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Annette Humpe zu Gast in der Popakademie.

 „So soll es sein, so kann es bleiben“

Annette Humpe zu Gast in der Popakademie

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Mannheim – Annette Humpe erzählt in der Popakademie über ihre Laufbahn, was sie von Max Raabes Stimme hält und warum die Kandidaten von Voice of Germany keine Chance im Musikbusiness haben... 

Zur Person

Annette Humpe zu Gast in der Popakademie.

Was hat die erfolgreichste deutsche Produzentin Annette Humpe nicht schon alles gemacht. Mit der Band „Ideal“ hat sie 1980 als Sängerin und Keyboarderin am Erfolg der Neuen Deutschen Welle mitgearbeitet. Aus dieser Zeit kommt auch ihr Hit „Deine blauen Augen“. Schon früh trat sie auch als Produzentin und Komponistin in Erscheinung. Humpe produzierte zum Beispiel den DÖF-Hit „Codo“ („Und ich düse, düse, düse, düse im Sauseschritt“) und war später als Produzentin und Songwriterin für bekannte deutsche Größen wie Palais Schaumburg, Rio Reiser, Udo Lindenberg, Die Prinzen, Lucilectric, Nena, die Band ohne Namen oder Max Raabe tätig.

Die Jüngeren dürften sie aus der Band Ich+Ich mit dem Sänger Adel Tawil kennen, mit dem sie beachtliche Charterfolge verbuchen konnte, bevor sich die Band 2010 auflöste.

Am Dienstagabend ist Deutschlands wohl größte Songwriterin und Produzentin im Rahmen des „Open House“-Programms zu Gast in der Popakademie.

Doch was hat sie aus ihrer langen Musiklaufbahn zu erzählen? Welche Tipps kann sie den Musikstudenten mitgeben?

Zuallererst fällt ihre Lässigkeit auf der Bühne auf. Vielleicht trägt auch ihre freche Berliner Schnauze dazu bei. Über das Bedauern des Moderators Prof. Udo Dahmen, dass sie mit den Bands nie mehr als drei Alben produziert hat, antwortet sie: „Ich wärme doch auch keine alten Liebschaften auf, was soll ich da alte Bands wieder aufwärmen.“ Nach drei Jahren wäre die Luft einfach raus und sie müsste etwas anderes machen.

Wie schreibt man überhaupt ein gutes Lied?

Ihre Inspiration holt Humpe sich von Reisen. Gerade als sie früher in den USA unterwegs war, hörte sie viele Bands wie zum Beispiel Blondie. Deren Musik ließ sie dann durch sich „hindurchfließen“ und versuchte deren Sound auf Deutschland zu übertragen. Der Text zum Lied käme dann als Erstes. Denn „die Melodien segeln eh im Universum herum. Eine gute Headline aber, mit der man arbeiten kann, die ist schwer zu finden.“ Doch wenn die erst einmal gefunden ist, gehe der Rest wie von selbst.

Wie ist die Arbeit mit den Künstlern?

Die meisten Künstler, die sie produziert oder für die sie geschrieben hat, sind ihr „schicksalhaft zugeflattert“. Anders herum, wenn man eine Musiker für eine Band sucht, sei das„genau so schwer wie eine Liebesbeziehung zu führen.“ Als Max Raabe mit ihr arbeiten wollte, fand sie das schwierig und „seine Stimme irgendwie gekünstelt“. Doch „da muss man sich drauf einstellen“. Die Passage „Küssen kann man nicht alleine“, fand sie dann so gut zu ihm passend, dass sie ein ganzes Lied daraus machte.„Der Rest ist dann einfach Handwerk.“ Die Themen wären seit Jahrhunderten die gleichen. Es bräuchte eben eine neuen Blickwinkel auf die Dinge. Sie freue sich auch immer neue Wörter zu lernen. Was sie gar nicht leiden könnte, wären die ewig wiedergekauten Motive wie „Ich stehe im Regen“.

Die Tipps die sie den Studenten mitgibt, sind praktischer Natur.

„Lasst euch nie auf einen Verlag ein. Der kassiert das ganze Geld und ihr habt die ganze Arbeit. Immer alles schön selber machen.“ Wenn das Klavier zur unbetretbaren Zone wird, heißt es dranbleiben und dann auch mal Mittelmäßiges am Klavier zu komponieren, um wieder reinzukommen. „Gründet keine GmbH, das ist eine dumme Ide e. Ihr erlebt so viel und fühlt so viel. Schreibt das einfach auf. Ihr werdet das gut in den Songtexten verwenden können.

Das simple Erfolgsrezept

Das Tortendiagramm, das ihr weitergeholfen hat.

Aus lauter Enthusiasmus will sie noch schnell ein Schaubild aufmalen, was ihr sehr weitergeholfen hat. Es handelt sich um ein Tortendiagramm, welches den Erfolg im Musikbusiness verdeutlicht. Es ist in vier gleichgroße Teile aufgeteilt: Talent, Intellekt, Durchhaltevermögen und Glück. Diese vier Komponenten müssten mehr oder weniger ausgeglichen sein. Denn„wenn die Leute Talent haben aber dumm sind, sehen sie das Glück gar nicht winken. Und wieviele Leute kenne ich die viel mehr Talent haben als ich, aber stinkefaul sind.“ In diesem Zusammenhang verrät sie auch was sie von „The Voice of Germany“ hält:„Schaut euch die Teilnehmer an. Die haben alle Talent, aber das wars auch schon. Und deswegen werden die es im Musikbusiness auch nie zu etwas bringen.“

„Das soll ein Hit werden?“

Mehrmals gelobt wird ihre Nase für den Zeitgeist. Im Zuge dessen erzählt sie, wie Falco in ihrer neurenovierten Küche stand und ihr das Lied „Amadeus“ vorspielte. Sie fand es ganz nett, aber den Refrain zu simpel.

„Ich glaube nicht, dass das was wird. Ein Refrain der nur aus einem Wort besteht? Das werden die Leute nicht mögen.“

Tja, auch eine Annette Humpe kann sich mal irren...

kp

Quelle: Mannheim24

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