Pfarrerin Britta Geburek-Haag und Dipl.-Psychologe Hans Joachim Schmitt vor dem psychosozialen Beratungszentrum.

Psychosoziales Beratungszentrum

Flüchtlinge: Viele Frauen Opfer sexueller Gewalt

Ludwigshafen – Beim psychosozialen Beratungszentrum für Flüchtlinge in Ludwigshafen suchen knapp zehn Monate nach dem Start vermehrt Frauen Hilfe, die Opfer sexueller Gewalt wurden.

Das berichtet die Sprecherin des Diakonischen Werks Pfalz, Eva Stern. Als Beispiele nennt sie Vergewaltigung und Genitalverstümmelungen sowie sexuelle Übergriffe. „Außerdem sind einige Ratsuchende auch Opfer häuslicher Gewalt in Deutschland geworden.“ 

103 Menschen hatten bislang einen oder mehrere Termine im Psychosozialen Zentrum Pfalz (PSZ), dessen Angebot sich vor allem an Opfer von Folter und Gewalt sowie an schwer psychisch oder körperlich Kranke richtet (WIR BERICHTETEN). Darunter sind 40 Frauen und 63 Männer, 14 von ihnen Minderjährige. Mit 26 Patienten ist Syrien am stärksten vertreten.

Psychosoziales Zentrum für traumatisierte Flüchtlinge!

Traumatische Erlebnisse auf der Flucht

Viele der Besucher haben nach Angaben des Zentrums in der Heimat und auf der Flucht traumatisierende Erfahrungen gemacht. Vielen mache auch die Unsicherheit über den Ausgang des Asylverfahrens zu schaffen. Das sei besonders bei Flüchtlingen aus den erst kürzlich zu sicheren Herkunftsländern ernannten Staaten der Fall. „Die Probleme äußern sich häufig in Schlafstörungen, Übererregung und leichter Reizbarkeit, Aggressivität und Substanzmittelkonsum.“

Während es einigen aufgrund ihrer seelischen Konstitution und stabiler Bindungen gelinge, die schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten und sich gut zu integrieren, litten andere an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie entsteht, wenn ein Mensch Todesängste ausstand oder in Todesgefahr war.

Umfassende Beratung

Die beiden Mitarbeiter des Zentrums - Pfarrerin Britta Geburek-Haag, die unter anderem in der Beratung von traumatisierten Menschen weitergebildet wurde, und Dipl.-Psychologe Hans Joachim Schmitt - versuchen, den Betroffenen zu helfen und sie an Fachärzte zu vermitteln. Sie beraten auch im Asylverfahren. Zudem werden Gutachten zur Frage der Behandlungsbedürftigkeit erarbeitet. Damit kann ein Flüchtling bei der Sozialverwaltung einen Behandlungsschein beantragen. In den Gutachten wird auch angesprochen, wie sich der gesundheitlichen Verlauf bei einer Abschiebung entwickeln würde.

„Die Nachfrage nach Gutachten und psychosozialer Beratung ist gleichermaßen gestiegen“, berichtet Stern. Außerdem bäten immer mehr Einrichtungen und Behörden um Unterstützung für minderjährige Flüchtlinge.„Insgesamt ist der Bedarf an Beratung und Therapie wesentlich höher, als die Stellenanteile abdecken können.“ 

Als Erfolg werten die Mitarbeiter des Zentrums, dass die psychologischen Stellungnahmen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren Abschiebungen verhindern konnten. Zudem zeigten die stabilisierenden Maßnahmen bei vielen Klienten nach einiger Zeit Erfolge. „Auch konnte in einigen Fällen eine Beschleunigung des Asylverfahrens erwirkt werden.“

Quelle: Ludwigshafen24

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