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Tim Mälzer räumt mit Mythen auf

ARD-Lebensmittel-Check: Wie gut ist unser Wasser wirklich?

Berlin - 143 Liter Mineralwasser trinken wir Deutschen pro Jahr. Tim Mälzer ist für die ARD-Reihe "Lebensmittel-Check" durch ganz Deutschland gereist, um die Qualität unseres Wassers zu testen. Dabei werden einige Irrtümer aufgeklärt. 

Tim Mälzer besucht in der Sendung, die am Montag ausgestrahlt wurde, zunächst einen bayrischen Getränkemarkt. Über 200 verschiedene Sorten Wasser werden dort angeboten, deutschlandweit gibt es etwa 500 Sorten zu kaufen. Dabei gehen die Preise von 19 Cent bis fünf Euro pro Flasche. Ob es sich wirklich lohnt, so viele verschiedene Arten Wasser anzubieten, will Mälzer wissen. Marktleiter Dieter Süssner bejaht, denn die Konsumenten hätten ganz unterschiedliche Ansprüche: Viele würden nur auf regionales Wasser setzen, andere würden ein ganz spezielles trinken (auch wenn dieses beispielsweise aus Frankreich kommt), und wieder andere würden streng auf die Mineralisierung des Wassers achten, weil der Arzt es so verordnet hat. 

Wasser ist nicht gleich Wasser

Mineralwasser muss eine gleichbleibende Mineralstoffmenge enthalten, bei Quellwasser darf diese schwanken, Heilwasser muss eine medizinische Wirkung nachweisen, und Tafelwasser darf sogar aus verschiedenen Wasserarten bestehen (auch aus Leitungs- oder Meerwasser).

Lebensmittel-Check mit Tim Mälzer

Im Mangfalltal südlich von München wird das unterirdische Grundwasser für die Isar-Metropole gesammelt. Rainer List von den Stadtwerken München bestätigt Tim Mälzer die hervorragende Qualität: "Münchner Trinkwasser ist unbehandelt, quellfrisch und nicht aufbereitet". Er würde aber in ganz Deutschland Leitungswasser trinken: "Die Trinkwasserverordnung ist in ganz Deutschland gültig und wir halten diese überall ein". Zudem sei die Trinkwasserverordnung strenger als die Mineralwasserverordnung, so der Experte. 

Der wesentliche Unterschied zwischen Mineral- und Leitungswasser liege nur darin, dass es beim Leitungswasser regionale Unterschiede gebe und beim Mineralwasser die Mineralstoffzusammensetzung immer konstant bleibe, erklärt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Lediglich der Preis macht den Unterschied: Einen Liter Mineralwasser bekommt man ab 13 Cent pro Liter, Leitungswasser kostet lediglich 0,2 Cent pro Liter. 

Warum also Mineral-, statt Leitungswasser?

Warum bevorzugen also so viele Deutsche Mineralwasser? Viele hätten wohl Angst vor Medikamentenrückständen oder Antibiotika im Trinkwasser, vermutet Mälzer. Rainer List erklärt, dass wir im Untergrund immer unsere Lebensweise und somit auch bestimmte Stoffe wiederfinden. Diese seien allerdings im Nano-Bereich vorhanden und  "tun uns nichts", beruhigt der Experte. 

Die Qualität des Wassers wird in München mithilfe von Bioindikatoren getestet: In einem Aquarium werden Saiblinge in Leitungswasser gehalten, die reagieren auf chemische Stoffe im Wasser oder auf Substanzen, die dem Organismus schaden.

Hände weg von Entkalkern und "Soda Stream"

Viele Deutsche schrecken vor Kalk im Leitungswasser zurück und kaufen teure Filtersysteme. Bei einem Test mit Claudia Till von der Stiftung Warentest erweist sich deren Leistung als echter Flop: Sie entziehen dem Wasser Mineralstoffe, sind teuer und senken den Härtegrad des Wassers kaum oder nur für wenige Liter. Auch geschmacklich sei das entkalkte Wasser nicht unbedingt besser, wie Mälzer herausfindet. 

