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Der syrische Flüchtling Haval Zahabi steht beim "Smukfest" an einem Imbiss-Stand und zeigt das syrische Reisgericht "Kabsa".

Tolle Szenen in der dänischen Provinz

Flüchtlinge bei Festival: "Plötzlich tanzten alle zusammen"

Skanderborg - Harte Kante gegen Asylbewerber: In der Flüchtlingskrise haftet Dänemark das Image des scharfen Hundes an. Ausgerechnet in der tiefen Provinz zeigen die Dänen, dass sie auch ganz anders können.

Es ist der würzige Duft, der die meisten Neugierigen anzieht. Ein bisschen exotisch riecht es, nach gebratenem Reis mit Safran, Hühnchen, geschmorten Zwiebeln. „Kabsa“, erklärt Haval Zahabi. „Ein syrisches Reisgericht.“ Gemeinsam mit 19 anderen Syrern serviert der 37 Jahre alte Flüchtling die Mahlzeit - garniert mit Hummus, Joghurt und Brot - an einem Ort, von dem er vor eineinhalb Jahren wohl nicht im Traum gedacht hätte, dass er hier einmal landet: auf dem Campingplatz eines Musikfestivals mitten in der dänischen Provinz. In Kopenhagen macht es die harte Asylpolitik Dänemarks Flüchtlingen wie Zahabi oft schwer, sich zu Hause zu fühlen. Das „Smukfest“ macht es ihnen ganz leicht: Beim Essen, Tanzen und Feiern ist die Herkunft völlig egal.

„Hier werden unsere Flüchtlinge als Ressource gesehen, nicht als Belastung“, sagt Lene Kjeldsen von der Dänischen Flüchtlingshilfe in Skanderborg, die das Projekt auf Anfrage des Festivals aus dem Boden gestampft hat. Spontan engagierte die Dänin zwei Syrer, die in ihrer Heimat als Köche gearbeitet haben. Einer von ihnen ist Zahabi, der Restaurants in Syrien und im Libanon hatte und heute in einer Kantine in Aarhus kocht.

Die meisten der Flüchtlinge, die den Dänen in diesen Tagen das Essen aus ihrer Heimat näherbringen, sind aber Freiwillige. Im Gegenzug für ihre Schichten in dem Zelt am See dürfen sie das Festival umsonst besuchen. „Ich hatte eine lange Warteliste“, sagt Kjeldsen. Dutzende Syrer wollten mitmachen. „Ich liebe Essen“, erklärt Masoud Dahabi, der in einer riesigen Pfanne Zwiebeln und Pilze anbrät. Vor allem ist der 24-Jährige aber von der Stimmung und den Menschen begeistert. „Hier gibt es so nette Leute.“

Ihr Zelt haben die Flüchtlinge auf dem Campingplatz „Kaerligheden“ aufgeschlagen - „die Liebe“. Hier campen vor allem junge Leute, übermütig springen sie in voller Montur in den See oder entspannen in der Sonne. Von morgens bis abends läuft laute Musik - und in diesem Jahr nicht immer nur dänische. „Gestern Abend haben die Syrer sich eine Musikanlage von einigen dänischen Campern ausgeliehen“, sagt Kjeldsen. „Und plötzlich tanzten hier alle zusammen zu arabischer Musik.“

Wenn man sich doch mal mit Worten verständigen muss, hilft Najiba Akbari weiter, die im Essens-Zelt fürs Kassieren zuständig ist. Die 20-Jährige kam mit sieben Jahren mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Dänemark. Heute fühlt sie sich nicht mehr als Flüchtling. „Ich war es aber einmal, und deshalb weiß ich genau, wie man sich fühlt“, sagt Akbari. Das Festival sei ein Ort, an dem sich die beiden Kulturen ungezwungen begegnen könnten. „Es ist toll zu sehen, wie offen und neugierig alle aufeinander sind.“

Als offen und neugierig galt Dänemark ganz selbstverständlich lange - bis im vergangenen September Tausende Flüchtlinge über die deutsche Grenze kamen. Mit ihrer harten Symbolpolitik in der Flüchtlingsfrage rückte die Regierung das Land international in ein schlechtes Licht. Zeitungen wie die „New York Times“ schrieben über Dänemarks Wandel vom liberalen Wohlfahrtsstaat zum Flüchtlings-Schreck.

Vielen Dänen ging die politische Stimmung in ihrem Land, kräftig angeheizt von den Rechtspopulisten, gegen den Strich. Vielerorts gründeten sich wie in Deutschland Initiativen, um Flüchtlinge willkommen zu heißen - auch auf dem Land, wie hier in dem 19 000-Einwohner-Ort Skanderborg. Am Stand neben dem der Syrer werden Hot Dogs ausgegeben, hier riecht es nach Würstchen und Frittenfett. „Langweilig“, findet ein Festivalbesucher, der sich gerade eine Portion des syrischen Reisgerichts gegen den Kater geholt hat.

dpa

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