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Finanzvorstand Dr. Engel, Standortleiterin Suckale und BASF-Chef Kurt Bock (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz 

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Pressekonferenz: BASF-Chef Kurt Bock äußert sich zum Unglück

Ludwigshafen – In einer Pressekonferenz am Donnerstag äußert sich neben Standortleiterin Margret Suckale und Finanzvorstand Dr. Hans-Ulrich Engel erstmals auch BASF-Chef Dr. Kurt Bock zum schweren Unglück:

Nach dem schrecklichen BASF-Unglück am Montag, 17. Oktober, sind immer noch vieleFragen offen. Diesen stellen sich am Donnerstag die drei in diesem Fall wichtigsten Köpfe des Unternehmens: BASF-Chef Dr. Kurt Bock, Standortleiterin Margret Suckale und erstmals auch Finanzvorstand Dr. Hans-Ulrich Engel.

„Die BASF trauert, wir alle trauern weltweit“, sagt Vorstandsvorsitzender Bock. „Unsere tiefe Anteilnahme gilt den Familien und Angehörigen der Verstorbenen“.

Den Angehörigen der Opfer würde jede mögliche Hilfe zukommen, versichert Margret Suckale. Neben materieller Unterstützung sei vor allem seelische Hilfe wichtig. Im Rahmen der Gedenkfeier am Mittwoch im Feierabendhaus der BASF hätten sich die Angehörigen sehr positiv geäußert.

BASF-Chef Bock bedankt sich bei den Einsatzkräften, die seit dem Unglück Tag und Nacht „enormes leisten“ würden. Das Ziel sei jetzt, das Ereignis zu schnell wie möglich aufzuklären. „Wir wollen verstehen was genau passiert ist, was die Ursachen sind und welche Lehren daraus zu ziehen sind“, so Bock. Sollten Fehler passiert sein, dann würde das Unternehmen daraus Konsequenzen ziehen.

Als schwieriges Thema sieht Kurt Bock die Krisenkommunikation im Zeitalter der Sozialen Medien. „Wir haben versucht, nicht zu spekulieren, so Bock. Das zukünftige Vorgehen im Krisenfall sei auch ein Teil der Aufarbeitung des Unglücks.

Zum Thema Sicherheit im Werk betont Bock, dass die BASF sowohl beim Betrieb bestehender als auch bei der Planung und dem Bau neuer Anlagen stets der Sicherheit den Vorrang gäbe. Jährlich würden insgesamt 10 Milliarden Euro in die Instandhaltung investiert.

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Das geschah am 17. Oktober:

Standortleiterin Margret Suckale informiert bei der Pressekonferenz detailliert über den Unfallhergang am 17. Oktober – basierend auf den Auswertungen der Videomitschnitte der Feuerwehr, der Protokolle des Krisenstabes und der Erkenntnisse der Feuerwehr vor Ort: 

Wegen der Untersuchungen durch die Staatsanwaltschaft Frankenthal sei die Unfallstelle nach wie vor beschlagnahmt. Bereits mehrere Tage vor dem Unglück habe eine Spezialfirma für Rohrleitungsbau mit Reparaturarbeiten an einer entleerten und gesicherten Propylenleitung begonnen. Ziel sei der Austausch mehrerer Rohrleitungsteilstücke als Maßnahme zur vorbeugenden Instandhaltung. 

Am Tag des Unglücks sei es gegen 11:30 Uhr zu einem Brand in unmittelbarer Nähe der Reparaturarbeiten gekommen. Kurz nachdem die Werksfeuerwehr eingetroffen war, sei es zur Explosion, wahrscheinlich an einer Ethylen-Ferngasleitung, gekommen. Dadurch seien Folgebrände an mehreren Stellen des Rohrleitungsgrabens ausgelöst worden. „Die Einsatzkräfte haben in einer Extremsituation gearbeitet. Ihre Leistung kann man kaum in Worte fassen“, sagt Suckale. Das Produkt hätten die Einsatzkräfte gezielt abbrennen lassen. Dabei handle es sich um Ethylen, Propylen, ein Buten- Produktgemisch (Raffinat), Pyrolysebenzin und Ethylhexanol. Das Feuer sei gegen 21:30 Uhr gelöscht gewesen.

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Die Fremdfirma sei laut Suckale rund 25 Jahre für die BASF tätig, auch die betroffenen Mitarbeiter hätten eine langjährige Erfahrung im Werk. „Wir haben keinerlei Zweifel an der Professionalität der Spezialfirma, so die Standortleiterin.

Auswirkungen der Katastrophe

Während der Pressekonferenz informieren die Beteiligten auch über die Auswirkungen des Unglücks: Nach Beginn des Brandes seien im Umfeld der Unfallstelle, am Werkszaun sowie in der Umgebung des Werks in Ludwigshafen und Mannheim flächendeckende Luftmessungen erfolgt, auch das Rheinwasser wurde untersucht. Dabei habe es keine auffälligen Messwerte gegeben. Nur im unmittelbaren Bereich der Unglücksstelle seien erhöhte Werte festgestellt worden. Die Ergebnisse der Luftmessungen sowie eine Übersichtskarte mit den Standorten der Messeinrichtungen hat BASF im Internet veröffentlicht.

Wegen des Brandes sei unter anderem die Rohstoffversorgung der Steamcracker am Standort unterbrochen und viele Anlagen abgestellt worden. Inzwischen seien bereits viele Anlagen, so auch der Steamcracker, wieder in Betrieb gegangen. Die weiteren Anlagen sollen in den kommenden Wochen schrittweise angefahren werden. Das Unternehmen habe betroffene Kunden direkt informiert und stehe im engen Kontakt mit ihnen.

Der Landeshafen Nord sei bis auf weiteres außer Betrieb. Der Stromhafen, der Hafen auf der Friesenheimer Insel und das Tanklager seien aber funktionsfähig. Wegen Sicherungsmaßnahmen an der Unglücksstelle bliebe die Zufahrt zu Tor 15 noch geschlossen.

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Stand der Ermittlungen laut Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft Frankenthal und das Polizeipräsidium Rheinpfalz hatten am Mittwoch neue Erkenntnisse der Ermittlungen bekanntgegeben: Das Unglück sei möglicherweise durch das fehlerhafte Anschneiden einer Leitung für brennbare Stoffe ausgelöst. Im Rahmen intensiver Ermittlungen sei ein Einschnitt an einer Rohrleitung festgestellt worden.

Nach vorläufiger Einschätzung sei laut BASF folgende Ursachenkette möglich: Die angeschnittene Leitung enthielt ein Buten-Gemisch. BASF hält es für möglich, dass dieses Buten-Gemisch austrat und sich an von der Trennscheibe erzeugten Funken entzündete. Hierdurch könnte der Brand entstanden sein, der in der Folge die beschriebene Explosion auslöste. BASF unterstützt die zuständigen Behörden weiterhin bei der Aufklärung des Unfallhergangs.

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sag/kab

Quelle: Ludwigshafen24

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