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Das Loreleyplateau am Rhein.

"Eine riesige Chance für die Region"

Die Loreley soll wieder schön werden - Neugestaltung beginnt

St. Goarshausen - Das weltweit bekannte Felsplateau der Loreley am Rhein soll zugleich modern und naturnah werden. Der erste Spatenstich steht bevor. In die Vorfreude mischt sich Kritik.

Wird die Loreley wieder schön? Die weltberühmte Felsnase am Rhein ist in die Jahre gekommen. Der frühere rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Walter Schumacher (SPD) bezeichnete sie einst als „relativ versifft“. Das soll sich ändern, mit Steuergeld in Millionenhöhe. An diesem Donnerstag ist der erste Spatenstich für eine naturnahe Neugestaltung des Loreley-Plateaus im Herzen des Welterbes Oberes Mittelrheintal geplant. 2018 soll hier ein Kultur- und Landschaftspark eröffnet werden, mit einer zentralen Promenade und einem Schlängelpfad zur Felsenspitze. Zugleich soll die Freilichtbühne renoviert werden.

„Eine riesige Chance für die Region“ sieht darin der Mainzer Innenminister Roger Lewentz (SPD). „Der weltweit bekannte Mythos „Loreley“ kann wieder erlebbar werden“, sagt er. Die Sage ist der Inbegriff der Rheinromantik: Die blonde Loreley kämmt hoch oben ihre Haare, singt verführerisch und treibt so die Schiffer gegen die Felsenwände in den Tod.

Doch der geplante Abriss mehrerer Gebäude, die vorgesehene Schließung des veralteten Campingplatzes und die anvisierte Fällung von Bäumen haben auch Gegner, darunter viele, die mit der Loreley schon Kindheitserinnerungen verbinden. Einige haben kürzlich im Schutze der Nacht sogar knapp 200 Holzkreuze auf dem Plateau aufgestellt, als Zeichen für den erwarteten Tod des jetzigen Felsenflairs. In den sozialen Medien ist die Rede von einer „kompletten Zerstörung“ eines der „mystischsten Plätze Deutschlands“, verbunden mit einer Verschwendung von Millionen Euro.

Viele Touristen haben keine Ahnung von der geplanten Umgestaltung. Mit dem Ist-Zustand zeigen sich manche aber auch zufrieden. „Hier ist es sehr schön. Ich würde es so lassen“, sagt Heiko Poppick aus dem thüringischen Oepfershausen. „Das Rustikale hat auch was für sich.“ Benny Broekhuizen aus dem niederländischen Zierikzee meint ebenfalls: „Das hier sollte alles so bleiben. Dann kann man seinen Kindern zeigen, wie die Loreley früher schon war.“

Manches könnte auch ein Missverständnis sein. Das Siegerprojekt des Wettbewerbs für die Umgestaltung ist als Modell mit vielen Höhenschichten vorgestellt worden - die manche Gegner wohl als Betonschichten interpretiert haben. „Ich dachte, ich breche zusammen“, sagt dazu der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley, Werner Groß. Das Gegenteil sei das Ziel: „Weg mit dem Asphalt, weg mit der Straße, weg mit dem Parkplatz, zurück zur Natur, zurück zum Felsen.“ Allerdings sollen auch 130 der 390 Bäume gefällt werden, für mehr freie Sicht und mit Einverständnis der Naturschutzbehörde. 

Bund, Land und Verbandsgemeinde stellen laut Groß insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu komme die Umgestaltung der denkmalgeschützten Freilichtbühne aus der NS-Zeit für rund sechs Millionen Euro, finanziert vom Betreiber, der Stadt St. Goarshausen und vor allem dem Land.

Rainer Knecht, Betreiber der Sommerrodelbahn weiter hinten auf der Loreley, sagt: „Ja, wir brauchen einen Umbau. Die Zeit bleibt nicht stehen, aber hier ist sie stehengeblieben.“ Nötig sei aber eine weniger radikale Lösung: kein Teilabriss des Jugendheims mit 16 000 Übernachtungen pro Jahr und auch keine Schließung des Berghotels, ohne dass das vielleicht zu teure neue Hotelprojekt schon Wirklichkeit sei. Dieses soll laut Bürgermeister Groß „smart in die Landschaft getackert werden, damit die Unesco kein Bauchweh kriegt“.

Der „Bereichsleiter“ des Berghotels, Salvatore Mangano, sagt: „Nächsten Montag haben wir zum letzten Mal auf, dann ist Schluss. Das ist natürlich traurig. Aber wir gehen erhobenen Hauptes.“ Für die Mitarbeiter gebe es anderswo neue Jobs. Auch das Jugendheim schließt im Oktober - sein historisches Hauptgebäude soll sich zum Eingang des Landschaftsparks wandeln, mit Informationen und Gastronomie.

Interessant: Die vieldiskutierten fünf Infopunkte, die sich laut Siegerentwurf als eine Art begehbare Bergkristalle mit transparenten Wänden auf der Loreley verteilen sollen, sind nach Angaben von Bürgermeister Groß „nicht Bestandteil der Förderung und werden derzeit nicht weiter geplant. Wir halten aber ein Leerrohrverfahren vor.“ Übersetzt: Strom- und Wasseranschlüsse sollen schon einmal zu den geplanten Kristallorten verlegt werden. Alles Weitere zeigt erst die Zukunft.

dpa

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