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„Reichsbürger“ in Boxberg: Generalbundesanwaltschaft ermittelt nach SEK-Einsatz

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Von: Peter Kiefer

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Baden-Württemberg - Ein Polizeieinsatz gegen die Reichsbürger-Szene ist am Mittwoch eskaliert: Ermittler haben nun Hintergründe zum SEK-Einsatz in Boxberg-Bobstadt veröffentlicht.

Update vom 23. April: Im Falle des mutmaßlichen Reichsbürgers, der am Mittwoch in eine Schießerei mit der Polizei verwickelt war, wird jetzt die Generalbundesanwaltschaft tätig. Die Behörde, die zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe gehört, beschäftigt sich mit den Themen Terrorismus, Spionage, Revision und Völkerstrafrecht. Wie eine Sprecherin der Generalbundesanwaltschaft der dpa erklärt, ermittelt die Behörde wegen der „besonderen Bedeutung der Sache“.

Da die Ermittlungen gegen den Mann aus Boxbach andauern, könne sie aber keine Details nennen. Der mutmaßliche Reichsbürger ist schon vor dem SEK-Einsatz ins Visier des Landesamts für Verfassungsschutz geraten. Aktuell sitzt der 54-Jährige in U-Haft. Ihm werden versuchter Mord, Körperverletzung und unerlaubter Besitz einer Kriegswaffe vorgeworfen.

„Reichsbürger“ aus Boxberg: SEK findet Nazi-Utensilien, Drogen und Waffenkammer

Update vom 21. April: Nach dem spektakulären Polizeieinsatz in Boxberg-Bobstadt hat die Staatsanwaltschaft Mosbach gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg zu einer Pressekonferenz geladen. Dabei gaben die Ermittler weitere Erkenntnisse bekannt:

Im Haus eines mutmaßlichen Reichsbürgers fanden Ermittler zahlreiche Kriegswaffen und Nazi-Utensilien. Der Präsident des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, Andreas Stenger, sprach unter anderem von begehbaren Waffenkammern und Reichsflaggen. Im Wohnzimmer habe ein Maschinengewehr gestanden, im Grunde habe sich überall Munition befunden. Zudem sei in dem Haus in Boxberg (Main-Tauber-Kreis) eine Cannabis-Plantage gewesen.

Bewaffnete Polizisten umziegeln ein Haus in Boxberg (Main-Tauber-Kreis). Ein Mann soll sich bei einer Durchsuchung widersetzt haben und sei später festgenommen worden.
Bewaffnete Polizisten umzingeln ein Haus in Boxberg (Main-Tauber-Kreis). Ein Mann soll sich bei einer Durchsuchung widersetzt haben und sei später festgenommen worden (20. April 2022). © Kohls/picture alliance/dpa/SDMG

Der festgenommene 54-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft, weil er am Mittwoch auf einen Polizisten geschossen haben soll. Das habe der Mann auch eingeräumt, sagte der Leitende Mosbacher Oberstaatsanwalt Florian Kienle. Der Vorwurf lautet auf versuchten Mord in Tateinheit mit Körperverletzung und unerlaubten Besitzes einer Kriegswaffe.

Reichsbürger in Baden-Württemberg: Nach Schusswechsel – Ermittlungen gegen sechs weitere Personen

Sechs weitere bei dem Einsatz festgenommene Menschen, darunter zwei Frauen, seien wieder auf freien Fuß gekommen. Die Ermittlungen gegen sie liefen aber weiter. Wegen des politischen Hintergrunds stehe im Raum, dass der Generalbundesanwalt in Karlsruhe den Fall übernimmt.

Bereits im Februar dieses Jahres kam es Baden-Württemberg zu einem gewaltsamen Zwischenfall mit einem mutmaßlichen Reichsbürger. Dabei wurde ein Polizist im Zuge einer Verfolgungsjagd nahe Freiburg schwer verletzt.

StadtBoxberg (Baden-Württemberg)
LandkreisMain-Tauber-Kreis
Einwohnerzahl6.718 (31. Dez. 2020)
BürgermeisterinHeidrun Beck

SEK-Einsatz in Baden-Württemberg: Schusswechsel an Reichsbürger-Haus – Polizist verletzt

Erstmeldung vom 20. April, 15:00 Uhr: Spektakulärer Großeinsatz zu früher Morgenstunde im idyllischen Boxberg. Am Mittwochmorgen (20. April) gegen 6 Uhr früh haben Polizei, SEK, Rettungsdienst und Feuerwehr eine koordinierte Durchsuchungsmaßnahme durchgeführt. Dort sollte das Anwesen eines 49-jährigen Mannes wegen des Verdachtes des illegalen Waffenbesitzes durchsucht werden.

Baden-Württemberg: Feuer in Haus von Reichsbürger

Aus diesem Grund waren auch Spezialeinsatzkräfte im Einsatz. Zu Beginn der Maßnahme wurden mehrere Schüsse auf die Einsatzkräfte abgegeben, wie HEIDELBERG24* berichtet. Der Stadtteil Bobstadt wurde sicherheitshalber von der Polizei vorübergehend abgeriegelt, teilte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Anwohner wurden gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Laut Polizei befindet sich aber niemand in Gefahr.

Kurze Zeit darauf geriet das Anwesen in Brand. Mehrere Personen, die sich in dem Anwesen aufhielten, konnten anschließend widerstandslos und unverletzt festgenommen werden. Da eine Gefährdung der Einsatzkräfte und Anwohner wegen des Brandes, möglicherweise im Haus befindlicher Munition sowie freilaufender Hunde nicht ausgeschlossen werden konnte, waren Löscharbeiten zunächst nicht möglich.

SEK-Einsatz in Boxberg: Polizist ins Bein geschossen

Das Gebäude brannte kontrolliert ab. Es wird zeitnah von Entschärfern des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg durchsucht und kriminaltechnisch begutachtet. Parallel dazu laufen umfangreiche Ermittlungsmaßnahmen zu den Hintergründen der Geschehnisse.

Da ein politisch motivierter Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, ermitteln das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und das Polizeipräsidium Heilbronn. Bei dem Einsatz wurde ein Polizeibeamter durch einen Schuss ins Bein verletzt. Aus ermittlungstaktischen Gründen macht die Polizei momentan keine weiteren Angaben. (pol/dpa/pek) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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