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Baden-Württemberg: Freispruch! Mord auf „Viking Sally“ bleibt nach 34 Jahren ungeklärt

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Von: Katja Becher

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Prozess nach tödlichem Angriff auf Deutsche auf Fähre in Finnland
Der Angeklagte (2.v.r) bei dem Prozess um den brutalen Angriffs auf der Ostsee-Fähre „Viking Sally“. © Roni Lehti/dpa

Ein 34 Jahre alter Mordfall auf einer Ostsee-Fähre bleibt ungeklärt – der Angeklagte wurde freigesprochen. Doch wer hat ein Paar aus Baden-Württemberg im Jahr 1987 brutal angegriffen?

Helsinki/Stuttgart - Herber Rückschlag für die Polizei in einem 34 Jahre alten Mordfall auf einer finnischen Ostsee-Fähre. Die Ermittler glaubten, nach all der Zeit endlich den brutalen Angriff auf ein Studenten-Paar aus Baden-Württemberg aufgeklärt zu haben. Doch dem Gericht reichten die Beweise nicht – und der Angeklagte wurde freigesprochen. HEIDELBERG24* blickt auf den schrecklichen Fall zurück, der auch nach Jahren ungeklärt bleibt.

Mordfall auf finnischer Ostsee-Fähre: Paar aus Baden-Württemberg im Schlaf attackiert

Zwei Studenten aus Baden-Württemberg waren im Juli 1987 auf der Ostsee-Fähre „Viking Sally“ unterwegs von der schwedischen Hauptstadt Stockholm nach Turku in Finnland. Das Paar schlief an Deck des Schiffs unter freiem Himmel, als sie in der Nacht brutal angegriffen wurden. Nach Angaben der Polizei benutzte der Täter dafür einen Schlackenhammer, der zur Ausrüstung des Schiffs gehörte. Die Waffe wurde jedoch nie gefunden – Ermittler gehen davon aus, dass der Täter sie über Bord ins Meer warf.

Erst am Morgen nach dem brutalen Agriff fanden Pfadfinder die beiden Opfer blutüberströmt in ihren Schlafsäcken. Der damals 20-jährige Mann aus Stuttgart starb, seine 22 Jahre alte Freundin aus Esslingen überlebte schwer verletzt, konnte sich jedoch nicht mehr an den Angriff erinnern.

34 Jahre alter Fall bleibt ungeklärt: Mord-Angeklagter freigesprochen

Der Däne, der für den Mord auf der Ostsee-Fähre vor Gericht stand, wurde von den Ermittlern zunächst als Zeuge vernommen. Verdächtigt wurde der damals 18-Jährige, der in den Zeitungen Interviews zu dem Fall gab, zunächst nicht. Es folgten erfolglose Ermittlungen in den 80er und 90er Jahren – bis der Fall schließlich zu den Akten gelegt wurde.

Erst 2016 erhielt die Polizei den vermeintlich entscheidenden Tipp: Der Däne habe in einer SMS an seine Frau angedeutet, die Tat begangen zu haben, berichtet der finnische Rundfunk Yle. Bei einer Vernehmung im selben Jahr soll der Mann, der zu diesem Zeitpunkt im Gefängnis saß, ebenfalls angedeutet haben, hinter dem brutalen Angriff zu stecken. Das Gericht in Turku, vor dem der Mordverdächtige nun freigesprochen wurde, wollte allerdings die Vorermittlungsberichte nicht als Beweismittel anerkennen. Der Mann war in dem Verhör nicht über seine Rechte aufgeklärt worden und hatte auch keinen rechtlichen Beistand.

Mordfall auf finnischer Fähre: Schiff erlangte als „Estonia“ schreckliche Bekanntheit

Im Urteil vom Dienstag heißt es: „Es ist nicht nachgewiesen, dass der Angeklagte die einzige Person war, die Gelegenheit und Möglichkeit hatte, die fraglichen Straftaten zu begehen.“ Er habe sich nicht des Verbrechens schuldig bekannt und seine Schuld sei auch nicht durch Geständnisse belegt. Der Angeklagte selbst hatte in dem Verfahren immer seine Unschuld beteuert.

Wrackteile der Ostsee-Fähre „Estonia“, früher „Viking Sally“, vor der finnischen Insel Uto (Archivfoto)
Wrackteile der Ostsee-Fähre „Estonia“, früher „Viking Sally“, vor der finnischen Insel Uto (Archivfoto) © Jakko Avikainen

Die „Viking Sally“, auf dem der Mord im Jahr 1987 geschah, erlangte später unter einem anderem Namen traurige Bekanntheit: als „Estonia“ – also jener Fähre, die 1994 auf dem Weg zwischen Tallinn und Stockholm plötzlich unterging. Die Katastrophe mit 852 Toten gilt bis heute als schwerstes Unglück der europäischen Nachkriegsgeschichte (kab mit dpa) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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