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Die ‚Gastgeberinnen‘: BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale (li.) und OB Dr. Eva Lohse.

400 Ludwigshafener im Bürgerhaus

Nach Unglück: BASF & Stadt diskutieren mit Bürgern 

Ludwigshafen-Oppau – Wie konnte so ein Unglück passieren? Warum wurde die Bevölkerung so spät informiert? Kritische Fragen beim „Bürgerdialog“ zur BASF-Explosion mit vier Toten.

Das verheerende Explosionsunglück mit vier Toten im Landeshafen Nord des BASF-Werksgeländes am 17. Oktober 2016 (WIR BERICHTETEN MEHRFACH) – noch immer sind der Chemie-Riese und die Stadt Ludwigshafen mit der Aufarbeitung beschäftigt. Und werden es wohl auch noch lange sein...

Bei einem großen „Bürgerdialog“ am Donnerstagabend, 1. Dezember, im Oppauer Bürgerhaus stellen sich OB Dr. Eva Lohse (CDU) und BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale den rund 400 besorgten und interessierten Bürgern.

Impressionen vom „Bürgerdialog“ zum BASF-Unglück

Nach einleitenden Worten von Lohse und Suckale informieren Rolf Haselhorst (Leiter BASF-Werkfeuerwehr) und Peter Friedrich (Chef Berufsfeuerwehr Ludwigshafen) über den aktuellsten Stand in Sachen Ursache und Erkenntnisse für die Zukunft.

Der 17. Oktober 2016 ist ein Datum, das wir nicht mehr vergessen werden! Dieser Tag hat viel Leid gebracht. Wir teilen heute Fakten mit Ihnen, können und dürfen aber nicht spekulieren. Auch, weil der Staatsanwalt noch ermittelt und damit im Jahr 2016 auch nicht fertig wird“, so Suckale.

OB Lohse betont: „Wir gedenken der vier Toten und den Verletzten, die in helfender Absicht dort im Einsatz waren. Dieses schreckliche Unglück hat sich ins Gedächtnis der Stadt geschrieben.

Diese Einladung haben die Ludwigshafener im Briefkasten.

Erst danach haben die Zuhörer, zumeist Bewohner der angrenzenden Stadtteile, aber auch viele Ex-Aniliner, die Möglichkeit, ihrem Kummer Luft zu machen und kritische Fragen zu stellen – sie hatten die Einladung am Dienstag in ihren Briefkästen.

Zur Beantwortung auf dem Podium: BASF-Werksleiter Dr. Uwe Liebelt sowie auf städtischer Seite die beiden Beigeordneten Dieter Feid (SPD, Sicherheit) und Klaus Dillinger (CDU, Umwelt).
In den Fragerunden immer wieder Thema: Wie konnte es zu dem Unglück kommen? Wurden schädliche Stoffe gemessen? Dazu die in den Augen vieler Bürger mangelhafte Informationspolitik von Konzern und Rathaus.

Werksleiter Dr. Liebelt zur Ursache: „Wir können uns nicht erklären, wie es zu diesem menschlichen Versagen kommen konnte – das muss der Staatsanwalt feststellen.

Fakt sei, dass der Arbeiter der Fremdfirma einen „mindestens 15 Zentimeter langen Schnitt in das acht Millimeter starke Rohr“ gemacht habe. Er sei mit dem Trennschleifer nicht abgerutscht, sondern habe den exakten Schnitt bewusst getätigt.

Wie geht es den Überlebenden der Tragödie?

Drei Schwerverletzte liegen noch in der Klinik – die anderen Verletzten sind schon in Reha“, erklärt Stefan Lang, Ärztlicher Direktor der BASF.

Warum sollte die Bevölkerung im Norden tagelang Fenster und Türen geschlossen halten, wenn doch keine Gefahr bestand?

Wir haben permanent gemessen, ausgewertet und die Ergebnisse mit der BASF abgeglichen. Es bestand keine Gefahr für die Bevölkerung. Nach 20 Minuten wurde die Bevölkerung gewarnt – und im Zweifel warnen wir lieber einmal zu viel... Schließlich ist jederzeit eine Lageänderung denkbar – etwa durch sich ändernde Windverhältnisse“, so Sicherheitsdezernent Dieter Feid.

Und man hat auch andere Erkenntnisse gewonnen: Da in manchen Stadtteilen die Sirenen teils nicht zu hören waren, rüstet die Stadt Anfang 2017 in Werksnähe mit fünf Hochleistungssirenen nach.

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Da es Stadt und BASF ein „gemeinsames Anliegen“ sei, „die Geschehnisse aufzuarbeiten und weitere umfassende Informationen an die Bürgerinnen und Bürger weiterzugeben“, werde es bei Bedarf einen zweiten „Bürgerdialog“ geben.

Explosion erschüttert BASF-Gelände

Bewegender Gottesdienst für Tote und Verletzte des BASF-Unglücks 

BASF: Leiche aus Hafenbecken geborgen!

>>> Hier geht‘s zu unserer Sonderseite zur BASF-Explosion im Landeshafen Nord <<<

pek

Quelle: Ludwigshafen24

Weihnachtsmarkt verzaubert Schwetzinger Schlosshof

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Hier explodierte der Sprengsatz

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Fotos: Meterhohe Rauchsäule über Industriehafen!

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