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Ab Dienstag wird die Brandstiftung am ‚Alten Relaishaus‘ vor dem Landgericht verhandelt. (Archivfotos)

Besitzer auf Anklagebank

‚Relaishaus‘-Brandstiftung: Prozess startet mit Geständnissen

Mannheim - Seit Dienstag sitzen der Eigentümer des ‚Alten Relaishaus‘ und drei Komplizen auf der Anklagebank. Sie sollen für den verheerenden Brand im eigenen Lokal verantwortlich sein:

Lichterloh steht am 21. Oktober 2015 die Gaststätte ‚Altes Relaishaus‘ im Mannheimer Stadtteil Rheinau in Flammen. Tagelang hängt beißender Brandgeruch in der Luft, die verkohlte Ruine ist mehrere Wochen wegen Einsturzgefahr abgesperrt (WIR BERICHTETEN).

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Lange ist nicht klar, wie es zu dem folgenschweren Brand kommen konnte – doch dann steht der Eigentümer selbst im Fokus der Ermittler, wird gemeinsam mit drei Komplizen Anfang 2016 verhaftet. Jetzt muss er sich wegen schwerer Brandstiftung vor dem Mannheimer Landgericht verantworten.

Die Anklage

Dem 46-jährigen Besitzer des ‚Alten Relaishaus‘ Peter M. wird zur Last gelegt, sich im Juli 2015 aufgrund finanzieller Probleme dazu entschlossen zu haben, das Gebäude in Brand setzen zu lassen. Ziel der Tat war, im Anschluss die dafür bestehende Versicherung ausgezahlt zu bekommen.  

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Zur Ausführung seines kriminellen Plans soll Peter M. seinen Angestellten Michel D. und Heinz-Dieter W. angeheuert haben. Die drei Männer sitzen seit ihrer Festnahme in Untersuchungshaft. Die Angeklagte Laura H. soll zudem Fahrdienste im Rahmen der Tat durchgeführt haben. 

Die Tat

Im Laufe des 20. Oktobers 2015 soll Heinz-Dieter W. im Gebäude, das zu diesem Zeitpunkt wegen angeblicher Renovierungsarbeiten für neun Tage geschlossen war, eine Vielzahl von Grillanzündern und Bastmatten verteilt und außerdem Lampenöl und Benzin auf Holzgegenstände, Stoffe und Decken geschüttet haben. Um einen Einbruch vorzutäuschen, soll W. eine Kellerluke und zwei Automaten aufgebrochen haben.

Der 22-jährige Michel D., der im Dachgeschoss des Hauses wohnte, soll am 21. Oktober von Laura H. zum ‚Relaishaus‘ gefahren worden sein, dort mit dem restlichen Inhalt der Kanister Benzinspuren gelegt und diese schließlich angezündet haben. Der Brand habe sich schnell zu einem Vollbrand ausgebreitet. Nur durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf das bewohnte Nachbarhaus verhindert werden. Der durch den Brand entstandene Sachschaden soll sich auf rund 250.000 Euro belaufen.

Zur Tatzeit hielt sich Drahtzieher Peter M. nicht in Mannheim auf. Laut Anklage habe er mit einem Schreiben vom 26. Oktober 2015 seine Versicherung gegenüber die ihm angeblich zustehenden Ansprüche in Höhe von rund 500.000 Euro geltend gemacht. Der Betrag wurde jedoch nie ausgezahlt.

Brandstiftung wegen hoher Schulden

Der Verteidiger des Hauptangeklagten Peter M. verliest zum Prozessauftakt eine Einlassung, in der der M. die Tat gesteht. Der 46-Jährige habe im Lauf der Jahre Schulden in Höhe von fast einer Million Euro angehäuft und keinen anderen Ausweg mehr gesehen.   Der selbstständige Gastwirt habe das ‚Relaishaus‘ seit 2002 betrieben und es zwei Jahre später gekauft. Doch die Gaststätte sei nicht mehr gut gelaufen – in den Monaten vor der Tat seien die Einnahmen um rund 50 Prozent zurückgegangen, lediglich die sechs Spielautomaten hätten Geld abgeworfen. Ein geplantes Wettbüro in den Räumlichkeiten sei nicht genehmigt worden.

Fotos: ‚Relaishaus‘-Brandstiftung: Mehrere Geständnisse

Gestand Peter M. eine weitere Tat?

Auch der Rechtsanwalt des Angeklagten Michel D. hatte zuvor eine eine umfassende Einlassung verlesen. Demnach räume D. alle Vorwürfe ein. Seine Mutter habe früher im ‚Alten Relaishaus‘ gearbeitet, so sei der Kontakt zu Peter M. entstanden. Für Michel D. sei der Besitzer der Gaststätte eine Vaterfigu r gewesen – für ihn hätte er alles getan. Er habe zwar immer wieder Zweifel gehabt, doch die finanzielle Versuchung - M. hat ihm 30.000 Euro versprochen, von denen er die erste Hälfte vor der Tat bekommen habe, zur Zahlung der zweiten Hälfte ist es nie gekommen - sei zu groß gewesen. Dennoch bereue D. die Tat. „Mir ist bewusst, dass ich einen großen Fehler gemacht habe. Ich entschuldige mich für das, was ich getan habe“, liest der Verteidiger D.'s aus der Einlassung vor.

Laut der verlesenen Einlassung soll Peter M. Michel D. außerdem eine weitere Tat anvertraut haben: Er habe eingeräumt, einige Jahre zuvor den Brand in einem Kiosk am Karlsplatz in Rheinau geplant zu haben, das sich ebenfalls in seinem Besitz befand. Peter M. gibt jedoch später an, dass das Kiosk nicht versichert gewesen sei.

Im Anschluss legt schließlich auch Heinz-Dieter W. (66) ein umfassendes Geständnis ab, räumt die Vorwürfe umfänglich ein. 

Der Prozess wird am 13. Oktober fortgesetzt. Der letzte Prozesstag ist voraussichtlich der 18. November.

>>> Zur Übersichtsseite zum Thema Brand im ‚Alten Relaishaus geht´s HIER

Quelle: Mannheim24

Katja Becher

Katja Becher

E-Mail:katja.becher@headline24.de

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