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Boerne schwebt in Lebensgefahr, Alberich kann nicht helfen und Thiel läuft die Zeit davon.

Unsere TV-Vorab-Kritik zum Krimi

Boerne und Thiel laden zur "Feierstunde": Wie gut wird der Tatort?

München - "Feierstunde" heißt der neue Tatort aus Münster und es gibt diesmal tatsächlich etwas zu feiern: Der gute alte Münster-Tatort ist zurück, Boerne und Thiel machen endlich wieder Spaß.

Sie können es doch noch, die Münsteraner. Der neue Tatort "Feierstunde" ist gut, richtig gut. Und das, obwohl Professor Boerne (Jan Josef Liefers) mal wieder in Lebensgefahr schwebt. Doch dieses Mal haben die Münster-Macher den Dreh raus: Man fragt sich nämlich wirklich während eines großen Teils des Films, ob es das beliebteste Tatort-Duo vielleicht bald nicht mehr geben könnte.

Das Wichtigste zum Münster-Tatort auf einen Blick:

  • Der Plot ist geradlinig, ohne Schnörkel.
  • Der Film kommt ohne Klamauk aus, nimmt sich aber trotzdem nicht zu ernst und das steht Münster hervorragend.
  • Professor Boerne ist wieder herrlich politisch inkorrekt.

Tatort aus Münster: Kammerspiel nach Alfred Hitchcock 

Klar, Professor Boerne glänzt auch im neuen Tatort wieder. In diesem Fall passt es aber. Er bekommt drei Millionen Euro für Mumien-Forschung bewilligt. Sein Kollege Professor Harald Götz (Peter Jordan) hingegen forscht seit Jahren nach einem Heilmittel für seine Frau, die an ALS leidet. Geld bekommt er dafür keins, seine Kollegen nehmen ihn kaum wahr, er ist völlig unscheinbar. Eines Morgens dann wird seine Frau tot aufgefunden - ohne Gesicht, das vom Schuss einer Pumpgun vollständig zerstört worden ist. Schnell ist klar: Es war Selbstmord, es gab keine Heilung für sie, sie wollte nicht mehr leben. Ihr Mann versteht gar nichts mehr: Wie kann es sein, dass Boerne schon wieder mehrere Millionen bekommt - für Mumien-Forschung - und er keinen Cent sieht im Kampf gegen ALS? Rachegelüste gegenüber Boerne hat er sowieso schon lange, hat sich schon mehrfach vorgestellt, wie er einfach eine Waffe nimmt und ihn eiskalt abknallt. Dann dreht er durch.

Darauf folgt ein Kammerspiel, auf das Alfred Hitchcock wohl stolz gewesen wäre: Wenige Menschen, alles Mediziner, eingesperrt in eine Gaststube. Und bald ist klar: Einer wird sterben, mit Sicherheit. Warum das so sicher scheint, wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Tatort aus Münster: Der Humor ist diesmal subtil

Eine Schlüsselrolle spielt Harald Götz' Psychotherapeutin Dr. Corinna Adam (Oda Thormeyer). Sie weiß von den Rachegelüsten ihres Patienten gegenüber Boerne, sie weiß, dass er ein Waffenarsenal im Internet bestellt hat. Und doch versucht sie, Thiel (Axel Prahl) glauben zu machen, dass von Götz keine Gefahr ausgeht.

Professor Harald Götz (Peter Jordan) kann nur noch an eins denken: Boerne töten.

Der Klamauk, der die vergangenen Münster-Fälle begleitet hat, fehlt hier vollständig - und das ist einfach sensationell anzuschauen. Denn so können sich die Münsteraner auf das konzentrieren, was sie am besten können: Boerne zeigt, dass er weitaus mehr ist als arrogant, eitel und großspurig und Peter Jordan spielt seinen Professor Götz so unfassbar unscheinbar, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft, wenn er dann eine Waffe in die Hand nimmt. Die Grausamkeit schleicht sich hier in das Leben der Mediziner ein, heimlich, still und leise, ganz so, wie sich die fürchterliche Krankheit ALS in das Leben von Götz' Frau eingeschlichen hatte.

Tatort aus Münster mit Humor und ohne komische Zufälle

Trotzdem kommt der Humor im Tatort nicht zu kurz, diesmal ist er allerdings subtiler. Etwa in dem Moment, als sich Thiel minutenlang in einen gelben Seuchenschutzanzug quetscht und danach nur noch aus einem Mini-Guckloch herausschaut. Oder als Alberich (Christine Urspruch) Boerne dringend erreichen will und erst einmal mehrere Sekunden lang dessen völlig übertriebenem Mailbox-Spruch zuhören muss. Und Boerne natürlich: Der haut endlich wieder einen politisch inkorrekten Satz nach dem anderen heraus. Als Alberich eine Beileidskarte an Professor Götz zum Tod seiner Frau schreibt, fragt er genervt: "Schreiben sie dann auch noch Kondolenzbriefe für die Erdbebenopfer von Nepal?" Und zu Thiel sagt er herablassend: "Sie haben ja nicht mal Abitur."

Komische Zufälle gibt es diesmal übrigens nicht. Vaddern (Claus D. Clausnitzer) ist zwar dabei, stolpert aber nicht wieder mit in den Fall und über allerlei passende Hinweise für seinen Sohn Thiel, damit der den Fall schnell lösen kann. Überhaupt scheint Thiel der einzige zu sein, der im neuen Tatort den Durchblick hat - er registriert als einziger die Gefahr, die von Harald Götz ausgeht. So muss er sein, der Münster-Tatort. So war er früher und so möchten wir ihn bitte auch in Zukunft sehen.

Tatort aus Münster im TV, in der Mediathek und auf Twitter

Der neue Münster-Tatort "Feierstunde" läuft am Sonntag, 25. September, um 20.15 Uhr in der ARD. Danach können Sie den Krimi 30 Tage lang in der Mediathek anschauen.

Bereits während des Films können Sie über den Tatort im Internet mitdiskutieren: Das Erste twittert unter @Tatort und dem Hashtag #Tatort.

Frühere TV-Kritiken zu Tatort und Polizeiruf

"Sumpfgebiete" (Polizeiruf aus München), "Taxi nach Leipzig" (1000. Jubiläum), "Borowski und das verlorene Mädchen" (Kiel), "Echolot" (Bremen), "Wahrheit" (München), "Zahltag" (Dortmund), Wir "Der König der Gosse" (Dresden), "Wölfe" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), HAL (Stuttgart-Tatort), "Wir - Ihr - Sie" (Berlin-Tatort), "Und vergib uns unsere Schuld" (Polizeiruf mit Matthias Brandt), "Das Recht, sich zu sorgen" (Franken-Tatort), "Fünf Minuten Himmel" (Freiburg-Tatort), "Mia san jetz da wo's weh tut" (Jubiläumsfall München-Tatort), "Der Preis der Freiheit" (Polizeiruf des RBB).

pak

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