Filmkritik & Trailer

"Men & Chicken": Nicht fragen, sondern schlagen

Anders Thomas Jensen glückte mit „Men & Chicken“ eine skurrile, finstere und verstörende Familiensaga.

Nach dem Tod des Vaters wartet eine Überraschung auf die Brüder Elias und Gabriel. Per postumer Videobotschaft erfahren sie, dass ihr eigentlicher Erzeuger auf einer abgelegenen dänischen Insel lebt und demnächst seinen 100. Geburtstag begehen wird. Die zwei ungleichen Geschwister, der eine klug und besonnen, der andere treudoof und aufbrausend, machen sich auf die Reise.

Auf der Insel begegnet man ihnen mit Ablehnung. Drei etwa gleichaltrige Sonderlinge hausen im verwahrlosten Anwesen des Vaters, das früher einmal ein Sanatorium war, umgeben von vielen Hühnern und anderem Getier. Nicht nur durch die Lippengaumenspalte sind die Männer sichtbar miteinander verwandt. „Nicht fragen, sondern schlagen“, scheint die Devise aller zu sein – aber irgendwann kommt es zu einer Annäherung der Brüder.

Der Däne Anders Thomas Jensen hat diese skurril-finstere Familiensaga ersonnen, und daher gibt es natürlich noch einen Clou mit bösen Widerhaken, die einen lange nicht mehr loslassen. Seit „Adams Äpfel“ gilt der in seiner Heimat seit langem umjubelte Jensen auch bei uns als klangvoller Name. Der Spezialist fürs Abgründige hinter harmlos anmutender Fassade liefert mit „Men & Chicken“ seinen bisher verstörendsten Film ab. Denn sein stimmungsvoll komponierter Bilderreigen reizt zwar ständig zum Lachen, doch das bleibt einem immer wieder im Halse stecken. Die fein balancierte Geschichte handelt von den Schwierigkeiten des Zusammenlebens, besonders mit der eigenen Familie, die man sich bekanntlich nicht aussuchen kann. Etwaiger Bruderzwist lässt sich zum Beispiel beheben, indem man sich gegenseitig anspruchsvolle naturwissenschaftliche Lehrbücher zum Einschlafen vorliest: Blöd sind die eigentümlichen, sozial wenig kompatiblen Kerle absolut nicht – und die Auflösung ist es schon gar nicht. Falls mal einer nicht spurt, haut man ihm eben einfach einen ausgestopften Biber um die Ohren, dann läuft’s schon wieder mit dem Halbbruder.

Mads Mikkelsen als dauermasturbierender Blödian mit Minipli dürfte sicherlich die unansehnlichste, aber beachtlichste Figur seiner bisherigen Karriere spielen. Auch die Filmbrüder sind großartig besetzt, und das Ambiente der verwahrlosten Behausung mit abblätternder Farbe und fauligen Fußböden verströmt den sanft gruseligen Charme vergangener schlimmer Zeiten einfach perfekt.

von Ulrike Frick

„Men & Chicken“

mit Mads Mikkelsen, David Dencik, Nikolaj Lie Kaas

Regie: Anders Thomas Jensen

Laufzeit: 104 Minuten

Rubriklistenbild: © DCM

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