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Verkehrssicherheit: Langsam fahren rettet Leben

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Vorsicht. Rücksicht. Umsicht. So einfach kann Verkehrssicherheit definiert werden. Lesen Sie, wie Baden-Württemberg mit Humor an die Vernunft der Autofahrer appelliert.

Jedem Autofahrer ist klar, dass bei einer überhöhten Geschwindigkeit das Unfallrisiko steigt. Doch nicht immer drosseln Fahrzeugführer ihr Auto auf ein situationsangepasstes Tempo. Die Fakten sprechen für sich: Hauptunfallursache von tödlichen Verkehrsunfällen in Baden-Württemberg ist zu schnelles Fahren. Es ist zu 60 Prozent Ursache für tödliche Verkehrsunfälle auf Landstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften. Mit einer beispiellosen Schilder-Aktion appelliert Minister Hermann seit August 2020 mit einem Augenzwinkern an die Vernunft der Autofahrer.

Charmante Aufforderung statt erhobener Zeigefinger

Vorsicht. Rücksicht. Umsicht. So lautet der Claim der Verkehrssicherheitskampagne, die nicht mit erhobenem Zeigefinger arbeitet, sondern den Humor der Autofahrer anspricht. Die Schilder fordern in Symbolen zum Beispiel Wolken auf, das Regnen einzustellen. Darunter steht: „Wolken machen was sie wollen. Bei Nässe Geschwindigkeit reduzieren!“ Und so sehen die Schilder aus, die überall auf Baden-Württembergs Landstraßen zu sehen sind:

Foto Schild Wildwechse
Foto Schild Wildwechsel.jpeg © Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Rainer Haas
Foto Schild Sonnenschein
Foto Schild Sonnenschein.jpeg © Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Rainer Haas
Foto Schild Regnen verboten
Foto Schild Regnen verboten.jpeg © Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Rainer Haas

Zahlen. Fakten. Daten. – Hintergrund der landesweiten Kampagne

Die Verkehrssicherheitskampagne Vorsicht. Rücksicht. Umsicht. hat zwar ein humorvolle Seite, doch sie hat einen sehr ernsten Kern. Im Jahr 2019 gab es in Baden-Württemberg insgesamt 36.313 Unfälle mit Personenschäden. 11.048 von ihnen ereigneten sich auf Landstraßen. Das ist rund ein Drittel und stellt damit die größte Gruppe dar. Von den insgesamt 437 Getöteten bei Verkehrsunfällen in Baden-Württemberg starben 281 bei Unfällen auf Landstraßen. Das ist ein überproportional hoher Anteil von 64 %.

Verkehrssicherheitsexperten wissen, dass eine angepasste Geschwindigkeit buchstäblich Leben rettet. Wie eingangs bereits beschrieben, ist ein zu hohes Tempo die Hauptursache tödlich verlaufender Verkehrsunfälle. Zur Begriffserläuterung sei gesagt, dass mit überhöhter Geschwindigkeit gemeint ist, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten wird. Eine nicht angepasste Geschwindigkeit kann auch unterhalb der zulässigen Höchstgeschwindigkeit liegen. Sie richtet sich nach den situationsbedingten Verhältnissen. So kann bei starker Sonneneinstrahlung und blendenden nassen Straßen eine situationsangepasstes Geschwindigkeit durchaus bei 50 km/h auf einer Landstraße liegen, die eigentlich 100 km/h erlaubt. Auch wenn Gefahr von Wildwechsel besteht oder die Sichtverhältnisse aufgrund starken Regens, Schneefalls oder Nebels schlecht sind, ist eine verminderte Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen angebracht.

Tipps für mehr Sicherheit im Straßenverkehr

Das Verkehrsministerium empfiehlt im Rahmen der Kampagne sicherheitsbewusstes Fahrverhalten. Dazu gehören zum Beispiel diese Verhaltensweisen:

Abstand halten

Ein halber Tacho Abstand als Minimum senkt das Unfallrisiko. Das bedeutet, dass zum Beispiel bei einer Fahrgeschwindigkeit von 80 km/h ein Mindestabstand von 40 m eingehalten werden soll.

Überholen nur bei klarer Sicht

Auf unübersichtliche Straßen mit Kurven und stark bewaldetem Umfeld sollten keine riskanten Überholmanöver unternommen werden. Lieber heißt es abzuwarten, bis gefahrloses Überholen bei klarer Verkehrslage möglich ist.

Zusätzlich verweist das Verkehrsministerium darauf , dass Fahrzeugführer stets vorausschauend fahren sollte.

Vorausschauendes Fahren

Vorausschauende fahren ist ein feststehender Begriff und viele Autofahrer verstehen darunter, dass sie ihr direktes Umfeld genau im Auge behalten. Doch das ist wesentlich zu kurz gedacht. Was steckt eigentlich genau hinter dem Begriff „vorausschauende Fahren“?

