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Nach Ansicht von Franz-Josef Wodopia braucht Deutschland noch viele Jahre lang Kohlekraftwerke für die Stromversorgung. Foto: Fredrik von Erichsen

Industrie-Experte: Brauchen noch lange Kohlekraftwerke

Kohlekraftwerke sind heftig umstritten. Umweltschützer wollen sie innerhalb von 15 Jahren abschalten. Ein Branchenkenner meint: Das geht schon aus technischen Gründen nicht.

Hamburg/Essen (dpa) - Deutschland benötigt nach Einschätzung des Industrie-Experten Franz-Josef Wodopia trotz aller Klimabedenken noch viele Jahre lang Kohlekraftwerke für die Stromversorgung: "Wir brauchen sie mindestens bis 2050".

"Wie es danach weitergeht, hängt davon ab, ob ein Durchbruch bei der massenhaften Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien gelingt", sagte der Geschäftsführer des Vereins der Kohlenimporteure, dem große Kraftwerksbetreiber wie RWE, Uniper, Steag und EnBW angehören.

2015 lag der Steinkohle-Anteil an der deutschen Stromerzeugung nach Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums bei 18,2 Prozent. Steinkohle und Braunkohle zusammen stehen für gut 42 Prozent.

Erneuerbare Energien legen zwar zu und decken inzwischen rund ein Drittel des Strombedarfs ab. Für die starken Schwankungen der Wind- und Sonnenenergie gibt es angesichts des derzeitigen Mangels an bezahlbaren Massenspeichern laut Wodopia aber nach wie vor keine Lösung. Die Kohlekraftwerke seien deshalb für die Versorgungssicherheit unerlässlich.

Neben der besonders umstrittenen Braunkohle sind auch Steinkohle-Kraftwerke in jüngster Zeit verstärkt in die Kritik geraten. Die Berliner Stiftung Agora Energiewende schlug vor kurzem einen Ausstieg aus der Steinkohle bis spätestens 2040 vor, der BUND plädiert aus Klimaschutzgründen für ein Ende der Steinkohle-Verstromung innerhalb von 15 Jahren. Agora Energiewende argumentiert, dass ein 25-jähriger Übergangszeitraum der Energiebranche ausreichend Zeit für den Umbau ihrer Strukturen lasse.

Laut Wodopia sind schnelle Ausstiegsszenarien aus der konventionellen Erzeugung nach jetzigem Stand auch aus technischen Gründen kaum umzusetzen. Die stabile 50-Hertz-Frequenz des Stromnetzes sei ohne einen starken Sockel an konventionell erzeugtem Strom nicht zu halten. Das zeigten unter anderem die hohen Kosten für Eingriffe der Netzbetreiber, die schon jetzt zur Netzstabilisierung nötig seien.

Die Bundesnetzagentur hatte vor kurzem bekanntgegeben, dass die Kosten für solche Netzeingriffe auf jährlich etwa eine Milliarde Euro gestiegen sind und sich mittelfristig sogar vervierfachen könnten.

Der Ökonom Wodopia ist als langjähriger Chef des Gesamtverbandes Steinkohle und jetziger Geschäftsführer des Vereins der Kohlenimporteure ein Pro-Kohle-Lobbyist. Er ist aber zugleich einer der bundesweit größten Kenner der Materie.

Als Ersatz für die Kohle den Strom-Anteil des Erdgases von bisher knapp 9 Prozent auszubauen, verursache nicht nur erhebliche Mehrkosten, sondern bringe nach einer vom Kohlenimporteure-Verein initiierten Studie möglicherweise auch klimapolitisch keinen Fortschritt. Gaskraftwerke erzeugten zwar bei der Verbrennung weniger Schadstoffe, dafür fielen aber bei der Förderung und beim Transport von Erdgas besonders schädliches Methan und auch weitere Kohlendioxid-Emissionen an, sagte Wodopia.

In Deutschland gibt es nur noch zwei aktive Steinkohlezechen, die Ende 2018 geschlossen werden. Die Kraftwerkskohle in Deutschland stammt bereits jetzt zu etwa 90 Prozent aus Importen, ab 2019 steigt der Anteil auf 100 Prozent.

Steinkohleanteil an der Stromerzeugung

Pöyry-Studie über Umweltbelastung durch Gaskraftwerke

Verein der Kohlenimporteure

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