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PETA hatte im August Strafanzeige gegen das Fleischversorgungszentrum gestellt. (Symbolbild)

Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Schlachthof ein!

Mannheim – Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen das Fleischversorgungszentrum (FVZ) Mannheim eingestellt. Der Grund und wer schon damit gerechnet hat: 

Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche des Fleischversorgungszentrums (FVZ) wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingestellt. Der Grund: der Tatverdacht war nicht hinreichend.

Hinweise, dass die Betäubungsmethode im Betrieb nicht richtig angewandt wurde, gab es laut Staatsanwaltschaft nicht. Im August hatte die Tierrechtsorganisation PETA das Fleischversorgungszentrum angezeigt. (WIR BERICHTETEN) 

Das sagte der Geschäftsführer des Schlachthofes zu den Vorwürfen

Stefan Kampa, Geschäftsführer des Fleischversorgungszentrums fühlte sich zu Unrecht angegriffen: „Die Kohlenstoffdioxid-Betäubung wird seit vielen Jahren analog zum Tierschutzgesetz praktiziert. Es ist die modernste Betäubungsmethode, die von den meisten Schlachthöfen genutzt wird und einwandfrei auf rechtlichen Boden durchgeführt wird. Ich verstehe nicht, warum ich jetzt vor die Presse gezerrt werde.“

Die Prognose zum Ausgang des Rechtsstreits bewahrheiten sich

Über den wahrscheinlichen Ausgang des Rechtsstreits waren sich Geschäftsführer Kampa und der Rechtsbeistand der PETA, Dr. Edmund Haferbeck, einig: 

Haferbeck (PETA): „Bei der deutschen Justiz gibt es nur eine Prognose: Das Verfahren wird irgendwann eingestellt werden, möglicherweise mit kritischen Anmerkungen. Und es führt intern zu Überprüfungen und Verbesserungen, die aber nicht nach außen kommuniziert werden.“

Kampa: „Ich habe keine Angst vor einem Verfahren. Der Strafantrag liegt beim Staatsanwalt, die Ermittlungen werden aufgenommen. Unsere Veterinäre werden nach bestem Wissen und Gewissen aussagen. Ich finde, ich bin die falsche Adresse für eine Anzeige. Wenn, dann sollte man einen Antrag vor den Bundestag bringen, um die Schlachtverordnung grundsätzlich zu ändern.“  

Hintergrund

In einer 18-seitigen Strafanzeige erläutert die Tierrechtorganisation PETA, was sie an der Verwendung der Betäubungsmethode durch Kohlenstoffdioxid vor der Schlachtung von Schweinen verwerflich findet:

„Die Betäubung mit Kohlenstoffdioxid (CO2) verursacht den Tieren erhebliche, länger andauernde Leiden im Sinne des § 17 Nr. 2 b) TierSchG und ist somit tierschutzwidrig.“, lautet ein Satz aus der Strafanzeige.

Insbesondere wird der Stressfaktor für die Tiere bei der Betäubung hervorgehoben: „Auf den Schleimhäuten der Tiere wird das freigesetzte Kohlenstoffdioxid zu Kohlensäure, welche besonders auf der hochempfindlichen Rüsselscheibe der Schweine brennt. Während der Gas-Exposition verspüren die Tiere ein starkes Brennen in den Augen und Mund- und auf der Rüsselschleimhaut, was den Tieren zusätzlichen Stress verursacht.“ 

Bis die Tiere vollständig betäubt wären, dauere es ungefähr 10 bis 20 Sekunden. Während dieser Zeit zeigten die Tiere „deutliche Symptome der Hyperventilation mit ausgeprägter Atemnot,  so PETA weiter.

Alternativen? Das fordert PETA 

Andere kleinere Schlachtbetriebe würden die Elektrobetäubung anwenden, doch diese wäre laut Rechtsbeistand der PETA, Dr. Edmund Haferbeck „fehlbetäubungsbehaftet“, da im Akkord gearbeitet werden müsse.

Doch: „Es gibt Alternativen, nämlich der Einsatz von Helium-Gas-Gemischen, die aber nicht angewandt werden, weil sie erheblich teurer sind und weil die reine CO2-Betäubung gesetzlich zulässig ist, so Haferbeck.  

Was ist mit alternativen Betäubungsmethoden? 

In Sachen Elektrobetäubung pflichtet Kempa der Tierrechtsorganisation bei: „Also bei der Elektrobetäubung erleiden die Tiere einen Herz- oder Hirninfarkt. Und es muss alles sehr schnell gehen. Optimal finde ich das auch nicht.“

Angesprochen auf eine Betäubung mit einem Edelgasgemisch ist Kempa eher skeptisch: „Den Vorschlag finde ich zu dieser Zeit noch nicht umsetzbar. Bei Menschen mag das ja als Anästhesie funktionieren, aber die Betäubung der Schweine dient ja einem ganz anderen Zweck. Außerdem muss das, was unter Laborbedingungen funktioniert, nicht im Schlachtbetrieb in der Praxis funktionieren. Ich verschließe mich nicht vor neuen Methoden, aber diese ist noch nicht serienreif.“ 

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kp

Quelle: Mannheim24

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