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„Ist der wahnsinnig?“ – Kretschmann will Schließung von Hallenbädern prüfen

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Von: Jason Blaschke

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In der Gaskrise will Ministerpräsident Winfried Kretschmann notfalls Schwimmbäder in Baden-Württemberg zusperren lassen – jetzt regt sich Widerstand.

Stuttgart - Ganz Deutschland steckt mitten in einer Energiekrise – und die Ideen, wie man auf einen plötzlichen Gaslieferstopp aus Russland reagieren sollte, nehmen teils skurrile Züge an. Erst vor ein paar Wochen etwa machte der griechische Tourismus-Minister, Vasilis Kikilias, Energiepreis-gebeutelten Deutschen ein Angebot für ein Winter-Asyl in Griechenland. „Wir warten auf Sie.“ Also über Winter aus Deutschland fliehen?

LandBaden-Württemberg
Fläche35.751 km²
Bevölkerung11,07 Millionen (2019)
HauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Grüne)

Gaskrise ab Winter – selbst Schwimmbad-Verbot offenbar kein Tabu mehr

In einem Kommentar zum Griechenland-Asyl über den Winter beleuchtet BW24 die Argumente, die dafür sprechen, genauer und fasst zusammen, wo genau Verbraucher im Energiepreis-Exil tatsächlich einsparen können. An den Begriff Sparen denkt im Moment auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in der Energiekrise. Allerdings nicht mit Blick auf eine Flucht zu den Griechen, sondern auf die Schließung von Spaß- und Hallenbädern im Südwesten, wie BW24 berichtet.

Die Landesregierung von Baden-Württemberg prüfe, „ob wir hier eingreifen können und gegebenenfalls auch eingreifen müssen“, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart zu der Maßnahme. Sollte es im Südwesten zu einer Gasmangel-Lage kommen, ist es offenbar kein Tabu mehr, Schwimmbäder zuzusperren. Zwar sei das eigentlich Sache der Kommunen, aber beim Gas-Gipfel wolle man mit dem Städte- und Gemeindetag auch über die Schwimmbäder sprechen.

Kritik an Winfried Kretschmann zum Badeverbot – lieber „effektive Krisenvorsorge“

Der Gas-Gipfel, der in Stuttgart stattfindet, soll Wirtschaft, Politik und Verbraucher an einen Tisch bringen und Vorschläge machen, wie man in der derzeitigen Situation reagieren soll, etwa mit Energiesparmaßnahmen. Dass die Verbote beinhalten können, kommt in der Facebook-Community, aber auch in der Opposition im Landtag von Baden-Württemberg nicht gut an. Und mit der schärfste Kritiker ist FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke.

Er sagt: Führende Grüne sowie Christdemokraten überböten sich seit Wochen mit Verzichtsdebatten und „einer immer schärferen Verbotspolitik“. Doch „statt die Öffentlichkeit mit Badeverboten zu verunsichern, muss Ministerpräsident Kretschmann nun endlich den Weg für effektive Krisenvorsorge freimachen und sich in aller Deutlichkeit für ein Ende der Gasverstromung aussprechen“, sagte Rülke gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA).

„Das ist doch kein Leben mehr!“ – Facebook-User toben wegen Badeverbot

Viel Unterstützung bekommt der Liberale auf Facebook, wo viele Nutzer die Idee von Kretschmann, Hallenbäder in der Gaskrise zu schließen, kategorisch ablehnen. „Was? Kein Hallenbad für drei Monate? Das ist doch kein Leben mehr“, schreibt etwa ein User und ergänzt: „Ist der wahnsinnig?“ Und eine andere Nutzerin, die in einem Schwimmverein tätig ist, schreibt: „Wir hängen jetzt ohnehin schon zwei Jahre hinterher, den Kindern das Schwimmen beizubringen.“

Die Facebook-Userin bezeichnet Kretschmanns Vorstoß als „nicht zu Ende gedacht“. Und „die Kinder müssen es am Ende ausbaden“. Viele User sind zudem überzeugt, dass die Politiker in Baden-Württemberg erst einmal selbst sparen sollten, ehe sie mit Verboten um die Ecke kommen. „Wird Zeit, dass im Land und Bundestag das Gas und der Strom abgeschaltet wird.“ In der Facebook-Debatte kommt auch das Thema Atomkraft auf.

„Brennelemente statt Badeverbot“: Immer mehr Politiker für AKW-Verlängerung

Für „Brennelemente statt Badeverbot“ spricht sich auch Rülke mit Blick auf eine längere Laufzeit für Neckarwestheim 2 aus. Sogar Grünen-Rebell Boris Palmer zeigt sich offen für eine AKW-Verlängerung, berichtet fr.de zu der politischen Debatte. Wie es in Baden-Württemberg in der Frage weitergeht, ist ungewiss. Fest steht, dass dringend Lösungsansätze benötigt werden. Denn nur Spar-Tipps für Verbraucher, wie auch von Kretschmann erwähnt, werden nicht reichen, sagen Experten.

Wie groß die Verunsicherung in der Bevölkerung mittlerweile ist, zeigte erst vor wenigen Wochen der Run auf mobile Elektroheiz-Geräte in Baumärkten, die sich schon jetzt im Sommer großer Beliebtheit erfreuen. Experten raten von solchen Alternativen jedoch ab – zu teuer und letztlich schädlich für die Umwelt, meint SWR-Umweltexperte Werner Eckert. Mehr Sinn ergibt es, Heizungen zu optimieren, sodass diese weniger Energie verbrauchen.

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