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S.M. war im Besitz eines kleinen Waffenscheins – ob ein Entzug die Tat hätte verhindern können?

Trotz Polizei-Hinweis

Kinopolis-Geiselnehmer (†19) besaß kleinen Waffenschein

Viernheim – S.M. besaß einen kleinen Waffenschein, ausgestellt von der Stadt Mannheim. Die Polizei wies die Stadt auf die Unreife des 19-Jährigen hin. Hätte ein Entzug die Geiselnahme verhindert?

Mit täuschend echten Waffen und Handgranaten-Attrappen nimmt S.M. am Donnerstagnachmittag im Viernheimer Kinopolis 18 Geiseln, darunter auch Kinder. Beim Zugriff durch das SEK wird dem Leben des 19-jährigen Mannheimers ein jähes Ende gesetzt.

Eine Schreckschusspistole hatte M. auch im April 2016 bei sich, als er wegen eines gewaltsamen Streits mit seinem Vater zur Vernehmung Mannheimer Polizeirevier aufschlägt. Soweit, so gut. Er hatte einen kleinen Waffenschein – war also berechtigt, derartige Waffen verdeckt mit sich herum zu tragen.

Geiselnahme: SEK-Einsatz im Kinopolis

Die Polizei wurde allerdings stutzig. Der junge Mann machte laut Polizeisprecher Norbert Schätzle nicht den Eindruck, für den Besitz eines kleinen Waffenscheins geeignet zu sein. Da aber keine „Gefahr im Verzug“ sei, bestand seitens der Polizei kein Grund, M. die Waffe direkt abzunehmen.

In einem routinemäßigen Schreiben an die Waffenbehörde der Stadt Mannheim weist die Polizei also darauf hin, M. sei möglicherweise nicht "reif" genug für den Waffenscheinbesitz.

Polizei informiert Stadt

Die Stadt reagiert laut eigener Aussage sofort auf den Hinweis der Polizeibehörde. Da der Sachbearbeiter „keine akute Gefährdung" feststellen konnte, wurde kein Verfahren eingeleitet, um den Waffenschein zu entziehen. Dafür hätte der junge Mann auch ein amts-, fachärztliches oder psychologisches Gutachten vorlegen müssen.

>>>Nach Kinopolis-Gieselnahme: Ist die Regelung zur Aushändigung des kleinen Waffenscheins zu lasch?

Die Pressestelle der Stadt betont an dieser Stelle aber, dass ein solches Verfahren auch nicht unbedingt zur zwingenden Abgabe der Schreckschusswaffen geführt hätte. Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen ohne Mengenbegrenzung kaufen und besitzen darf jeder – ein kleiner Waffenschein erlaube zusätzlich das Führen, d.h. das verdeckte Tragen in der Öffentlichkeit. Allein seit Januar 2016 seien insgesamt 671 kleine Waffenscheine in Mannheim ausgestellt worden – im ganzen Jahr 2015 waren es lediglich 123. 

>>> Interview mit Ludwigshafener Waffenhänder Hans-Jürgen Demmer

Wie Polizeisprecher Schätzle auf Nachfrage von MANNHEIM24 erklärt, sei M. seit seiner Vernehmung nicht mehr bei der Polizei auffällig gewesen.

>>> Hier geht‘s zu unserer Übersichtsseite zur Geiselnahme im Kinopolis

sag

Quelle: Mannheim24

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