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Der Branichtunnel wird am Samstag eröffnet. 

92 Millionen Euro Baukosten

Branichtunnel: Mammutprojekt öffnet am Wochenende  

Schriesheim - Am Wochenende soll der Branichtunnel für den Verkehr freigegeben werden. Das Mammutprojekt zeigt, was sich die Konstrukteure in Sachen Sicherheit alles einfallen lassen.

Noch sind nicht alle Lampen installiert - doch die Sicht im 1,8 Kilometer langen Branichtunnel ist gut. So gut immerhin, dass ein Mäuschen zu erkennen ist, das von einer Kabeltrommel zur anderen huscht. 

Spätestens am Samstag (18. Juni) muss sich das Tier eine neue Unterkunft suchen: Nach sieben Jahren Bauzeit wird das derzeit größte vom Land Baden-Württemberg finanzierte Bauprojekt für den Verkehr eröffnet. Nutzen werden den Tunnel vor allem tausende Pendler aus dem Odenwald, die sich bislang durch eine enge Talstraße in die Rheinebene quälen mussten.

Beispiel für Sicherheit

Das Bauwerk unter der Erde steht exemplarisch dafür, welche hohen Sicherheitsstandards in Tunneln mittlerweile gelten. Unter dem Eindruck schwerer Brandunfälle wie etwa im französischen Montblanc-Tunnel 1999 oder im Schweizer Gotthardtunnel 2001 haben die EU, ihre Mitgliedsländer und die Betreiber seit 2004 viel Geld investiert.

Modernes Sicherheitssystem im Branichtunnel 

Allein Deutschland hat in den vergangenen Jahren 1,2 Milliarden Euro für ein Nachrüstprogramm ausgegeben“, sagt der Leiter des ADAC-Testzentrums Mobilität, Robert Sauter. Einem ADAC-Test von 2015 zufolge sind Europas Tunnel vergleichsweise sicher.

Laut Verkehrsministerium in Stuttgart werden auch ältere Tunnel so gut wie möglich an neueste Sicherheitsstandards angepasst. „Als letzter Großtunnel wird zurzeit der Meistertunnel – er liegt an der L 351 in Bad Wildbad – für etwa 30 Millionen Euro nachgerüstet“, sagt ein Ministeriumssprecher. 14 der 95 Tunnel im Südwesten liegen an Landesstraßen, die restlichen an Bundesstraßen und Autobahnen.

Kostspieliges Mammutprojekt 

Sicherheit kostet Geld. Das zeigt sich auch an dem Schriesheimer Mammutprojekt, das seit 2009 läuft: Zunächst waren 85 Millionen Euro angesetzt, am Ende wurden es 92 Millionen Euro. Allein die Kosten für beide Rettungsstollen belaufen sich laut Verkehrsministerium auf etwa 10 Millionen Euro. Die Stollen sind 1.150 und 112 Meter lang und sollen bei einem Brand eine sichere Flucht ermöglichen.

Die Gänge verlaufen parallel zur Hauptröhre und sind durch fünf Notausgänge mit ihr verbunden. „Wenn es im Tunnel brennt, springen hier riesige Ventilatoren an, die verhindern, dass Rauch in die Rettungsstollen dringt“, sagt Bauleiter Ralph Eckerle vom Regierungspräsidium Karlsruhe. Damit sich die Flüchtenden im Qualm orientieren können, gehen zusätzliche Lichter am Fahrbahnrand an.

Modernes Abluftsystem

Noch weht kühle Luft durch den Branichtunnel. Wenn künftig Tausende Fahrzeuge durch die Röhre fahren, wird ein Lüftungssystem die Abgasmenge mindern. Ein weiteres System kommt im Brandfall zum Einsatz. 

Im Zwischendeck eingebaute Ventilatoren saugen den Rauch nach oben, damit er über einen Kaminschacht nach außen entweichen kann“, erläutert Eckerle und zeigt auf riesige Klappen an der Tunneldecke. Brandmelder senden im Notfall Signale an die nächste Rettungsleitstelle. Für Einsatzleute steht ein Löschwasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 72 Kubikmetern bereit.

Kameras überwachen den Tunnel. Außerdem gibt es Haltebuchten, hell lackierte Tunnelwände und Aufprallschutz an gefährlichen Ecken. Sogenannte Adaptionslampen sollen Fahrern helfen, sich schneller an die Lichtverhältnisse im Branichtunnel zu gewöhnen. 200 Kilometer Kabel wurden verlegt. Alles wartet auf die Eröffnung. Jetzt muss sich nur noch die Maus in Sicherheit bringen.

dpa/rmx

Quelle: Mannheim24

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