Auch von Soda-Sprudlern, mit denen man zuhause Trinkwasser mit Kohlensäure versetzen kann, wird abgeraten. Diese seien sehr anfällig für Keimbildung. Dr. Wolfgang Kohnen vom Institut für Krankenhaushygiene an der Universität Mainz, erklärt: Nachdem der Hersteller der Sprudler vor dem Reinigen mit zu heißem Wasser gewarnt hatte, reinigten manche Verbraucher die Soda-Stream-Flasche gar nicht mehr. Daraufhin hätte sich an den Innenwänden der Flasche ein Biofilm gebildet, sogar Indikatoren für Fäkalien seien gefunden worden. Tim Mälzer rät also: "Nur spülmaschinenfeste Flaschen kaufen!"

PET oder Glas? Einweg- oder Mehrwegflasche?

75% des Mineralwassers wird in Polyethylenterephthalat- (kurz: PET) Flaschen abgefüllt. Da diese schnell den Geschmack von Lebensmitteln annehmen, neben denen sie gelagert werden, sollte man lieber zu Glasflaschen greifen. Diese lassen sich außerdem knapp 50-mal wieder befüllen (gegenüber PET-Mehrwegflaschen, die sich nur 20-mal wieder befüllen lassen). 

Umweltschonender sind auf jeden Fall Mehrwegflaschen: "Würden wir alle Einweg- durch Mehrweg-Flaschen ersetzen, könnten wir 1,25 Millionen Tonnen CO² einsparen. Das ist so viel wie 575.000 PKWs im Jahr verbrauchen", so Thomas Fischer von der deutschen Umwelthilfe. 

Ist teures Wasser wirklich besser?

Leider setzen viele Deutsche bei Wasser auf Premiumprodukte (San Pellegrino, Mondwasser, Gourmet-Wasser aus Frankreich), die einen langen Weg hinter sich haben: Allein im vergangenen Jahr wurden 850 Millionen Liter Wasser importiert. Für die Umwelt ist das also schlechter, ob die teureren Wasser-Marken besser sind, entscheidet dabei einzig der persönliche Geschmack des Trinkenden.  

Mälzer klärt Trink-Mythen auf

Tim Mälzer besucht Uwe Schröder vom Institut für Sporternährung in Bad Nauheim. Der erklärt, dass wir am Tag lediglich 1,5 Liter Wasser benötigen. 0,7 Liter nehmen wir durch feste Nahrung (vor allem rohes Obst und Gemüse) auf. 0,3 Liter Wasser bekommen wir zusätzlich aus dem, was wir essen und was im Körper verstoffwechselt wird. 

Trotzdem: Nach spätestens vier Tagen ohne Flüssigkeit stirbt der Mensch. In der Doku erlebt Mälzer am eigenen Leib, was passiert, wenn der Körper zu wenig Wasser bekommt. Dazu lässt Schröder den TV-Koch zusammen mit einigen anderen Testpersonen einen Rechentest absolvieren. Anschließend geht es für 25 Minuten bei 90°C in die Sauna, zwei Liter sollen dort ausgeschwitzt werden. Die eine Testgruppe darf diese zwei Liter anschließend wieder zu sich nehmen, die andere (darunter auch Tim Mälzer) nicht. Dann wird der Test wiederholt. Das Ergebnis: Die Dehydrierten schneiden um 33 Prozent schlechter ab als die Wasser-Trinker.

Mälzers Fazit dieses Lebensmittel-Checks (der in der ARD-Mediathek abrufbar ist) lautet also: "Wasser, das in Deutschland gefördert und/oder abgefüllt wird, ist ein Lebensmittel von herausragender Qualität, welches extremen Lebensmittelkontrollen unterliegt. Von der Seite her dürfen wir uns also sehr, sehr sicher fühlen."

Silvia Kluck

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