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Ein Blick unter die Kochstelle eines Restaurants. Dort haben sich im Laufe der Zeit Essensreste angesammelt.

Das finden Lebensmittelkontrolleure in Mannheim

Mahlzeit! Kakerlaken in Backstube und Keime in Zapfanlagen

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Kakerlaken in der Backstube, Schimmel in der Zapfanlage, verdorbene Vanillecreme in Windbeuteln – na, noch hungrig? Den Lebensmittelkontrolleuren der Stadt Mannheim vergeht schon mal der Appetit. 

Erster Bürgermeister Christian Specht zeigte mit Sissi Denefleh, Wladimir Kalbfleisch und Peer-Kai Schellenberger (v. l.) Utensilien, die die Lebensmittelkontrolleure beschlagnahmten.

In über der Hälfte aller Lebensmittelbetriebe in Mannheim war die städtische Lebensmittelüberwachung im vergangenen Jahr mindestens einmal zu Besuch. Obwohl in rund 55 Prozent (2012: 56 Prozent) der besuchten Betriebe zumindest geringfügige Beanstandungen festgestellt wurden, begingen nur wenige "schwarze Schafe" schwere Verstöße. So lautet die Bilanz, die die Stadt Mannheim in einer Pressekonferenz darstellte.

„In weiten Teilen der Gastronomie und des Lebensmittelhandels ist der Wettbewerb vom Preiskampf bestimmt. Mit unserer Lebensmittel-Überwachung schützen wir die Verbraucher und sichern faire Mindeststandards für alle Wettbewerber“, betonte Erster Bürgermeister und Sicherheitsdezernent Christian Specht bei der Vorstellung der Zahlen für das vergangene Jahr und ergänzte: „Unser hoher Überwachungsdruck mit wiederkehrenden Routinekontrollen trägt dazu bei, dass wir nur wenige schwere Hygiene-Verstöße verzeichnen mussten: 2013 hat die Lebensmittelüberwachung nur zwölf von knapp 3.900 besuchten Betrieben zeitweise geschlossen.“ Über 1.700 Proben wurden dabei genommen, zehn Prozent mehr als im Jahr davor.

"Betriebe, die von uns wegen Hygienemängeln geschlossen werden, können nach einer intensiven Generalreinigung, die wir selbstverständlich kontrollieren, wieder öffnen“, erläuterte Peer-Kai Schellenberger, Abteilungsleiter Verbraucherschutz. „Sie werden dann aber in besonders kurzen Abständen immer wieder besucht, um zu verhindern, dass sich die alten Missstände wieder einschleichen." 

Igitt! Hier waren SIE vielleicht Gast

Beschwerden von Verbrauchern

Nein, das Brot wurde nicht angebissen: Es handelt sich hier um einen kleinen Back-Fauxpas.

Über ein Onlineformular oder das Beschwerde-Telefon 115 können Bürger auf Mängel aufmerksam machen. 214 nahmen diese Möglichkeit im Vorjahr wahr. "Wir gehen dabei jeder Beschwerde nach", bekräftigte Sissi Denefleh, Teamleiterin Lebensmittelüberwachung. So wurden zum Beispiel verdorbene Vanillecreme in Windbeuteln und verschimmelte Wurst entdeckt. Ein Plastikstäbchen in einer Kalbshinterhaxe dagegen stellte sich als Knochensplitter heraus, der anatomisch dort nicht Fehl am Platze war. 

Dass dieSehkraft nach dem Verzehr eines Cordon bleu nachließ, wie ein Verbraucher meldete, konnten die Kontrolleure allerdings nicht bewerten. Auch ein Brot, das bei der Verbraucherschutzbehörde mit einer fehlenden Knorze auftauchte, stellte sich als Backmalheur heraus. Denn weder der Bäcker hatte dort zuvor reingebissen noch ein Nagetier; der Brotteig war beim Backen vermutlich mit einem anderen verschmolzen und wurde getrennt – an der Bruchstelle fehlte so die Kruste.

Auch das vierlagige Toilettenpapier, das als zu dünn empfunden wurde, oder die zu kleinen Pommes wurden von der Behörde mit der nötigen Ernsthaftigkeit überprüft, wie auf der Pressekonferenz beteuert wurde.

Pfui! In diesem Frittiersieb wurden Schnitzel und Pommes zubereitet. 

Dafür fanden die Kontrolleure andere "leckere" Sachen: zum Beispiel in einer Backstube. Dort lagerten offene Zutatensäcke (Mehl, Salz etc.) und daneben hatten sich Kakerlaken eine hübsche Straße gebaut. Die Bäckerei wurde geschlossen.

Ein völlig versifftes Frittiersieb nahmen die Kontrolleure direkt aus einem Restaurant mit, 750 Euro Bußgeld für den Betreiber gab's obendrauf.

Apropos: Im vergangenen Jahr wurden 16 Strafverfahren und 151 Bußgeldverfahren eingeleitet sowie 115 gebührenpflichtige Verwarnungen ausgesprochen. Die Stadt nahm dabei 39.000 Euro an Bußgeldern ein und 3650 Euro über gebührenpflichtige Verwarnungen. Die höchste Geldstrafe betrug dabei 9000 Euro, das höchste Bußgeld lag bei 1500 Euro. Geld, auf das die Stadt, so Specht, gerne verzichtet, wenn die Betriebe in ihre wirtschaftliche Qualität und damit in die Verbraucher investieren würden.

