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Eine Szene aus dem Film „Niemandsland“.

Doku über FRANKLIN

‚Niemandsland‘ – Interview mit den Filmproduzenten

Mannheim – Das Team von Gallion Film fängt mit ihrer Doku ‚Niemandsland‘ die besondere Atmosphäre von FRANKLIN ein, bevor hier ein völlig neuer Stadtteil entsteht. Ein Interview mit den Filmemachern:

Von US-Kräften verlassen, befindet sich das „Niemandsland“ FRANKLIN bis zum Einzug der neuen Mieter in einem Dornröschenschlaf. Doch trotzdem ist es nicht ganz verlassen... Täglich tummeln sich dort die unterschiedlichsten Menschen, die FRANKLIN formen, auseinandernehmen, Interessierte herumführen oder Erinnerungsstücke an die frühere Zeit sammeln. Die Geschichte dieser Menschen, die mit FRANKLINS Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbunden sind, hat das Team von GALLION Film in einem einzigartigen Dokumentarfilm wie Puzzlestückchen zu einem komplexen Ganzen zusammengefügt.

Eine Szene aus dem Film „Niemandsland“.

Donnie Schoenemond, (32) bekannt aus der Mannheimer Musikszene und jetzt auch für seine atmosphärischen Kameraaufnahmen und Philipp Kohl (33), bekannt durch sein Filmdebüt „Transnationalmannschaft“ haben seit der Gründung der Filmagentur in 2013 ihren Fokus auf dokumentarische Filmprojekte gelegt. Wir fragen die Zwei, was die Herausforderungen bei diesem Mega-Projekt waren, nach den witzigsten Momente beim Dreh und nach ihrer Meinung zu FRANKLIN:   

Frage: Welchen Bezug habt ihr zu Mannheim? Und welchen zu FRANKLIN? 

Donnie und Philipp: „Mannheim ist für uns Heimat. Bei Philipp ist das schon immer so, Donnie ist seit 12 Jahren in der Stadt und fühlt sich mittlerweile hier sehr zuhause. Wir glauben, dass hier sehr viel Potential vorhanden ist und sehen in der Stadtgröße mehr Vorzüge als Nachteile. Zudem haben wir die Erfahrung gemacht, dass Mannheim Dir viel zurückgibt, wenn Du Dich einbringst. Das Benjamin-Franklin-Village war vor der Filmproduktion für uns – wie für die meisten Mannheimer auch – ein Ort, an den man nicht wirklich hingekommen ist. Wir hatten also wenig Vorstellung von den Ausmaßen und der Innenansicht des Gebiets.“

In wessen Auftrag habt ihr Niemandsland produziert?

„Wir haben NIEMANDSLAND im Auftrag der Geschäftsstelle Konversion der Stadt Mannheim produziert. Die Arbeit war als Auftrag ausgeschrieben und wir haben den Zuschlag bekommen.“

Wieso trägt der Film den Titel „Niemandsland“?

„Da gibt es mehrere Gründe. Zum einen beschreibt der Begriff NIEMANDSLAND ein Gebiet, das niemandem gehört. Was viele nicht wissen ist, dass die Besitzverhältnisse von FRANKLIN zunächst anders lagen, als man das vielleicht vermutet hätte – auch darauf spielt der Titel an. Die Amerikaner übergaben das Gebiet nicht etwa an die Stadt Mannheim, sondern an den Bund. Die Stadt musste es erst vom Bund zurückkaufen, um es ihr Eigen nennen zu können. Wann hat man das schon mal: Die Stadt Mannheim kauft sich Land hinzu. Außerdem trifft der Titel die Assoziation der eingezäunten Menschenleere, die wir bei Drehbeginn vorgefunden haben.“

Eine Szene aus dem Film „Niemandsland“.

Was war die besondere Herausforderung dieses Projekts? 

„Eine besondere Herausforderung war sicherlich die oft schwer verständlichen Abläufe von Bürokratie und Verwaltung möglichst einfach darzustellen. Politik und Verwaltung sind für viele Menschen Themengebiete, bei denen sofort abgeschaltet wird, weil man die Sprache und die Hintergründe oft als unverständlich empfindet. Unser Anspruch war eben diesen Kreislauf mit Musik, Humor und einer Reduktion aufs Wesentliche zu unterbrechen – keine einfache Aufgabe.“

Welche Szene oder lustige Begebenheit ist Euch vom Dreh am besten in Erinnerung geblieben?

