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Die fleißigen Helfer Carolin (l, 12) und Florian (8) stehen vor dem Geschäft ihrer Eltern und schieben Schlamm aus dem Haus heraus.

Schwere Verwüstungen

Ein Dorf räumt auf: Braunsbach nach der Gerölllawine

Braunsbach - „Braunsbach war einmal“, sagten sie am Tag direkt nach der Katastrophe. Am Tag zwei nach der unglaublichen Gerölllawine packen alle an, um die Idylle im Kochertal wieder aufzubauen.

„Ich helfe, bis ich nicht mehr kann, dann gehe ich duschen und ins Bett.“ Manuel Taffner schaufelt Schlamm und Geröll aus der Gaststätte „Löwen“ am Markt. Jetzt gönnt er sich eine kleine Pause mit Würstchen und Wasser, irgendjemand hat das vorbeigebracht. Taffner hat sich Urlaub genommen, obwohl sein Haus am Hang von der Schlamm- und Gerölllawine verschont blieb, die in der Nacht zum Montag seinen Heimatort Braunsbach im eigentlich idyllischen Kochertal in eine Schlammwüste verwandelt hat.

Taffner und sein Schwager Dimi Karagiannis (41) helfen - egal wo. „Wenn mir sowas passiert wäre, bräuchte ich auch Hilfe“, sagt er schlammverschmiert und sichtlich erschöpft. Ist im „Löwen“ nichts mehr zu tun, wollen beide „die Straße rauflaufen und irgendwo anders helfen“. Braunsbacher hielten zusammen.

Wie ein Wunder: Niemand kam zu Tode

Dass hier in der Nacht zum Montag niemand zu Tode kam, erscheint wie ein Wunder. Ganze Hauswände sind rausgerissen. Oben am Markt liegen die Schuttberge, durchsetzt mit Baumstämmen, mannshohen Steinbrocken, zerquetschten Autos und mitgeschwemmtem Hausrat so hoch, dass man gar nicht darüber kommt. Laut dröhnende Bagger und Schaufelradlader tragen sie ab. Lastwagen für Lastwagen wird Geröll aus dem Ort gefahren. Autowracks werden auf einen provisorischen Schrottplatz gezogen.

Auf den Straßen steht der Schlamm knöcheltief. Der Schlossbach, einer der beiden Zuflüsse zum Kocher, die am Sonntagabend gemeinsam eine unglaubliche Gewalt entwickelten, läuft noch mehr oder weniger Für gewöhnlich läuft er nur oben am Schloss offen ins Tal, weiter unten eigentlich im Kanal. Doch der ist am Mittag noch verschüttet.

„Ich mache, wo ich mit meinen Händen helfen kann“

Hier und da riecht es nach Benzin oder Öl, vermutlich aus leckgeschlagenen Autos, die überall demoliert am Straßenrand stehen. Mit einem gesprühten X sind die markiert, die auf Verschüttete kontrolliert sind. Es gebe nach wie vor keine Vermisstenmeldungen, versichert Gerhard Bauer, Landrat des Kreises Schwäbisch Hall, bei einem Besuch am Mittag.

Klaus Wolf (74) schiebt eine Schubkarre über den Markt. Er hilft seinem Zwillingsbruder, dessen Sanitätsgeschäft zerstört wurde. „Wir sind noch immer im Keller, ich muss weiter.“ Gemeinderätin Brigitte Ehrmann (47) schaufelt Schlamm aus dem Rathaus. Die Bank, bei der sie für gewöhnlich arbeitet, hat ihr freigegeben. „Gestern Abend um zehn war die Vertretung organisiert, das ist super.“ Am Montag hat sie mit ihrer Schaufel in der Festhalle geholfen, heute wieder schlammverschmiert im Rathaus des 900-Seelen-Dorfes. „Ich mache, wo ich mit meinen Händen helfen kann.“

Landrat: "Die Hilfsbereitschaft ist enorm"

Bürgermeister Frank Harsch wirkt noch erschöpfter als am Vortag. Doch er ist vermutlich auch ein Stück weit stolz. „Es ist ein Wahnsinn: Alle haben Kumpels oder Verwandte organisiert, die mithelfen.“ Die Stromversorgung solle so schnell wie irgend möglich wieder hergestellt werden, die Wasserversorgung natürlich auch. Der Weg zurück zum alten Braunsbach könne Monate dauern. Und was denkt er, wenn für Mittwoch neue Gewitter vorhergesagt werden? „Daran kann ich eh nichts ändern.“

„Das Telefon bei uns steht nicht still“, berichtet Landrat Bauer. „Die Hilfsbereitschaft ist wirklich enorm.“ Sogar so groß, dass die Polizei am Mittag dazu aufruft, Hilfslieferungen einzustellen. Abgestellte Fahrzeuge und deren Hilfsgüter blockierten Zufahrtswege, so dass es zu Verzögerungen bei den Aufräumarbeiten komme. Derweil hofft Bauer auf Zuschüsse von Land und Bund. „Eine eher finanzschwache Gemeinde wie Braunsbach kann dann nicht alles tragen.“

In der Infozentrale der Gemeinde in der Grundschule auf dem Berg gibt es Kosmetikartikel wie Zahnbürsten - kostenlos steht auf einer Tafel am Markt. Schule und Kindergarten bleiben die ganze Woche geschlossen, lautet eine weitere Ansage dort. Daneben schieben die 12-jährige Carolin und ihr Bruder Florian (8) mit Besen Schlamm aus dem Geschäft, in dem für gewöhnlich ihr Vater arbeitet. Er helfe mit, damit die Läden bald wieder öffnen könnten, sagt Florian abgeklärt. „Es wird jeden Tag besser.“ Auch seine Schwester muss heute nicht in den Nachbarort in die Schule. „Ich könnte mich da auch gar nicht konzentrieren, wenn ich weiß, dass die Leute hier Hilfe brauchen, weil es ihnen nicht gut geht.“

dpa

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