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„Abenteuer Abwasser“ im Klärwerk Sandhofen.

Rundgang

„Abenteuer Abwasser“ im Klärwerk Sandhofen

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Mannheim-Sandhofen - Ob Abfall oder die letzte Sitzung auf dem „stillen Örtchen“ - am Ende landet alles im Klärwerk. MANNHEIM24 hat sich angeguckt, was dort eigentlich passiert...

Die erste Frage, die der ehemalige Klärwerk-Mitarbeiter Wolfgang Obenauer einem Kinder bei der Führung durch das Klärwerk stellt: „Na wann warst du denn heute auf dem Klo?“ Das hört sich komisch an, aber damit will er nur herauszufinden, ob das Abwasser des morgendlichen Gangs denn schon im Klärwerk gelandet ist.

„Abenteuer Abwasser“ Rundgang durch das Klärwerk

Denn es kann schon mal ein paar Stunden dauern, bis das Wasser durch die insgesamt 900 Kilometer langen Kanäle geflossen ist. „Wenn man sich das vorstellt, dass man die ganzen Rohre hintereinander legt, dann würde man ganz im Norden Deutschland rauskommen!“, erklärt der seit acht Jahren pensionierte Klärwerk-Mitarbeiter. Die Kinder staunen: „Ooooh!“ Ganze 42 Hebewerke sind im Einsatz um das Wasser über die Hügel zu heben. Bis zu sieben Meter wird das Wasser durch die sogenannten Schnecken hochgehoben. Während der Führung sehen wir eine Schnecke im Einsatz. Die andren nebenan stehen still. 

Warum sind nicht alle Schnecken in Betrieb? 

Darauf hat Wolfgang Obenauer natürlich eine Antwort: „Morgens ist noch nicht viel los. Das meiste Abwasser kommt ab 12 Uhr mittags rein.“ Ganze 4.000 Liter kann das System in einer Sekunde verarbeiten. 

Doch was ist wenn mehr Abwasser anfällt? 

Was mehr ist, läuft in ein Regenüberlaufsbecken. Der Schmutz setzt sich unten ab. Das klare Wasser an der Oberfläche wird dann in den Rhein geleitet.“ Weiter geht es zu den nächsten Becken. Man sieht Gitterstäbe in vier Zentimeter Abstand, an denen grober Abfall hängenbleibt. Wenn das Gitter voll mit Abfall ist, wird dieses mit einem großen vollautomatischen Rechen abgeschabt. Später wird noch einmal feiner gesiebt. Diesmal mit einem Gitter mit den Abständen von einem Zentimeter. Der Abfall wird dann zusammengepresst und in die Müllverbrennungsanlage gebracht. 

„Ist das etwa Ka....?“ 

Manchmal sieht man es in den Behältern blubbern. Dann steigen schwarze Brocken an die Oberfläche. Die Kinder schauen erschrocken. „Ist das etwa...?“ Wolfgang Obenauer erklärt: „Schlamm und Schmutz, der sich unten absetzt fängt irgendwann an zu gären und kommt dann in schwarzen Brocken an die Oberfläche.“ Wenn diese abgesiebt werden, kommen sie in die 32 Meter hohen „Faultürme“. Bis zu 7.500 Kubikmeter passen da rein. 

Alternative Stromerzeugung 

Wenn die Substanz anfängt zu faulen, entsteht Gas. Um das optimal auszunutzen, wird das Gas in Motoren geleitet, die damit dann Strom erzeugen. So wird fast der ganze Energiebedarf der Anlage gedeckt. Nur fünf Prozent des Stroms kommen von außerhalb. 

Belebungsbecken 

Unterwegs zu den „Belebungsbecken“ sehen wir zwei Mitarbeiter. Auf dem kompletten Gelände sind nur fünf bis sechs Mitarbeiter, die die Anlage betreuen, der Rest sind Elektriker oder Schlosser. Nachdem das Wasser jetzt gut gefiltert wurde, wird es in die Belebungsbecken geleitet. Dort kümmern sich Bakterien um den Rest. 

Die Mütter zeigen sich besorgt wegen der Medikamente, die in das Abwasser geworfen werden und gesundheitsschädlich sind. Der Spezialist sagt: „Ja die Leute schmeißen wirklich viel in die Toilette: Abgelaufene Kopfschmerztabletten oder die Antibaby-Pille...“ Bei diesem Stichwort schauen die Eltern kurz zu ihren Sprösslingen, ob sie das gehört haben und sie wohl gleich mit Fragen löchern, was das denn ist. Doch Entwarnung: Keine Nachfragen vonseiten des Nachwuchses. Noch einmal Glück gehabt... 

Mit neuem Becken gegen den Schmutz

Für den Fall, dass das Wasser doch zu stark verschmutzt ist, hat sich das Klärwerk etwas ausgedacht, um unser Wasser noch sauberer zu machen. 2016 soll es schon ein weiteres Becken geben, welches mit Aktivkohle arbeitet und die schädlichen Stoffe somit aus dem Wasser zieht. Zum Schluss noch ein Appell an alle: Bitte keine Küchenrolle und keine Feuchttücher in die Toilette werfen, denn diese sind wahre „Pumpenkiller“ wie uns Wolfgang Obenauer versichert. 

kp

Quelle: Mannheim24

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