„Wir hatten mit dem Hausmeister einen Nachtdreh auf FRANKLIN, das war schon sehr amüsant. Die Wahrnehmung des Ortes und seiner Dimension ist eine ganz andere, zumal das Gelände nachts noch verlassener und menschenleerer wirkt.

Eine Szene aus dem Film „Niemandsland“.

Und natürlich war die erste Zeit, als wir wirklich ganz alleine in dieser 144 Hektar großen Geisterstadt waren etwas ganz Besonderes. Das erlebt man nicht alle Tage.“

Habt Ihr bei den Dreharbeiten einen überraschenden Fund gemacht oder eine Erkenntnis gewonnen?

„Die Amerikaner haben ihrenGedenkstein für die Opfer des 11. Septembers nicht mitgenommen. Das hat uns schon etwas überrascht. Der Gedenkstein wurde später doch noch für die Nachwelt gesichert. Aber auch das gehört zu den Absurditäten, mit denen man an einem verlassenen Ort konfrontiert wird. Genau wie die ganzen Briefe mit Geldforderungen, die sich in den hinterlassenen Briefkästen finden lassen. Von ausstehenden Unterhaltszahlungen bis hin zu Strafen wegen illegaler Downloads ist da so ziemlich alles zu finden.

Was haltet ihr persönlich davon, dass mit FRANKLIN einer ganz neuer Stadtteil entsteht? Welche Ideen hättet ihr für das Gelände gehabt?

„Dass FRANKLIN zu einem neuen Stadtviertel wird, ist sicherlich der richtige Weg. Damit eine Stadt wie Mannheim gesund wachsen kann, braucht es vielleicht solch historische Besonderheiten wie ein frei werdendes FRANKLIN. Wer weiß, vielleicht entwickelt es sich ja wirklich über die Jahre zu einem neuen Aushängeschild für Mannheim.“

Was hat Euch beim Dreh am meisten berührt?

„Berührt haben uns all die unterschiedlichen Menschen, mit denen wir im Laufe der Dreharbeiten in Kontakt kamen und die alle ihre eigenen Geschichten über sich und ihren Bezug zum Benjamin-Franklin-Village zu erzählen haben.Dieser Einblick in verschiedenste Lebenswelten war definitiv sehr spannend zu sehen und erleben. Auch der Blick hinein in die bedarfsorientieren Erstaufnahmen war eine sehr eindringliche Erfahrung.“

Wie habt Ihr die vielen Protagonisten kennen gelernt?

„Ganz unterschiedlich: Teilweise sind die Protagonisten ganz offensichtlich in den Konversionsprozess involviert, manche Protagonisten haben wir aber auch auf der Fläche kennengelernt. Wenn man sich in so einer Geisterstadt begegnet, dann sagt man sich schon mal ‚Hallo‘ und fragt was der andere dort so treibt.“

Warum sollte man sich den Film anschauen? Was wollt Ihr bei den Zuschauern erreichen? 

„Mannheimer sollten sich den Film unbedingt anschauen, um zu sehen, was für ein riesiges Stück Land hier zur Stadt dazu kommt und welche Ideen und Ansätze zu dessen Entwicklung verfolgt werden. Dabei kann man auch eine ganze Menge darüber lernen, wie Stadtplanung heutzutage funktioniert und wen man dazu alles braucht. Noch ist die ganze Entwicklung ja an einem Punkt, bei der Leute, die jetzt erst einsteigen, später einmal sagen können: ‚Ich war ganz am Anfang dabei.‘“

Wann und wo wird es den fertigen Film zu sehen geben?

„Wir werden zunächst versuchen, den Film bei Festivals zu platzieren und laufen zu lassen. Sobald diese Phase abgeschlossen ist, wird er auch hier in Mannheim im Kino zu sehen sein. “

kp

Quelle: Mannheim24

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