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Die Zahl der IS-Kämpfer in Libyen wird auf bis zu 5000 geschätzt.

Bericht des Grauens

IS-Hinrichtungen in Libyen: Wegen Gotteslästerung und Hexerei

München - Laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation hat der IS in der libyschen Stadt Sirte auf grausamste Art und Weise Menschen hingerichtet. Und nicht nur das.

Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) haben laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in der libyschen Stadt Sirte Dutzende Menschen hingerichtet. Mindestens 49 Menschen seien wegen angeblicher Gotteslästerung, Hexerei oder Spionage unter anderem geköpft oder erschossen worden, teilte HRW am Mittwoch in einem 41 Seiten langen Bericht mit.

In der IS-Hochburg Sirte würden die Menschen "extrem drangsaliert", indem ihnen Lebensmittel, Medikamente, Treibstoff und Geld vorenthalten würden, erklärte die in New York ansässige Organisation. Sie berief sich auf Interviews mit 45 Bewohnern von Sirte, die aus der Stadt fliehen konnten. Sie wurden zum Teil telefonisch oder per E-Mail geführt.

Über zwei Drittel der Menschen aus der Stadt geflohen

"Die Bewohner von Sirte beschreiben Horrorszenen - öffentliche Hinrichtungen, leblose Körper in orangefarbenen Overalls, die wie "Gekreuzigte" an Gerüsten hängen, und maskierte Kämpfer, die mitten in der Nacht Männer aus ihren Betten holen", erklärte HRW. Von Informanten begleitete Sittenwächter patrouillierten durch die Straßen und bedrohten, bestraften oder peitschten Männer aus, weil sie rauchten, Musik hörten oder nicht darauf achteten, dass ihre Frauen und Töchter sich verhüllten.

Außerdem habe der IS Dutzende Kämpfer libyscher Milizen entführt, von denen vermutlich viele tot seien, erklärte HRW unter Berufung auf im Exil lebende Kommunalpolitiker und Kämpfer von Oppositionsgruppen. Seit der Ankunft der ersten IS-Kämpfer in Sirte Ende 2014 verließen dem Bericht zufolge mehr als zwei Drittel der früher 80.000 Einwohner die Stadt.

Libyen im Chaos versunken

"Die Ermordung von Zivilisten, verletzten oder gefangenen Kämpfern durch Mitglieder einer bewaffneten Konfliktpartei ist ein Kriegsverbrechen, genauso wie die Hinrichtung von Menschen ohne einen Prozess durch ein reguläres Gericht", erklärte Human Rights Watch. "Die Art und das Ausmaß unrechtmäßiger Hinrichtungen durch den IS und andere Taten in Libyen könnten auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein", hieß es weiter.

Der IS hatte vor knapp einem Jahr die Küstenstadt Sirte vollständig eingenommen. Libyen ist nach dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Chaos versunken und der Islamische Staat nutzt das Fehlen staatlicher Strukturen, um sich in dem nordafrikanischen Land auszubreiten. Die Zahl der IS-Kämpfer in Libyen wird auf bis zu 5000 geschätzt.

afp

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