Schon 18 Infizierte im Südwesten

Corona in Baden-Württemberg: Wie gefährlich ist die indische Virus-Variante wirklich?

Baden-Württemberg - Die Sorge vor der indischen Corona-Variante B.1.617 wächst auch bei uns: Ist die Mutante ansteckender? Tödlicher? Wirken die Impfstoffe? Die Antworten:

Wie das Landesgesundheitsamt (RKI) in Stuttgart am Mittwoch (5. Mai) mitteilt, sind dem LGA seit Ende Dezember 2020 bereits 103.277 Fälle mit Hinweisen auf das Vorliegen von besorgniserregenden Varianten („Variant of Concern“ - VOC) aus den 44 Stadt-und Landkreisen in Baden-Württemberg übermittelt worden. Bei 99.020 dieser Fällen liegen Informationen zum Variantentyp vor: 97.870 mal B.1.1.7 (britische Variante), 1.084 mal B.1.351 (südafrikanische Variante) und 66 Fälle mit Verdacht auf B.1.1.28 P1 (brasilianische Variante).

Doch neben diesen besorgniserregenden Mutanten haben sich inzwischen bereits 18 Fälle der indischen Variante (B.1.617) ins Land geschlichen. Die ersten beiden Fälle waren Ende April zwei Reiserückkehrer aus Indien. Seitdem hat sich die Zahl auf 18 vervielfacht!

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
Fläche35.751,46 km²
Einwohnerzahl11.100.394 (Stand: 31. Dezember 2019)
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Grüne)

Und da diese sogenannte „Doppelmutante“ des Coronavirus aktuell im nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt furchtbar wütet, wächst auch bei uns die Angst vor einer weiteren Ausbreitung. Bis zu 400.000 Neuinfektionen pro Tag bringen das indische Gesundheitssystem zum kollabieren. Sauerstoff zur überlebenswichtigen Beatmung der Patienten ist Mangelware und wird bereits auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Da es nicht ausreichend viele Betten in den Krankenhäusern gibt, liegen Patienten auf dem Boden in den Fluren. Weit über 3.000 Tote sind täglich zu beklagen – Tendenz steigend!

Indische Variante in Baden-Württemberg: Warum wird B.1.617 als „Doppelmutante“ bezeichnet?

Weil diese neue, erstmals auf dem indischen Subkontinent festgestellte Variante nicht nur eine, sondern zwei Veränderungen an einem Oberflächenprotein hat, wird B.1.617 als „Doppelmutante“ bezeichnet. Beide Mutationen kennen Wissenschaftler bereits von älteren Varianten. Hier treten sie gleichzeitig im ‚Duett‘ auf – nicht jedoch als Kreuzung zweier verschiedener Mutanten, wie Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité, in seinem NDR-Podcast klarstellt. Fachlich gesagt hätten sich die Positionen 484 und 452 an den Rezeptor-Bindungsstellen verändert. Ein Phänomen, wie es beispielsweise von der in Kalifornien kursierenden Variante bekannt sei.

Laut bisherigen Erkenntnissen des renommierten Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin werden diese Veränderungen mit einer „reduzierten Neutralisierbarkeit durch Antikörper oder T-Zellen“ in Verbindung gebracht. Deren Umfang sei nicht eindeutig geklärt. Bedenklich: Dies könnte heißen, dass sowohl Geimpfte als auch Genesene möglicherweise weniger gut vor einer Ansteckung mit der indischen Variante geschützt sind.

Indische Variante in Baden-Württemberg: Welche Corona-Mutationen gelten als „besorgniserregend“?

Während britische, brasilianische und südafrikanische Variante von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „besorgniserregend“ („Variant of Concern“) klassifiziert werden, steht die indische Mutation bislang lediglich unter Beobachtung und ist demnach eine „Variant of Interest“ (VOI).

Ähnlich schätzt das RKI die Lage ein, da für eine solche Kategorisierung „die entsprechende Evidenz“ aktuell nicht gegeben sei. Doch was bedeutet „besorgniserregend“ überhaupt? Wenn erwiesen ist, dass sich eine Mutante leichter ausbreitet und schwerere Krankheitsverläufe auslöst, wird sie von Experten als „besorgniserregend“ eingestuft.

Indische Variante in Baden-Württemberg: Schützen bisherige Impfstoffe gegen die Mutante?

Der Fakt, das die Veränderungen der indischen Mutation der Forschung bereits von anderen Varianten bekannt, lässt Experten vermuten, dass zum Beispiel das Vakzin von BioNTech/Pfizer dagegen schützt. Denn dagegen wirke der Impfstoff ja schließlich auch. Entsprechende Test seien zwar noch nicht abgeschlossen, er sei jedoch zuversichtlich, dass „Comirnaty“ auch gegen B.1.617 wirkt, so der Mainzer BioNTech-Chef Ugur Sahin gegenüber dem Deutschlandfunk.

BioNTech-Gründer und Vorstandsvorsitzender Ugur Sahin.

Die gute Nachricht: Man habe die Wirkung bereits bei über Varianten getestet – und bei fast allen wirke das Vakzin ebenso gut wie bei der Ursprungsform. Bei den wenigen anderen sei die Impfantwort laut Sahin noch immer ausreichend, wenn auch schwächer. Laut Christian Drosten würde wahrscheinlich ein kleines „Update“ genügen, um aktuelle Impfstoffe auch gegen „die meisten Immunescape-Mutanten“ aufzurüsten.

Mit Abstand am weitesten verbreitet in Deutschland und auch Baden-Württemberg ist jedoch die britische Variante B.1.1.7., zu der das renommierte Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin zunächst mal Entwarnung gibt: „Alle Impfstoffe, die aktuell in Deutschland zur Verfügung stehen, schützen nach derzeitigen Erkenntnissen sehr gut vor einer Erkrankung durch B.1.1.7 und sie schützen auch vor schweren Erkrankungen durch die anderen Varianten.“ (pek)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Christian Ohde

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