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Uwe Jonhoff (Bundespolizei, v. l.), Thomas Schmitt (Leiter der Mannheimer Feuerwehr), Einsatzleiter Simon Berger (stehend) und der Erste  Bürgermeister Christian Specht bei der Pressekonferenz kurz vor Mitternacht im Mannheimer Hauptbahnhof.

Zugunglück in Mannheim

Strukturiert und schnell: So werden 110 Menschen gerettet

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  • Katja Bauroth
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Blaulicht, wohin das Auge reicht. Polizei. Rettungswagen. Feuerwehr. Um 20.51 Uhr stieß etwa 200 Meter vor dem Gebäude des Mannheimer Hauptbahnhofes ein Güterzug mit dem parallel fahrenden Eurocity 216 seitlich zusammen.

Frank Hartmannsgruber (Landespolizei, l.), Uwe Mauch (Rettungsdienstleiter, r.) und Karsten Erhardt (Standortleiter DB Netz AG, stehend, orange Weste) geben der Presse Details bekannt.

Der Eurocity (EC) 216 war von Graz in Richtung Saarbrücken unterwegs. Der Güterzug der niederländischen Firma ERS Railways sollte von Duisburg ins ungarische Sopron fahren. Bei dem Zusammenstoß kippten zwei Waggons des Eurocitys nach links aus den Schienen und blieben auf der Seite liegen. Da beide Züge recht langsam unterwegs waren, ging der Zusammenstoß am Ende recht glimpflich aus.

Sieben Minuten nach dem Alarm durch die Bahn war Einsatzleiter Simon Berger von der Mannheimer Berufsfeuerwehr mit seinem Trupp vor Ort. Die Polizei sperrte das Bahnhofsgelände weiträumig ab. Der Zugverkehr wurde umgeleitet, etliche Verbindungen fielen aus. Viele Reisende stiegen kurzerhand auf Taxis um. Kaum eines der gelben Vehikel war mehr vor dem Bahnhof zu bekommen.

Insgesamt 80 Feuerwehrkräfte der Wachen Mitte, Nord und Süd packten am Einsatzort mit an. Die Freiwilligen Wehren aller Stadtteile sowie die Ludwigshafener Wehr waren in Bereitschaft.

"Eine schwangere Frau haben wir durch die Notscheibe geborgen", sagte Berger gegenüber MANNHEIM24/HEIDELBERG24. "Innerhalb von 118 Minuten konnten wir alle Reisenden aus den beiden umgekippten Waggons holen", schilderte er die zügige und strukturierte Vorgehensweise der Helfer bei diesem nicht alltäglichen Einsatz. Der Zugang zu den Waggons war dabei nicht ganz einfach. Hydraulische Werkzeuge mussten eingesetzt werden.

Einige Passagiere - insgesamt waren um die 250 Menschen in dem EC - hatten es schon vor dem Eintreffen der Helfer geschafft, sich auch ihrer misslichen Lage zu befreien. Sie standen oder lagen vor den umgekippten Waggons. Geschockt. Fassungslos. Vielleicht auch einfach nur glücklich, dieses Unglück überlebt zu haben.

Rund 110 Menschen waren in den beiden umgekippten Waggons. 14 sind verletzt, vier davon schwer, sagte Uwe Mauch, Rettungsdienstleiter, in einer um 23 Uhr einberufenen Pressekonferenz im Mannheimer Hauptbahnhof. Zum Glück schwebe keiner der Schwerverletzten in Lebensgefahr. Während etwa 21 Personen vor Ort ambulant versorgt worden sind, kamen die schwerer Verletzten in die Krankenhäuser der Stadt.

Viele Verletzte! Güterzug rammt Eurocity

Die etwa 120 Sanitäter und 80 Feuerwehrleute halfen an der Unglücksstelle. Der Unfallbereich wurde abgesperrt, ein Sammelplatz für die Verletzten eingerichtet. 120 Mitarbeiter der Bahn waren ebenfalls im Einsatz und rund 30 Polizisten. Neben dem Ersten Bürgermeister Christian Specht machten sich Landesbranddirektor Hermann Schröder und Bezirksbrandmeister Jürgen Link vor Ort ein Bild.

Die Untersuchungen durch die Bundespolizei laufen derzeit auf Hochtouren, sagte deren Vertreter Uwe Jonhoff in der Pressekonferenz, unterstützt von Frank Hartmannsgruber von der Landespolizei.

Thomas Schmitt, Leiter der Mannheimer Feuerwehr, betonte zudem, dass bei allem Unglück Fortuna doch ein Händchen auf die Mannheimer und die Zugreisenden hielt: Denn der Güterzug beförderte einen Gefahrengutcontainer mit ätzenden Chemikalien. Dieser blieb nach ersten Erkenntnissen unversehrt.

Durch das Zugunglück wird es zu Beeinträchtigungen im Bahnverkehr via Mannheim kommen, kündigte Karsten Erhardt, Standortleiter der DB Netz AG, an.

Fahrplanänderungen und Zugausfälle  werden auf den entsprechenden Portalen der Deutschen Bahn veröffentlicht.

Für Angehörige von Reisenden im Eurocity 216 wurde eine Hotline eingerichtet (0800-3111111).

Trotz den Dramas am Mannheimer Hauptbahnhof hatte der Erste Bürgermeister Christian Specht, der beinahe schon auf den Weg ins französische Mulhouse war, um einer Einladung von Staatsoberhaupt Françoise Hollande und Bundespräsident Joachim Gauck zu folgen, noch eine Geschichte parat, die ein Stückweit auch für eine hoffnungsfrohe Botschaft steht: "Die Feuerwehr hat - nachdem alle Passagiere in Sicherheit waren - noch ein Hochzeitskleid für ein Paar aus Kaiserslautern, das morgen heiraten wird, aus dem Zug geholt."

So wird ein kleines Glück Symbol für ein ganz großes.

kb/pek

Quelle: Mannheim24

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