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David Cameron setzte das Referendum im vergangenen Jahr an.

Von James Cameron bis Boris Johnson

Die Hauptakteure der Brexit-Schlacht

München - Das Brexit-Referendum spaltet die politischen Lager in Großbritannien. Ein Überblick über die Protagonisten und welche Rolle sie spielen. 

Update vom 20. Juni 2016: Am Donnerstag stimmt Großbritannien über den Verbleib in der EU ab. Alle aktuellen Infos finden Sie in unserem News-Blog zum Brexit.

Update vom 17. Juni 2016: Die Debatte um einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) spaltet Großbritannien und sorgt für diverse Planspiele auf dem Kontinent. Diese Folgen hätte ein Brexit für Deutschland.

Das Schicksalsreferendum der Briten über ihre Zukunft in oder außerhalb der EU wird auch die politische Landschaft auf der Insel umpflügen. Ein Überblick über die Protagonisten der Brexit-Schlacht - und was der Ausgang für sie bedeuten könnte:

PRO-EU-LAGER

DAVID CAMERON

Der Premierminister setzte das Referendum im vergangenen Jahr an, um die EU-Skeptiker in den Reihen seiner konservativen Tories zum Schweigen zu bringen. Seit er der EU eine Reform abtrotzte, um die Einwanderung zu begrenzen, wirbt er an vorderster Front für den Verbleib. Gewinnt am 23. Juni das Brexit-Lager, wird Cameron als Premier in die Geschichte eingehen, der aus taktischem Kalkül die Zukunft seines Landes riskierte. Er könnte sich dann "keine 30 Sekunden länger" im Amt halten, meint sein Parteifreund, Ex-Justizminister Ken Clarke. Auch bei einem nur knappen Sieg der EU-Befürworter würde Camerons Stuhl zu wackeln beginnen.

JEREMY CORBYN

Der Labour-Chef vom linken Rand zögerte lange, für den EU-Verbleib zu kämpfen, und besonders laut ist seine Stimme nach wie vor nicht. Im Herzen steht er der EU wohl weiter reserviert gegenüber, hebt aber inzwischen immerhin ihre Leistungen hervor, um Arbeitnehmer und Verbraucher vor einem ungezügelten Kapitalismus zu schützen. Corbyns sechs Amtsvorgänger treten wesentlich klarer für den EU-Verbleib ein.

SADIQ KHAN

Der erste Bürgermeister Londons mit muslimischen Wurzeln und neuer Stern bei Labour schloss am 30. Mai einen Pakt mit Cameron, um den Brexit abzuwehren. Khan hat vor allem die Interessen des Finanzplatzes London im Blick. Der EU-Austritt könnte tausende, wenn nicht zehntausende Banker auf das EU-Festland treiben, weil sie von London aus ihre Geschäfte nicht mehr so leicht betreiben könnten. Der 45-Jährige wird schon als möglicher Nachfolger Corbyns an der Spitze der Labour-Partei gehandelt.

NICOLA STURGEON

Die Premierministerin von Schottland und Parteichefin der schottischen Nationalisten (SNP) warb von Beginn an für den EU-Verbleib. Sollte Schottland am 23. Juni pro Brüssel stimmen, während der Rest des Königreichs "goodbye" sagt, könnte sie einen neuen Anlauf zur Abspaltung Schottlands von Großbritannien nehmen. Ein Brexit würde dies rechtfertigen, lautet ihre Drohung.

PRO-BREXIT

BORIS JOHNSON

Der Ex-Bürgermeister von London fährt seit Wochen in einem Bus quer durch Großbritannien und ruft die Briten auf, sich "die Kontrolle zurückzuholen". Im Kampf gegen Brüssel hat der Tory-Widersacher Camerons jede Beißhemmung verloren, er verglich die EU sogar mit Hitler, weil sie den ganzen europäischen Kontinent beherrschen wolle. Sollte die Mehrheit der Briten am 23. Juni seinem Aufruf folgen, dann gilt er als wahrscheinlicher Nachfolger Camerons.

NIGEL FARAGE

Der Rechtspopulist und Chef der Unabhängigkeitspartei Ukip hat den EU-Ausstieg zu seinem Lebensziel erkoren. Dabei sitzt er seit 17 Jahren im EU-Parlament, während er auf der Insel kein einziges Wahlamt innehat. Nicht zuletzt wegen fremdenfeindlicher Tendenzen in seiner Partei wurde Farage - der mit einer Deutschen verheiratet ist - nicht ins offizielle "Vote Leave"-Lager aufgenommen, das Johnson leitet. Welche Rolle er im Falle seines größten Triumphs künftig spielen könnte, ist unklar.

FÜNF TORY-MINISTER

Aus Camerons Kabinett werben gleich fünf Minister für den Brexit: Michael Gove (Justiz), Iain Duncan Smith (Arbeit), John Whittingdale (Sport und Medien), Chris Grayling (Regierungsvertreter im Parlament) und Theresa Villiers (Nordirland). Zudem Beschäftigungsstaatssekretärin Priti Patel. Ein Brexit könnte die Rebellen in die oberste Führungsriege katapultieren. Ein Verbleib würde sie wohl ihre Ämter kosten.

Bleiben die Briten in der EU? Wenn nicht, was bedeutet das für Europa? Ziehen andere Staaten nach? Fragen über Fragen vor dem alles entscheidenden Referendum. Hier gibt es die Antworten.

dpa

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