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Baden-Württemberg: Experte appelliert – Schulkinder vor „Durchseuchung“ schützen

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Von: Josefine Lenz

In wenigen Tagen beginnt in Baden-Württemberg die Schule. Es gelten neue Regeln für Kinder – von denen allerdings Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wenig hält:

Am 13. September beginnt in Baden-Württemberg das neue Schuljahr und für über 1,5 Kinder und Jugendliche geht es dann wieder in die Klassenräume. Nach monatelangen Home-Schooling sollen nun künftig alle Schüler wieder frontal unterrichtet werden. Die Landesregierung passt dafür auch die Corona-Regeln an.

Nun kritisiert aber SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Regelung in Schulen und warnt vor einer Corona-Durchseuchung der Kinder. Man habe sich zu wenig vorbereitet und mache bei Kindern „viel zu wenig.“ Dies könne nicht nur zu einem beschleunigten Infektionsgeschehen führen, sondern auch dramatische Folgen für die Jüngsten im Land mit sich bringen.

BundeslandBaden-Württemberg
Einwohner11,07 Millionen
HauptstadtStuttgart

Karl Lauterbach gibt aber Lösungsvorschläge, die sich jedoch nicht mit ganz dem Plan der Landesregierung decken. Allerdings gibt der Gesundheitsexperte klar zu verstehen: Nicht nur die Schüler, sondern (vor allem) die Ungeimpften werden das Infektionsgeschehen beeinflussen. Auch er fordert deshalb eine 2G-Regelung, über die gerade in Baden-Württemberg abgestimmt wird.

Baden-Württemberg: Neue Corona-Regeln für Schulen und Kitas

In Baden-Württemberg gilt nach den Schulferien eine neue Regelung was das Thema Quarantäne betrifft. Schüler müssen sich künftig nicht mehr isolieren, wenn sich ein Mitschüler mit Covid-19 infiziert. Statt Quarantäne müssen sich alle Schüler einer Klasse fünf Tage lang mindestens mit einem Schnelltest täglich testen. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wann diese Regelung nicht greift. Gleiches gilt übrigens auch für Kitas.

Auch spielt die Inzidenz in Baden-Württemberg keine Rolle mehr. „Somit gibt es nun keine Regel mehr, die Wechsel- oder Fernunterricht ab dem Überschreiten eines bestimmten Inzidenzwertes vorschreibt“, heißt es in der Corona-Verordnung. Was bestehen bleibt sind die Maskenpflicht sowie die Lüftregel alle 20 Minuten.

Schule in Baden-Württemberg: Karl Lauterbach warnt vor Durchseuchung der Schüler

In Baden-Württemberg liegt die Inzidenz aktuell bei 77,9 (Stand: 30. August). Man rechnet damit, dass der Wert in den kalten Monaten wieder nach oben steigen wird. Durch den baldigen Schulstart kann die Zahl allerdings geradezu in die Höhe schießen, wie bereits Nordrhein-Westfalen beweist. Die Inzidenz liegt bei den fünf bis 14-Jährigen bei über 320 – und das nach knapp zwei Wochen nach Schulbeginn! 30.000 Schulkinder sind bereits wieder in Quarantäne. Karl Lauterbach schlägt deshalb Alarm und warnt vor einer falschen Schulstrategie!

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk (Dlf) erklärt der 58-Jährige, dass die steigende Inzidenz ein „großes Problem“ darstelle. „Wir sind erneut relativ schlecht vorbereitet in die Schule gegangen und da muss dringend nachgearbeitet werden. Sonst bekommen wir das nicht in den Griff“, sagt der Experte.

Doch es ist nicht primär die Zahl der Quarantäne-Kinder, die Karl Lauterbach Sorgen bereitet. Ihm bereiten die erkrankten Kinder viel eher Bauchschmerzen. Zwar verlaufe in der Regel die Krankheit bei den Jüngsten harmlos. Aber: „Man muss davon ausgehen, dass bei bis zu fünf Prozent der Kinder sich Long-Covid-Symptome ergeben. Und wenn man ganz ehrlich ist: Niemand von uns weiß genau, was die langfristigen Schäden von Covid bei Kindern sind. Das ist ja eine Erkrankung, die dann das Kind im Wachstum trifft, und es gibt Viruserkrankungen, die erst nach Jahren noch mal, wenn man so will, eine zweite Krankheitswelle zeigen. Das könnte auch bei SARS-CoV der Fall sein. Das kann niemand ausschließen“, so Lauterbach zum Dlf.

Schule in Baden-Württemberg: Karl Lauterbach fordert Kurzquarantäne für Schüler

Der Gesundheitsexperte mahnt vor einer Durchseuchung der Kinder in den Schulen. Man müsse vorher Maßnahmen ergreifen, dass dies nicht passiere. Dies gehe zum einen über die Impfung und zum anderen über weitere Corona-Maßnahmen.

So kritisiert Lauterbach die nichtvorhandene Quarantäne-Regel. Statt Kinder zu testen, sollte man lieber eine gesamte Klasse für fünf Tage in Kurzquarantäne stecken und anschließend auf Corona testen. Damit könne man einen Infektionsherd unterbrechen. „Wenn wir so weitermachen wie jetzt, kommen wir ja nicht zur Wirkung. Wir kriegen die Inzidenzen ja nicht runter. Das würde dann dazu führen, dass über die nächsten Monate hinweg alle Kinder, die nicht geimpft sind, sukzessive sich infizieren, und wir hätten dann die Durchseuchung. Das muss man sich genau überlegen, ob man das will. Die Durchseuchung ganzer Klassenverbände führt auch zur Quarantäne, nämlich dann, wenn die Kinder krank sind, und ist darüber hinaus riskant, weil die Kinder mehr oder weniger alle erkranken – die Kinder, die nicht geimpft werden können“, erklärt er weiter. Am Ende müsste man sogar möglicherweise wieder über Schulschließungen nachdenken, weshalb für Lauterbach eine Kurzquarantäne die bessere Wahl sei.

Von einer Abschaffung der Maskenpflicht hält Karl Lauterbach im Übrigen überhaupt nichts. Der Mundschutz sowie das Lüften seien weiterhin effektive Maßnahmen gegen das Coronavirus und müssen auch beibehalten werden. Der 58-Jährige hält außerdem die 2G-Regelung für sinnvoll, in Bus und Bahn sollte wiederum die 3G-Regel verpflichtend sein. (jol)

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