Vom 2. bis 30. November

Corona in Baden-Württemberg: Teil-Lockdown ab heute – diese Regeln gelten jetzt

Baden-Württemberg - Während die Fallzahlen weiter ansteigen hat der Lockdown 2.0 begonnen. Diese Regeln gelten am dem 2. November 2020: 

Update vom 2. November, 7 Uhr: Der Teil-Lockdown hat begonnen. Ab heute gelten in Baden-Württemberg bis zum 30. November verschärfte Maßnahmen im alltäglichen Leben. Hier noch einmal alle neuen Regeln im Überblick:

  • Kontakte: Treffen oder Feiern im privaten oder öffentlichen Raum mit maximal 2 Haushalten oder wenn alle miteinander verwandt sind. In allen Fällen gilt: höchstens 10 Personen.
  • Einzelhandel: Bleibt unter Hygieneauflagen geöffnet. Maximal ein Kunde auf 10 Quadratmetern Verkaufsfläche. Gesteuerter Zutritt, Warteschlangen sollen vermieden werden.
  • Gastronomie: Schank- und Speisegaststätten, Bars, Clubs, Kneipen aller Art werden geschlossen. Ausnahmen für Speisen zur Abholung oder Lieferung. Betriebskantinen bleiben unter Hygieneauflagen weiter geöffnet.
  • Kultur: Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, sind verboten. Kultur-, und Freizeiteinrichtungen (Theater, Kinos, Museen, etc.) werden geschlossen. Spielplätze im Freien dürfen genutzt werden.
  • Dienstleistungen: Kosmetik-, Tattoo- und Piercingstudios werden geschlossen. Medizinische Behandlungen (z.B. Physiotherapie, medizinische Fußpflege oder Massagen) sind möglich. Friseure und Sonnenstudios bleiben unter Hygieneauflagen geöffnet. Bordelle müssen schließen.
  • Sport: Öffentliche und private Sportstätten werden geschlossen (zum Beispiel Fitnessstudios, Tanzschulen, Sportvereine). Schimmbäder sind für Schul- und Studienbetrieb geöffnet. Sport alleine, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Haushaltes auf öffentlichen oder privaten Sportanlagen erlaubt. Spitzen- und Profisport ohne Zuschauer möglich. Sport auf weitläufigen Anlagen wie Golf- oder Tennisplätzen sowie Reitanlagen ist erlaubt. Auch Hundesport und Rehasport sind erlaubt.
  • Bildung und Betreuung: Alle Schulen und Kindergärten bleiben geöffnet. Weiterbildungseinrichtungen für theoretische Seminare bleiben geöffnet. Sportkurse oder ähnliches sind verboten.
  • Gesundheit und Soziales: Schutzvorkehrungen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen. Keine Isolation der Betroffenen. Übernahme der Kosten von regelmäßigen Corona-Schnelltests für Patienten und Besucher.
  • Religion und Todesfälle: Gottesdienste und Beerdigungen sind unter Hygieneauflagen erlaubt.
  • Arbeiten: Home Office überall dort, wo es möglich ist. Notwendige Geschäftstreffen im Rahmen des Arbeitsbetriebes möglich. Betriebe müssen Hygieneauflagen anpassen.
  • Reisen und Beherbergung: Verzicht auf private Reisen sowie Besuche von Verwandten; Keine überregionalen touristischen Ausflüge; Keine Busreisen zu touristischen Zwecken; Fahrgemeinschaften zur Schule oder Arbeit erlaubt; Übernachtungsangebote nicht für touristische Zwecke erlaubt; Dauercamping weiter erlaubt; Geschäftliche, notwendige Reisen und Übernachtungen erlaubt.

Das Sozialministerium Baden-Württemberg hat die Regeln während des Corona-Lockdowns noch einmal in einer Übersicht zusammengefasst.

