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Arzt aus Ulm erhält Morddrohungen, weil er Jugendliche gegen Corona impft

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Von: Franziska Vystrcil

Christian Kröner, Allgemeinmediziner aus Neu-Ulm.
Christian Kröner, Allgemeinmediziner aus Neu-Ulm, bekommt gerade den Hass der Impfgegner zu spüren. © Fotomontage: picture alliance/dpa | David Young , Stefan Puchner

Beleidigungen, Hetze und Morddrohungen: Ein Hausarzt aus Neu-Ulm wird regelrecht mit Hass überschüttet, weil er Kinder und Jugendliche ab zwölf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg impft.

Stuttgart/Neu-Ulm - Zwar sinken die Infektionszahlen des Coronavirus in Baden-Württemberg* und auch deutschlandweit, für Diskussionsstoff sorgt Covid-19 aber noch immer (BW24* berichtete). Christian Kröner, Allgemeinmediziner aus Neu-Ulm, bekommt gerade den Hass der Impfgegner zu spüren. „Können Sie noch in den Spiegel schauen?“, ist einer der harmloseren Kommentare auf der Facebook-Seite seiner Praxis. Warum er so angefeindet wird? Weil er Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg impft.

Vor allem Impfgegnern geht Christian Kröners Vorgehen gründlich gegen den Strich. Auf Facebook wirbt der Hausarzt für eine Corona-Schutzimpfung, zeigt dort unter anderem in einem Video, wie er selbst das Biontech-Vakzin verabreicht bekommt. Dass er auf Social Media allerdings auch über Impfungen von Kindern und Jugendlichen berichtet und diese empfiehlt, kommt nicht bei allen gut an.

Viele machen ihrer Skepsis und ihrem Ärger in den Kommentaren Luft, werfen dem Mediziner Geldgier und Gewissenslosigkeit vor. „Auf so einen Beitrag kann man nicht stolz sein, es zeigt eher Verantwortungslosigkeit den Kindern gegenüber“, schreibt ein User. „Ich hoffe Sie werden auf der Anklagebank landen und zur Verantwortung gezogen“, schreibt ein anderer. Doch bei solch harmlosen Kommentaren ist es nicht geblieben. Inzwischen sieht sich Christian Kröner sogar mit Morddrohungen konfrontiert.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Generell dürfen Kinder ab zwölf Jahren geimpft werden

Dabei handelt der Arzt absolut nicht rechtswidrig: Grundsätzlich können sich hierzulande auch Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren impfen lassen, wenn sie möchten. Wie auch Erwachsene müssen Minderjährige zuvor mit einem Arzt über die Vor- und Nachteile der Corona-Impfung sprechen. Während der Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland vor dem Aus* steht, ist der Biontech-Impfstoff bereits für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat allerdings bisher keine generelle Impfempfehlung vor Kinder und Jugendliche herausgegeben, da diese Altersgruppe ihrer Meinung nach ein geringeres Risiko hat, einen schweren Erkrankungsverlauf zu haben. Nur für diejenigen zwischen zwölf und 17 Jahren, die unter Vorerkrankungen wie Adipositas, Diabetes oder chronischen Lungenerkrankungen leiden, rät die Stiko zu einer Covid19-Impfung. Ob es bald ein Impfangebot für alle Kinder geben soll, will die Stiko zeitnah prüfen.

Dennoch stehen Corona-Impfungen für Minderjährige schon länger in der Diskussion. Thomas Mertens, Chef der Impfkommission, sah Impfungen für Kinder kritisch.* Für den Christian Kröner hingegen ist die Impfung von Kindern und Jugendlichen ein Weg aus der langen Pandemie. Er beruft sich auf Studien aus den USA, in denen die positiven Effekte einer Corona-Impfung bei Kindern die eventuellen Nachteile überwiegen würden. In den USA werden Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren bereits seit dem 10. Mai 2021 gegen Corona geimpft. Auch das Land Baden-Württemberg will Jugendliche so schnell wie möglich impfen* und ist seit Mitte Mai bemüht, das Impfangebot weiter auszubauen.

Impfungen gegen Coronavirus in Baden-Württemberg: Arzt steht unter Polizeischutz

Klein beigeben will der Allgemeinmediziner trotz all der Drohungen nicht. „Ich sehe nicht ein, den Kopf einzuziehen. Das ist ja genau das, was die wollen“, sagte er dem SWR. Die Kriminalpolizei ermittelt aktuell in zahlreichen Fällen wegen Morddrohungen und Beleidigung, wie ein Polizeisprecher dem SWR verriet. Christian Kröner hat selbst 25 Strafanzeigen gestellt, steht nun zeitweise unter Polizeischutz.

Doch auch wenn die Hasskommentare auf den ersten Blick scheinbar überwiegen - Christian Kröner erhält für seine Arbeit auch viel Zuspruch, wird von vielen auf Facebook verteidigt. „Vielen Dank für Ihren Einsatz! Ich hoffe sehr, einen Arzt zu finden, der meine 12- und 15- jährigen Töchter impfen will!“, schreibt eine Userin in einem Kommentar. „Solidarität mit Dr. Kröner! Wir brauchen viele solche Ärzte, die sich aktiv für die Eindämmung dieser Pandemie stark machen!“, schreibt eine andere. Sätze, die den Arzt in seinem Tun weiter bestärken. „Noch sind wir ein freies Land und ich werde mir meine Berufsausübung nicht beschränken lassen und weiter meinen Job machen“, sagt Christian Kröner selbstbewusst im Interview mit SAT.1.
*BW24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

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