Seetang und Tattoofarbe beanstandet

Grund zu Beanstandungen gab es 2013 – wie schon im Jahr davor – wieder bei mehr als der Hälfte der Betriebskontrollen. „Die Verstöße waren zum größten Teil eher geringfügig, zum Beispiel fehlten häufiger Hinweise auf Zusatzstoffe oder die Seifenspender waren leer“, berichtete Schellenberger. „Bei den 1725 von uns erhobenen Proben wurden nach Analyse der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) wie bereits im Vorjahr wieder 19 Prozent beanstandet.“ Auch die als ‚gesundheitsgefährdend‘ eingestuften Proben blieben auf einem niedrigen Niveau: Acht Mal kamen die Fachleute zu diesem Ergebnis. "Darunter war etwa Seetang, der sehr viel Jod enthält, was bei einer Überdosierung die Schilddrüse schädigen kann. Darauf wurde nicht anständig vom Hersteller hingewiesen", verdeutlichte Lebensmittelkontrolleur Wladimir Kalbfleisch.

Oder Tattoofarbe. Eine Probe enthielt Stoffe, die dort nicht hineingehörten. Allerdings handelte es sich dabei nicht um Lacke, wie sie in der Autoindustrie verwendet werden, antwortete Sissi Denefleh auf eine entsprechende Anfrage von MANNHEIM24. Derartige Lacke waren immer mal wieder in Tattoofarbe nachgewiesen worden. 

Übrigens: Den so genannten "Internetpranger", in dem zwischen September 2012 und März 2013 durch eine Landesregelung Ergebnisse von Kontrollen der amtlichen Lebensmittelüberwachung mit Betriebsbezeichnung veröffentlicht worden sind, gibt es nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes Baden-Württemberg vom 28. Januar 2013 nicht mehr. Alle bis dato veröffentlichten Betriebe wurden von der Onlineplattform der Stadt genommen (in Mannheim waren es fünf). Sissi Denefleh bedauerte, dass dieses wegen der konkreten Namensnennung umstrittene "Druckmittel" weggefallen sei und schob nach, dass sich nach den letztjährigen Kontrollen dort 30 Betriebe wiedergefunden hätten. Doch ob diese wirklich auf der Internetplattform der Stadt vom Verbraucher entdeckt worden wären, hinterfragte wiederum Christian Specht. 

Kein Pferdefleisch entdeckt

Auch der "Pferdefleischskandal" schlug sich in der Arbeit der Mannheimer Kontrolleure nieder: Wegen der Rückrufaktionen mehrerer Unternehmen führten sie 20 Betriebskontrollen durch und entnahmen 14 Proben, unter anderem Lasagne, Frikadellen, Ravioli und Kohlrouladen. Pferdefleisch wurde dabei und bei weiteren Stichproben, die auch noch laufend fortgeführt werden, in Mannheim nicht gefunden.

Wohl bekomms?!

Im Juli diesen Jahres, zur besten Biergartenzeit, befassten sich die Kontrolleure besonders intensiv mit der Hygiene von Bierzapfanlagen, wie die Leiterin des Teams mit derzeit zehn Lebensmittelkontrolleuren, Sissi Denefleh, berichtete. Bei einer Schwerpunktkontrolle wurden 21 Gastronomiebetriebe besucht. Dabei mussten in zwölf Betrieben die Zapfanlagen beanstandet werden – etwa weil die Schläuche nicht ausreichend gereinigt waren oder sich Ablagerungen in Zapfhähnen oder Bierfass-Anschlüssen gebildet hatten. In zwei Fällen fanden sich sogar Keime im Bier – allerdings nicht in gesundheitsgefährdenden Konzentrationen. "Hefe dient als Nährboden für Schimmelpilze", erläuterte Wladimir Kalbfleisch. Wegen unzureichender Reinigung der Schankanlagen müssen nun sieben Gastwirte mit einem Bußgeldverfahren rechnen.

Kontrollen im Einzelhandel

Um die Wettbewerbsgleichheit in Mannheim zu sichern, legten die städtischen Kontrolleure einen weiteren Schwerpunkt auf korrekte Preisangaben: Von 27 überprüften Betrieben in der Innenstadt hatten 23 ihre Waren im Schaufenster oder im Verkaufsraum nicht ordnungsgemäß mit Preisen ausgezeichnet. Daher mussten 13 Betriebe gebührenpflichtig verwarnt werden, außerdem wurden zwei Händler angezeigt. „Wegen der hohen Verstoßquote werden wir zukünftig ein besonderes Augenmerk auf die Preisauszeichnung haben“, so Specht. 

Stadt sucht Kontrolleure!

Auch wenn Mannheim im landesweiten Vergleich zu einer der kontrollintensivsten Städte gehöre (Specht), sei vermerkt, dass von 4863 Lebensmittelbetrieben letztlich nur 52 Prozent gecheckt worden sind. Grund: Der Stadt fehlt das notwendige Personal. "Wir suchen Lebensmittelkontrolleure", betonte Peer-Kai Schellenberger, die Stadt fungiere dabei auch als Ausbilder. Um freie Stellen zu besetzen, würden gerne auch Meister im Lebensmittelhandwerk (Bäcker, Metzger etc.) genommen ...

kb/pm 

Quelle: Mannheim24

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