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Experte erklärt: So reagieren Sie bei Aquaplaning richtig

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Von: Andre Borbe

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Regen in Niedersachsen
Bei Regen sollten Sie vorsichtig fahren und auf die Anzeichen für Aquaplaning achten. © picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte

Wenn es regnet, steigt das Unfallrisiko sprunghaft an. Die größte Gefahr: Reifen ohne Bodenhaftung. Viele Autofahrer reagieren dann falsch.

Viele Autofahrer fahren nicht gerne im Regen und das aus gutem Grund. Denn das Unfallrisiko steigt dann auf das Zwei- bis Vierfache. Dabei stellt vor allem das sogenannte Aquaplaning – Aufschwimmen – eine große Gefahr dar.

Wie erkenne ich mögliche Stellen, an denen Aquaplaning auftreten kann?

Beim Aquaplaning verlieren die Reifen die Bodenhaftung und das Auto kann nicht mehr richtig gesteuert werden. Eberhard Lang vom TÜV Süd erklärt, dass viele Autofahrer in so einer Situation falsch reagieren und gibt Tipps, wie Sie sich richtig verhalten.

"Spurrillen sind bei Regen besonders tückisch", so der Experte. Bei stärkeren Niederschlägen würden sie vom Wasserfilm überdeckt. Statt ein paar wenigen Millimetern könne die Tiefe in den ausgefahrenen Spuren dann plötzlich mehr als einen Zentimeter betragen.

Faustformel: Verschwindet die Spur eines Vorausfahrenden im Wasser sehr schnell ist Vorsicht geboten. Das deutet auf viel Wasser auf der Straße hin. Umgekehrt sind Schaumspuren die Zeichen eines gefährlichen Schmierfilms. Er tritt besonders nach langer Trockenheit oder zu Beginn des Regens auf.

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Aquaplaning: Achten Sie auf die richtige Profiltiefe Ihrer Reifen

In Spurrillen und bei starkem Regen steigt die Wassertiefe relativ schnell auf acht Millimeter an. Wenn Sie mit neuen Reifen und einer Profiltiefe von ebenfalls acht Millimeter unterwegs sind, beginnt das Aquaplaning bei rund 80 km/h.

Sind Ihre Reifen bereits auf drei Millimeter heruntergefahren, verlieren Sie schon bei 68 km/h die Bodenhaftung. Bei Reifen mit der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter wird es bereits ab 54 km/h gefährlich.

Aquaplaning tritt schnell auf und lässt wenig Zeit zum Reagieren

Mit zunehmender Geschwindigkeit und steigender Wasserhöhe schiebt sich nach und nach ein Wasserkeil unter die Reifenlauffläche, weil das Profil die enormen Wassermassen nicht mehr schnell genug aufnehmen und zu den Seiten und nach hinten abführen kann.

Bis zu 25 Liter Wasser pro Sekunde müssen die Reifen bei 80 km/h abgeleitet werden. In nur vier bis fünf Sekunden kommt da der Inhalt einer durchschnittlichen Badewanne zusammen. Schließlich – und schneller, als die meisten denken – reißt der sich rasch vermindernde Kontakt zur Straße völlig ab und es bleibt nur eine Schicht Wasser zwischen Reifen und der Fahrbahn bestehen. Das Fahrzeug schwimmt auf und gleitet wie ein Surfbrett auf dem Wasser.

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So erkennen Sie Aquaplaning beim Fahren

Die Warnsignale sind eindeutig. Heftiges Wasserrauschen von unten und eine zunehmend leichtgängigere Lenkung kündigen das drohende Aufschwimmen an. Schließlich reagiert die Lenkung überhaupt nicht mehr. Bei Fronttrieblern drehen die Antriebsräder blitzartig durch und der Motor heult auf. Das Fahrzeug ist außer Kontrolle geraten.

Oberstes Gebot bei Aquaplaninggefahr ist: Verringern Sie Ihr Tempo. Bei starkem Regen und Spurrillen sind oftmals schon 100 km/h deutlich zu schnell. Gleichzeitig sollten Sie den Sicherheitsabstand verdoppeln.

Erhöhte Aufmerksamkeit und besondere Vorausschau können bei Gefahren wertvolle Sekunden zur Verhinderung eines Unfalls schaffen. "Ein schlingernder Vordermann ist ein eindeutiges Zeichen für Aquaplaning", sagt Lang. Ähnliches gilt, wenn ein vorausfahrendes Auto große Wasserfontänen verursacht.

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So reagieren Sie richtig bei Aquaplaning

Schwimmt Ihr Auto auf, sollten Sie Ihre Geschwindigkeit weiter verringern. Bremsen Sie bei plötzlich auftauchenden Gefahren mit voller Kraft. Das ABS sorgt dabei für die optimal erzielbare Verzögerung.

"Die so genannte Stotterbremse ist dem weit unterlegen und nur bei Autos ohne Anti-Blockier-System sinnvoll", so der TÜV-Süd-Fachmann. Kraftvolle und hektische Lenkbewegungen sind Gift für die Stabilität und Beherrschbarkeit des Autos.

Reagiert es nicht auf kleine Lenkeinschläge, sollten Sie warten, bis die Reifen wieder greifen. Sehr gefährlich ist es, mit eingeschlagenen Rädern auf einem Wasserfilm zu gleiten. Das Auto bricht nämlich schlagartig aus, wenn wieder Bodenkontakt hergestellt ist.

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anb

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