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Vorsichtig zupfen die Helfer die grünen Hopfendolden von den Stielen.

"Hopfezopfe" in Sandhausen

Hier wird die "Seele des Bieres" geerntet

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Mehr als 100 Liter Bier trinkt der Deutsche im Schnitt, besagen Statistiken. Doch wer weiß, wie ein Bier seine "Seele" bekommt? In Sandhausen beim "Hopfezopfe" wird's gezeigt!

Jede dritte Brauerei der Welt steht in Deutschland. Mehr als 17.000 Hektar – umgerechnet etwa 24.000 Fußballfelder – beträgt die bewirtschaftete Hopfenfläche in Deutschland. Das letzte verbliebene Hopfenfeld in der Region befindet sich in Sandhausen. Und dort dreht sich an diesem Wochenende alles um das "grüne Gold". Hier kommen seit zehn Jahren ehemalige Hopfenbauern, die Mitglieder des Männergesangvereins sowie zahlreiche ehrenamtliche Helfer zum geselligen „Hopfezopfe“ per Hand zusammen. Sehr zur Freude vieler Bürger und Touristen, die sich dieses gesellige Spektakel nicht entgehen lassen! 

Hier wird die "Seele des Bieres" geerntet

Der Chef der Plankstadter Welde-Brauerei, Dr. Hans Spielmann, ist dabei natürlich vor Ort und eröffnete mit Bürgermeister Georg Kletti den Traditionstermin mit einem Fassbieranstich. „Für uns sind handwerklich hergestellte Biere aus Aromahopfen wie dem in Sandhausen die Zukunft. Und hier spielen Handwerkskunst, Zutaten und Genuss in einer Region zusammen“, so Dr. Spielmann. Die Aromahopfen werden weltweit für die Herstellung von Bieren immer beliebter, in den USA verwenden die Brauer mittlerweile mehr Aroma- als Bitterhopfen. „Vielleicht erlebt der Aromahopfen ja auch in und um Sandhausen eine Renaissance“, ergänzt Spielmann. 

Die Mitglieder des Männergesangvereins pflegen in Sandhausen das letzte verbliebene Hopfenfeld der Region, es misst vier Ar. Zünftig bei Musik, Brotzeit und Weldebier werden die Hopfendolden vorsichtig abgezupft, wobei der Stiel nicht mit entfernt werden darf. Mit dem so geernteten Hopfen wird – ebenfalls seit zehn Jahren – von der badischen Braumanufaktur Welde eine limitierte Auflage Welde No1 Premium Pils gebraut. 

Der von Hand gezupfte Hopfen wird getrocknet und naturbelassen dem Bier-Sud zugefügt. Hierfür hat Welde-Braumeister Stephan Dück eigens eine Hopfen-Gondel aus Metall gefertigt, die einem großen Tee-Ei ähnelt. Diese wird mit den getrockneten Hopfendolden gefüllt und im Bier-Sud versenkt. Mitte Oktober, rechtzeitig zur Sandhäuser Kerwe, ist das Bier fertig und wird dort frisch vom Fass gezapft. 

Insgesamt ergibt die Sandhäuser Hopfenernte mitunter mehr als 20.000 Kästen Bier, die im Handel verfügbar sind, solange der Vorrat reicht.

Die Region um Sandhausen zählte früher wegen des sandigen Bodens zu den bedeutendsten Anbaugebieten in Deutschland. Hopfenernte per Hand war in früheren Jahrhunderten üblich, ist aber äußerst arbeitsintensiv. Deshalb setzen Hopfenbauern mittlerweile Erntemaschinen ein. In den deutschen Anbaugebieten wurden vergangenes Jahr rund 27.500 Tonnen Hopfen geerntet, 2014 werden es nach Schätzungen wieder mehr sein, rund 34.000 Tonnen, teilt der Verband deutscher Hopfenpflanzer mit. Eine gute Ernte also.

Das "Hopfezopfe" in Sandhausen kann auch am Sonntag noch besucht werden. 

kb/mk

Quelle: Mannheim24

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