VERKEHRSPROBLEMATIK

Heidelbergs einziges Problem ist der Verkehr auf den Straßen

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Wer in Heidelberg zu Besuch ist, sieht die Stadt mit anderen Augen. Besucher nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Taxi. Nur selten wissen sie um den Verkehrskollaps, der fast täglich in Heidelberg droht.

Der Verkehr ist das größte Problem der Heidelberger. So lautete das Fazit der Heidelberg-Studie – und zwar bereits seit dem Jahr 1994. Was so dramatisch ist, zeigt dieses Dossier.

Das bereitet die größten Probleme auf den Heidelberger Straßen 

30 Kilometer Fahrstrecke. Weit über eine Stunde Fahrtzeit. Dieses Problem ereilt all diejenigen, die morgens zur Arbeit fahren. Der Heidelberger Verkehrsinfarkt. Stau. Ein großer Arbeitgeber der Stadt fürchtet mittlerweile um die Geduld seiner Mitarbeiter, die mit derart schwierigen Bedingungen auf der Straße nicht nur morgens mehr Zeit einplanen müssen, um pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Auch wer nach der Arbeit einen Termin hat, muss rechtzeitig losfahren, um ja pünktlich zu kommen. Was sich die Mitarbeiter wünschen, die in Richtung Neuenheimer Feld mehr auf der Straße stehen als auf dieser Straße zu fahren, ist ein Park- and Ride-Platz, der ihnen den Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel versüßt bzw. überhaupt erst ermöglicht. Die neueste Idee: Die Radschnellverbindung soll Fahrradfahrer von Heidelberg nach Mannheim bringen. Ohne Stau. Neben den Berufspendlern verschlechtert im Übrigen auch der Lieferverkehr in den Morgenstunden zunehmend die angespannte Verkehrssituation in der Stadt. 

So ist es bei den Heidelbergern um ihre Mobilität bestellt 

Aus der Heidelberger-Studie aus dem Jahr 2014 geht zum Thema Verkehrsmittel folgendes Ergebnis hervor: 

  • Spitzenreiter unter den beliebtesten Verkehrsmitteln der Heidelberger ist das Fahrrad (34 Prozent). Auf Platz 2 liegen öffentliche Verkehrsmittel (30 Prozent) und erst auf dem dritten Rang liegt das eigene Fahrzeug (25 Prozent). 
  • Die meisten Fahrradfahrer (53 Prozent) leben in Heidelberg-Nord. Die wenigsten Fahrradfans (acht Prozent) kommen aus Heidelberg-Ost. Die größten Fans des öffentlichen Nahverkehrs leben in Heidelberg-Ost und Heidelberg-West (jeweils 40 Prozent). In Heidelberg-Mitte benutzen die Bürger am wenigsten das öffentliche Nahverkehrsnetz (22 Prozent). 
  • Diejenigen, die – neben den vielen Besuchern und Berufspendlern – die Staus auf den Straßen verursachen, wohnen hauptsächlich in Heidelberg-Ost (41 Prozent). Heidelberg-West folgt mit 32 Prozent und Heidelberg-Ost mit 31 Prozent. Am wenigsten auf das Auto setzen diejenigen in Heidelberg-Mitte (acht Prozent). 
  • Die Fußgänger sind hauptsächlich in Heidelberg-Mitte zuhause (20 Prozent). Weit abgeschlagen sind die Heidelberg aus Heidelberg-West und Heidelberg-Süd mit jeweils nur vier Prozent. 
  • Könnten die Heidelberger mitbestimmen, würden sie sich Verbesserungen für Radfahrer und im öffentlichen Nahverkehr wünschen. Die Fußgänger sind hingegen die zufriedensten mit ihrer Form der Fortbewegung. Und wenn die Heidelberger, die sonst per pedes unterwegs sind, schnell mal einen fahrbaren Untersitz benötigen, stehen ihnen in Heidelberg 49 Taxiunternehmen zur Verfügung.

Abbildung 2: Um die Heidelberger Altstadt zu erkunden, bietet es sich an, dies mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu tun. Längere Strecken lassen sich via Taxi zurücklegen. 

So sieht die Verkehrssituation in und um Heidelberg aus: Autobahnen und Bundesstraßen 

Möglichkeiten, um in Heidelberg von A nach B zu kommen, gibt es wahrlich viele. Wer Richtung Frankfurt am Main oder nach Karlsruhe fahren möchte, erreicht die Städte über die Autobahn A5, die im Westen Heidelbergs liegt. Über die Autobahn A656 geht es nach Mannheim. Ebendort gibt es einen weiteren Autobahnanschluss: an die Autobahn A6. Nicht minder gut ausgestattet ist die Stadt mit Bundesstraßen: Die Bundesstraße B3 kreuzt die Stadt von Nord nach Süd und bildet damit die Ausweichroute zur Autobahn A5, von Frankfurt am Main nach Karlsruhe. Das Ost-West-Pendant stellt die Bundesstraße B37 dar. Diese verbindet Mannheim und Eberbach. Auch diese beiden wichtigen Straßen haben eine Verbindung: am Bismarckplatz. Die dritte Bundesstraße, die B535, führt nach Schwetzingen. 

Fazit: Die Stadt Heidelberg ist infrastrukturell mit Autobahnen und Bundesstraßen zwar gut erschlossen. Nur führen eben diese in weiten Teilen durch die Stadt – und füllen die Straßen mit breiten Blechlawinen.

Abbildung 3: Blechlawinen schieben sich mal schneller und mal langsamer durch die Stadt. Vor allem Pendler leiden darunter. 

So sieht die Verkehrssituation in und um Heidelberg aus: der öffentliche Nahverkehr 

Dort, wo sich die Bundesstraße B3 und B37 treffen, also direkt am Bismarckplatz, ist auch der Haupt-Verkehrsknotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs. Die mitunter bekannteste Fußgängerzone in ganz Europa, die Hauptstraße Heidelbergs, kreuzt den Platz. Wer hier entlang flaniert, erreicht die Altstadt Heidelbergs. Wer nicht zu Fuß gehen möchte, kann die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs nutzen, denn das ist mindestens so gut ausgebaut wie die Straßeninfrastruktur der Stadt. Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH bedient hier Linien der Straßenbahn sowie Buslinien in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen. Sogar ein Nachtbusangebot, in Heidelberg heißt dieser Bus Moonliner, gibt es im Ort. Der Fahrpläne hält der Verkehrsverbund Rhein-Neckar vor. Seit dem Jahr 2003 hat Heidelberg einen S-Bahn-Anschluss und verbindet so gleich mehrere Bundesländer (Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen, Baden-Württemberg). 

Fazit: Die Stadt Heidelberg hat ein breites Angebot an öffentlichen Verkehrsmöglichkeiten geschaffen, dass es sogar vielen Pendlern einfach macht, auf das Auto zu verzichten. Dennoch bleibt unklar, ob das Verkehrsproblem damit aufgelöst werden kann, denn was bleibt ist der Wunsch nach einer Anbindung der eigenen Mobilität (des eigenen Autos) an die öffentlichen Verkehrsmittel.

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