Fahrbericht

Toyota Hilux - Testfahrt mit einem Unkaputtbaren

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Der Toyota Hilux macht nicht nur im Gelände richtig Spaß.

Einfache Technik, robust, praktisch – der Toyota Hilux ist mit rund 18 Millionen verkaufter Fahrzeuge nicht nur einer der erfolgreichsten Pick-ups seiner Klasse, sondern ein echtes Kultobjekt. Wir durften den Pritschenwagen aus Japan im Alltag testen.

Mit einem Pick-up durch die Großstadt. Wer in München auffallen will, der muss etwas anderes fahren als einen Porsche, Ferrari oder Lamborghini. Wie wäre es mit dem Toyota Hilux beispielsweise? Zwar nicht unbedingt parkplatztauglich mit seiner Länge von 5,33 Metern (mehr als die größte Mercedes S-Klasse) - dafür lässt sich der Kasten Augustiner aber lässig und ohne großes Aufheben hinten auf der Ladefläche transportieren.

Der unverwüstliche Toyota Hilux

Der Hilux tritt in einer Marktnische an, das als typisch amerikanisch gilt und in Deutschland nicht besonders ausgeprägt ist, aber konstant wächst. Heimischer Platzhirsch ist hier der VW Amarok. Ein Spätzünder in diesem Segment, er wird erst seit 2010 produziert. Noch später kam die X-Klasse von Mercedes. Der Lastesel mit Stern ist gerade mal seit zwei Jahren auf den Straßen. Ebenfalls aus Fernost stammt der Mitsubishi L200, der auch in dieser Fahrzeugklasse antritt. So auch wie der Nissan Navarra oder der Ford Ranger.

Aber nichts schlägt einen Hilux. Er gilt als unverwüstlich. Selbst die Mannen der TV-Kult-Serie Top Gear mussten das erkennen. Sie parkten den Hilux bei Ebbe am Strand und holten ihn am nächsten Tag nach der Flut wieder ab. Auto kaputt? Von wegen! Einmal reinigen - der Toyota funktionierte einwandfrei.

Unverwüstlich und zuverlässig, so lässt sich der Toyota wohl am besten beschreiben.

Seine sprichwörtliche Robustheit ist auch der Grund, warum der Hilux als sogenannter "Technical", also als Kampfwagen in Krisen- und Kriegsgebieten eingesetzt wird. Der amerikanische Sicherheitsexperte Andrew Exum hat den Hilux sogar einmal als "fahrendes Pendant zur Kalaschnikow" bezeichnet. Vom Sudan bis in den Irak sieht man den Pritschenwagen im Einsatz. Oft mit einem Maschinengewehr auf der Ladefläche.

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Ein echtes Urviech im Gelände: der Toyota Hilux

Allradantrieb, Differentialsperre, Bodenfreiheit von 220 Millimetern und eine Wat-Tiefe von 700 Millimetern – mit diesem Auto kommt man überall durch, sogar durch den Münchner Großstadtdschungel, bei dem dieses technische Equipment natürlich nicht benötigt wird. Es sei denn, man will im Kreisel gleich die Direttissima nehmen und geradeaus über den Hügel fahren. Was kein Problem ist, aber aus Gründen der Straßenverkehrsordnung nicht ratsam ist.

Dass der Hilux ein echtes Urviech im Gelände ist, konnten wir auf einem abgesperrten Terrain ausprobieren. Man fühlt sich in dem Pick-up so sicher wie in Abrahams Schoß. Auch wenn es steil bergab oder bergauf geht, oder wenn man durch Verschränkungen fährt, mit einem Reifen in der Luft. Nach 30 Minuten Gelände glauben wir auch die Geschichte, dass zwei Hilux tatsächlich den Nordpol erreicht haben.

Vom hohen Norden zum Kreuz des Südens. Wer mit dem Hilux in München unterwegs ist, dem sind auf der einen Seite erstaunte und bewundernde Blicke sicher. Manchmal schlägt einem auch Mitleid entgegen, wenn man zum x-ten Mal um den Block fährt, um einen Parkplatz zu ergattern. Aber für den Stadtverkehr ist der Hilux natürlich nicht gebaut.

