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Jan Böhmermann ist wieder auf Sendung.

Shitstorm wegen Fake bei "Schwiegertochter gesucht"

Nach Böhmermanns "Verafake": RTL zieht Konsequenzen

Köln - Jan Böhmermann hat am Donnerstagabend Misstände bei "Schwiegertochter gesucht" aufgedeckt und so für einen massiven Shitstorm gesorgt. Der Sender zog jetzt drastische Konsequenzen aus dem Skandal.

TV-Rückkehr mit Paukenschlag: Böhmermann hatte in seiner ersten "Neo Magazin Royale"-Sendung nach der Erdogan-Zwangspause in seinem "Neo Magazin Royale" behauptet, einen Schauspieler in die Reality-Doku "Schwiegertochter gesucht" des Privatsenders geschleust zu haben - den "einsamen Eisenbahnfreund" Robin mit einem Faible für Schildkröten. Sowohl Robin als auch dessen in der Sendung präsentierte Vater "René" seien seine Erfindung, erklärte der Moderator breit grinsend. 

Neues "Schwiegertochter gesucht"-Team

Auf der Kandidaten-Liste von "Schwiegertochter gesucht" war der Fake-Kandidat Robin am Freitag nicht mehr zu finden. Unter den "neuen Söhnen" waren nur noch zwölf Kandidaten, vom "humorvollen Hobby-DJ" Thomas bis zum "schüchternen Sportschützen" Ingo. Der "Focus" berichtet, das gesamte Team der Sendung, die als "real life"-Format läuft, solle nun ausgetauscht werden. RTL sprach von einer "inhaltlichen wie personellen Neustrukturierung".

Ziel der Böhmermann-Aktion war es demnach, die Missstände bei der Kuppel-Show aufzuzeigen, die seit zehn Jahren erfolgreich bei RTL läuft. Dabei werde die Naivität vieler Kandidaten ausgenutzt und diese der Lächerlichkeit preisgegeben. Sie würden mit einem Taschengeld abgespeist, während der Sender mit Werbeminuten im hohen fünfstelligen Euro-Bereich bestens verdient. Zudem würden den Kandidaten manche Aussagen vorgegeben sowie zusätzliche Requisiten als deren Eigentum ausgegeben. 

RTL gesteht Fehler ein

Der Sender räumte in seinem Statement Fehler ein. Man habe man die Aufsichtspflicht missachtet und werde dafür die Verantwortung übernehmen. Zudem hatte eine Mitarbeiterin den offensichtlichen (wenn auch nur vorgetäuschten) Alkoholkonsum des falschen Vaters auf dem Fragebogen verschwiegen. Die "konkreten Textvorschläge" bereute der Sender im Nachhinein ebenso wie die Tatsache, dass man nicht auf die Vorlage eines Personalausweises bestanden hatte. RTL versprach, man werde dafür sorgen, dass das neue Team diese Fehler nicht wiederholt, so RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger und Geschäftsführer René Jamm (Warner Bros. ITVP Deutschland GmbH) in ihrer gemeinsamen Erklärung.

"Wir sind ihm komplett auf den Leim gegangen"

Die geringe Aufwandsentschädigung von 150 Euro für insgesamt 30 Drehtage erklärte RTL damit, dass arbeitslosen Kandidaten bei einer höheren Summe das Arbeitslosengeld gestrichen würde. Das Geld sei jedoch sowieso nicht der Grund der Teilnehmer, bei der Show mitzuwirken, sondern die Partnersuche.

Die von der Redaktion mitgebrachten und in der Wohnung verteilten Requisiten seien keine Manipulation sondern als Gastgeschenke zu verstehen, erklärt RTL und zollt Böhmermann für seine Aktion Respekt: "Wir sind ihm komplett auf den Leim gegangen".

"Menschenverächter-Privatfernsehen": Tweets zu #Verafake

Unter dem Hashtag "#verafake" (eine Anspielung auf die Moderatorin der Sendung, Vera Int-Veen (48) sowie Böhmermanns Aufsehen erregende "Varoufake"-Satire rund um den Mittelfinger des einstigen griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis) liefen dann auch die sozialen Netzwerke mit Kommentaren heiß.

"Verafake": Glänzende Quote und jede Menge Klicks

Der "Verafake" erzielte eine hervorragende Zuschauer-Quote: 620.000 Zuschauer (Marktanteil: 2,8 Prozent) verfolgten am Donnerstagabend von 22.20 Uhr an das "Neo Magazin Royale" auf ZDFneo. Zuvor war es schon in der Mediathek zu sehen gewesen. Bis Mitternacht wurde die Sendung dort 90.000 Mal nach ZDF-Angaben abgerufen - nicht eingerechnet sind die mobilen Geräte wie Smartphones und Tablets.

dpa

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