballern

Natürlich dauert es am Ende nicht lange und Nathan steckt wieder bis zum Hals im Schlamassel. Der klassische Uncharted-Dreiklang aus Klettern, Rätseln und Ballern wird angestimmt. Und auch hier hat es „Uncharted 4“ zu neuer Meisterschaft gebracht. Alles greift sinnvoll ineinander über, steuert sich perfekt, so gut wie nie hat man das Gefühl, nicht zu wissen, wie es weitergeht.

Wenn man stehen bleibt, dann um über die unfassbare Schönheit der Level zu staunen, die man in den insgesamt 18 bis 20 Stunden Spielzeit durchläuft. Was die Entwickler da auf den Bildschirm zaubern, ist an Abwechslung kaum zu übertreffen. Von winterlichen Schottland bis zur tropischen Insel vom finstren Kellergewölbe bis zum barocken Prachtsaal - Uncharted 4 ist eine Augenweide. Auffällig dabei ist, dass „Naughty Dog“ erstmals vom streng linearen Design der Vorgänger abweicht. Bestimmte Areale können vollkommen frei erforscht werden, in dem man sich mit einem Geländewagen und einer Winde seinen Weg zum Ziel selbst suchen muss. Andere bieten verschiedene Wege an, um sich an den Gegnern vorbei zu schleichen oder wahlweise den Weg freizuschießen. Wobei der Anteil an Ballersequenzen im Vergleich zu den Vorgängern deutlich zurück geschraubt wurde, was dem Spielspaß aber eher zuträglich ist. In „Uncharted 4“ auf der PS4 geht es mehr ums Staunen, weniger ums Schießen.

Fazit

„Naughty Dog“ kündigte an, der vorliegende Teil sei der letzte der Serie. Wenn das stimmt, dann wäre es jammerschade. Aber dann würde Nathan Drake mit einem Donnerschlag abtreten. Denn „Uncharted 4“ ist das bisher beste, schönste, spannendste und berührendste Spiel dieser Konsolengeneration. Wenn es noch eines Grunds bedurft hätte, sich eine Playstation 4 zuzulegen: Das ist er.

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