Gefahrensituationen aktiv aus dem Weg gehen

Grundsätzlich bedeutet vorausschauende Fahren, dass Autofahrer stets ihr genaues Umfeld beobachten und Gefahren frühzeitig erkennen. Auf Basis ihrer Beobachtung passen sie ihre Fahrweise an und können rechtzeitig und angemessen reagieren. Wer vorausschauend fährt, dem unterlaufen keine abrupten Fahrmanöver, die für andere Verkehrsteilnehmer zur Gefahr werden können. Vorausschauend zu fahren bedeutet auch, Fehler anderer Verkehrsteilnehmer vorauszuahnen und bewusst zu agieren, statt Sekunden später nur noch darauf zu reagieren. Das bedeutet also, dass man gedanklich stets mit den Fehlern anderer rechnet und reflektiert, welche falschen Reaktionen folgen könnten. Um das zu realisieren müssen Autofahrer nicht nur die unmittelbare Umgebung im Blick behalten, sondern weit vorausschauend in den Verkehr hineinorientiert sein. In der Praxis bedeutet das, den Blick vom direkt vorausfahrenden Auto zu den weiter vorausfahrenden Fahrzeugen pendeln zu lassen und gelegentlich in den Rückspiegel, sowie links und rechts aus dem Fenster zu blicken.

Schulterblick + Spiegelblick = Durchblick

Um den Überblick zu behalten ist es zwingend erforderlich, regelmäßig in den Rück- und in die Seitenspiegel zu schauen. Während des fließenden Verkehrs gehört das wohl zum selbstverständlichen Verhalten eines Autofahrers. Eine noch wichtigere Rolle spielen Schulterblick und Spiegelblick allerdings beim Spurwechsel, sei es beim Überholen oder beim Wechsel zum Abbiegen. Es scheint so, dass je routinierter ein Autofahrer wird, desto oberflächlicher wird der Schulterblick ausgeführt. Dabei denken viele routinierte Fahrer, dass der asphärisch geteilte Seitenspiegel auf der Fahrerseite ihnen den vollen Überblick verschaffen würde. Doch dem ist nicht so. Um sicher zu sein, ist der Schulterblick die einzige Möglichkeit, um zu überprüfen, dass hinten tatsächlich kein Fahrzeug im toten Winkel ist oder kein anderes rasend schnelles Auto weiter hinten im Verkehrsfluss bereits zum Überholvorgang angesetzt hat. Im innerstädtischen Verkehr ist der Schulterblick unverzichtbar. Dort werden immer wieder Radfahrer mit ihren sehr schmalen Silhouetten übersehen.

Verhalten im Stadtverkehr

In der Stadt sind Straßenbahnen, Radfahrer, Fußgänger, Busse, Motorräder und viele Autos unterwegs. Zwar sollen weniger Parkplätze zumindest in manchen Straßen für mehr Verkehrssicherheit sorgen, doch generell ist der Straßenverkehr in der Stadt unübersichtlicher als außerhalt. Wer nur selten in Großstädten fährt, ist kann von der Verkehrssituation schnell überfordert sein. Häufig passieren Unfälle, weil Autofahrer einen zu geringen seitlichen Abstand halten. Beim Überholen beispielsweise von Fußgängern und Zweirädern muss ein Abstand von 1,50 m eingehalten werden. Der Abstand dient zur Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer, die andernfalls erhebliche Verletzungen davontragen könnten. Beim Überholen von Bussen und Straßenbahnen muss der Abstand 2 m betragen, um plötzlich auftauchende Fahrgäste nicht zu gefährden.

Vorsicht bei Kindern und Senioren

Bei besonders jungen oder bei älteren Menschen ist besondere Aufmerksamkeit notwendig. Kinder sind nicht in der Lage Geschwindigkeiten und Abstände einzuschätzen. Sie sind grundsätzlich weniger aufmerksam und routiniert im Straßenverkehr. Hinzu kommt, dass sie Kinder aufgrund ihrer geringen Körpergröße im Straßenverkehr häufig übersehen werden. Außerdem neigen Kinder zu spontaner Reaktion. Für Autofahrer heißt das, stets einen Fuß gefühlt auf der Bremse zu haben, sobald Kinder in der Nähe sind, damit es nicht mehr zu solch tragischen Unfällen wie in der Theaterstraße (wir berichteten) kommt. Schließlich ist damit zu rechnen, dass ein Kind urplötzlich und auf der Fahrspur auftaucht. Selbst, wenn innerorts ein Tempolimit von 50 km/h vorgegeben ist, sollte in Wohngegenden und bei Schulen und Kindergärten aus Vorsichtsgründen langsamer gefahren werden.

Bei älteren Verkehrsteilnehmern ist damit zu rechnen, dass sie Fahrzeuge zu spät wahrnehmen, weil ihr Seh- oder Hörvermögen eingeschränkt ist. Sie können eine Verkehrssituation mitunter nicht mehr richtig beurteilen und betreten eine Fahrbahn, ohne die Gefahr wahrzunehmen. Und zuletzt gilt es zu beachten, dass innerstädtisch verschiedene Fahrbahnbeläge vorkommen. Straßenbahnschienen und Kopfsteinpflaster sind insbesondere bei Regen sehr glitschig und verlängern den Bremsweg.

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