Verkehrssicherheit

Ältere Autofahrer gelten als unsicher - zu Recht?

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Senioren am Steuer haben einen schlechten Ruf, viele fordern deshalb Fahrtests ab einem bestimmten Alter.

Eine Mehrheit fordert eine Prüfung der Fahrtauglichkeit von Senioren. Experten widersprechen jedoch. Mehr Verkehrssicherheit gehe auch ohne gesetzliche Regelungen.

Unfälle auf deutschen Straßen passieren täglich, aber wenn ein älterer Autofahrer einen Unfall verursacht, erhitzt das die Gemüter. Denn viele fordern dann wieder eine Überprüfung der Fahrtauglichkeit ab einem bestimmten Alter. Allerdings streiten sich Experten darüber, ob so eine Regelung überhaupt sinnvoll ist.

Unfallstatistik gibt Fahrtest-Befürwortern Recht

Während in einer aktuellen Umfrage rund zwei Drittel eine Regelung fordern, ist Frank-Roland Hillmann, Fachanwalt für Verkehrsrecht, der Meinung, dass auch ohne gesetzliche Regelungen, die Verkehrssicherheit verbessert werden kann, wie er in einem Interview mit der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein erklärt.

Zwar zeigt die Verkehrsunfallstatistik, dass bei Unfällen mit Senioren in 75 Prozent der Fälle ältere Autofahrer auch die Verursacher sind, aber auch die Gruppe der jungen Autofahrer (18 bis 21 Jahre) ist mit 71 Prozent ähnlich oft Unfallverursacher. Jedoch fährt diese Gruppe auch öfter. Hillmann weist darauf hin, dass das Thema deutlich komplexer sei und man es mit einer einseitigen Regelung allein für eine bestimmte Gruppe nicht lösen könne.

Anwalt warnt vor Pauschalisierung und spricht sich gegen Fahrtests aus

Grundsätzlich sehe er nicht, dass ältere Autofahrer ein Verkehrsrisiko seien. Er warne vor einer Pauschalisierung. Der Anwalt erklärt, dass es viele Menschen gebe, die auch im hohen Alter noch sehr fit und beweglich seien. Andererseits gebe es auch 50-Jährige, bei denen das Gegenteil der Fall sei.

Eine Regelung für Tauglichkeitstest stuft Hillmann als fragwürdig ein. Als Beispiel führt der Anwalt im Interview Italien an. Dort gibt es schon eine Prüfung der Fahrtauglichkeit. Allerdings gebe es keine positiven Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit.

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Unfälle älterer Menschen oft nur Bagatellschäden

Warum ältere Menschen als Risiko im Verkehr empfunden werden, erklärt sich Hillmann damit, dass viele Meinen sie würden langsamer fahren und aufgrund der oft unüberschaubaren Verhältnisse auf den Straßen etwas unsicher wirken. Dabei würden sie nicht zu langsam fahren, sondern sich an die Tempolimits halten.

Darüber hinaus weist Hillmann darauf hin, dass die hohe Anzahl an älteren Unfallverursachern daher rührt, dass es sich in vielen Fällen um Bagatellschäden handle. Dahingegen hätten Unfälle mit jungen Fahrer oft mit schwerwiegendere Folgen.

Soziale Kontrolle statt staatlicher Regelung

Statt einer gesetzlichen Regelung sei ein System der sozialen Kontrolle besser, so Hillmann weiter. "Wenn mir auffällt, dass jemand aus meiner Familie oder aus meinem Bekanntenkreis unsicher fährt und dadurch ein Risiko wird, spreche ich ihn darauf an. Dann kann man gemeinsam eine Lösung finden. Wenn sich jemand allerdings völlig beratungsresistent zeigt, ist es immer noch möglich, die Führerscheinstelle einzuschalten. Wir müssen nicht immer sofort nach dem Staat und nach weiteren gesetzlichen Regelungen suchen", erklärt der Anwalt seine Position im Streit über Fahrtests für Senioren.

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anb

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