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So fährt sich der Toyota Hilux

Und eigentlich auch nicht für die Autobahn. Allerdings fühlt er sich hier erstaunlich wohl. Der Dieselmotor (es gibt ihn in zwei Varianten mit 2,4 Liter oder 2,8 Liter und 150 respektive 177 PS) ist zum einen relativ leise und auch bei Tempo 170 läuft das Auto noch relativ ruhig. Klar, dass die Blattfedern hinten entsprechende Rückmeldung bei Querrillen machen und bei der Fahrt durch das hügelige Oberbayern merkt man, dass man hinten ganz schön was rumwuchten muss in den Kurven.

Trotzdem fährt sich der Hilux mehr wie ein Pkw als ein Lastwagen, der er eigentlich auch ist. 2,2 Tonnen wiegt der Japan-Pick-up, mehr als eine Tonne (1.035 kg) kann er insgesamt einladen, die Anhängelast beträgt 750 Kilogramm (ungebremst) und 3.200 Kilogramm (gebremst).

Über eine Tonne kann der Toyota Hilux transportieren.

Am besten bewegt man dieses Gefährt mit dem Handschalter. Hier kann man auch die Drehmoment-Power der beiden Diesel von 400/420 Nm am besten ausfahren. Der größere Diesel erreicht – sprinten kann man bei diesen Werten ja nicht sagen – Tempo 100 nach 11,2 Sekunden, der kleinere benötigt zwei Sekunden länger.

Dabei ist der Hilux kein Schluckspecht. Den vom Hersteller angepeilten kombinierten Durchschnittsverbrauch von sieben Litern haben wir gerissen. Acht Liter waren es dann schon. Aber bei einer Tankgröße von 80 Litern kommt man damit schon ziemlich weit.

Video: Einer der besten Pick-ups, der Toyota Hilux

Abgesehen von den reinen Beschleunigungswerten fühlt sich das Fahren jedoch immer dynamisch an. Man hat nie den Eindruck zu wenig Kraft zu haben. Vor allem, wenn man in den Power-Mode schaltet, der die Kennlinie des Gaspedals giftiger einstellt, so dass man schon beim leichten Druck aufs Pedal das Gefühlt hat: Hier geht was. Und zwar nicht nur a bisserl was.

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Viel Überblick und Luxus im Toyota Hilux

Dazu kommt der gute Überblick, den man in dem Hilux hat. Mindestens genauso gut wie in einem der vielen herkömmlichen SUV. Allerdings ist das Einsteigen schon deutlich sportlicher. Den Haltegriff links über dem Armaturenbrett zu benützen, ist nicht etwa unmännlich, sondern schon ziemlich praktisch.

Ansonsten fühlt man sich auch im Innenraum so wie in einem besseren Mittelklasse-Pkw. Natürlich je nach Ausstattungsvariante. Bei unserem Testwagen hieß es "Einmal mit allem". Also alles an Bord, was geht. Digitale Instrumente, Tablet ähnlicher Touchscreen in der Mitte. Zwar wurde viel Plastik verbaut aber Klavierlack-Applikationen verleihen dem Japan-Laster edle Limousinen-Züge.

Genug Platz bietet der Toyota Hilux auch im Innenraum.

So fein wird das Basismodell freilich nicht sein. Dafür ist der Hilux mit Einzelkabine, also mit zwei Sitzplätzen und in der günstigsten Ausstattungsvariante Duty, schon ab 26.156,20 Euro zu haben. Am anderen Ende kann man für 46.058,95 Euro das Modell mit Doppelkabine und Executive-Ausstattung wählen, dann gibt es schon serienmäßig Leichtmetallfelgen, Highway-Terrain-Reifen und LED-Scheinwerfer dazu.

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Unser Fazit zum Toyota Hilux

Wenn man den Hilux als Handwerker jetzt nicht beruflich braucht, ergibt der Pick-up natürlich nur Sinn für echte Freizeit-Freaks. Für Radfahrer ist er ungemein praktisch, aber auch Surfbretter, Schlauchboote und SUPs kann man gut transportieren mit der Pritsche. Dann ist der Hilux ein echtes Highlight. Und wer gerne ins Gelände fährt, für den gibt es nichts Besseres als einen Hilux. Ein Pick-up, der Spaß macht. Ganz ohne Maschinengewehr auf der Pritsche.

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Rudolf Bögel

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