Corona in Baden-Württemberg: Inzidenz-Wert steigt rapide – das sind die Hotspots

Update vom 1. November, 11:30 Uhr: Die 7-Tage-Inzidenz ist in Baden-Württemberg am Samstag (Stand: 16:00 Uhr) nochmals deutlich gestiegen! Landesweit liegt der Wert für Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner bei 123,3. Am Vortag hat der Wert noch bei 107 gelegen. Den traurigen Spitzenplatz belegt der Stadtkreis Pforzheim mit 177,0 auf.

Damit ist die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen in Baden-Württemberg im Vergleich zum Vortag um 2048 Fälle gestiegen. Die Zahl der Covid-19-Todesfälle steigt ebenfalls um 7 auf 2.028. Als genesen gelten 55.616 Menschen – das sind 760 mehr als am Vortag.

  • Alb-Donau-Kreis: 1.666 Infizierte (+46), 29 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 157,8
  • Kreis Biberach: 1.172 Infizierte (+37), 38 Verstorbene , 7-Tage-Inzidenz: 73,5
  • Kreis Böblingen: 3.446 Infizierte (+58), 52 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 103,9
  • Bodenseekreis: 825 Infizierte (+16), 8 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 60,7
  • Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: 2.214 Infizierte (+17), 74 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 99,8 
  • Kreis Calw: 1.339 Infizierte (+0), 30 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 95,5
  • Kreis Emmendingen: 1.209 Infizierte (+34) , 44 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 131,0 
  • Enzkreis: 1.510 Infizierte (+43), 29 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 135,8
  • Kreis Esslingen: 5.111 Infizierte (+96), 135 (+2) Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 160,4 
  • Kreis Freudenstadt: 923 Infizierte (+22), 39 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 93,9
  • Kreis Göppingen: 1.951 Infizierte (+52), 42 (+1) Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 83,7 
  • Kreis Heidenheim: 958 Infizierte (+35), 41 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 108,5
  • Kreis Heilbronn: 2.265 Infizierte (+62), 46 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 116,4
  • Hohenlohekreis: 1.083 Infizierte (+26), 48 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 88,8
  • Kreis Karlsruhe: 2.630 Infizierte (+97), 97 Verstorbene , 7-Tage-Inzidenz: 118,2
  • Kreis Konstanz: 1.397 Infizierte (+76), 17 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 89,1
  • Kreis Lörrach: 1.414 Infizierte (+40), 65 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 113,2
  • Kreis Ludwigsburg: 5,193 Infizierte (+159), 94 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 155,7 
  • Main-Tauber-Kreis: 875 Infizierte (+11), 11 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 69,5 
  • Neckar-Odenwald-Kreis: 872 Infizierte (+33), 27 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 82,2
  • Ortenaukreis: 2.902 Infizierte (+110), 130 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 135,7
  • Ostalbkreis: 2.576 Infizierte (+23), 46 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 78,0
  • Kreis Rastatt: 1.380 Infizierte (+59), 19 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 109,8
  • Kreis Ravensburg: 1.290 Infizierte (+39), 8 (+1) Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 54,3
  • Rems-Murr-Kreis: 3.614 Infizierte (+95), 101 Verstorbene (+1), 7-Tage-Inzidenz: 117,3
  • Kreis Reutlingen: 2.694 Infizierte (+54), 83 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 107,7 
  • Rhein-Neckar-Kreis: 2.952 Infizierte (+68), 48 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 116,2
  • Kreis Rottweil: 983 Infizierte (+12), 26 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 76,5
  • Kreis Schwäbisch Hall: 1.664 Infizierte (+30), 63 Verstorbene (+1), 7-Tage-Inzidenz: 95,0
  • Schwarzwald-Baar-Kreis: 1.172 Infizierte (+20), 37 (+1) Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 75,3
  • Kreis Sigmaringen: 1.080 Infizierte (+28), 36 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 67,3
  • Kreis Tübingen: 2.271 Infizierte (+29), 63 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 129,0
  • Kreis Tuttlingen: 905 Infizierte (+14), 25 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 71,0 
  • Kreis Waldshut: 804 Infizierte (+13), 35 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 92,4
  • Zollernalbkreis: 1.699 Infizierte (+22), 78 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 72,3 
  • Stadt Baden-Baden: 377 Infizierte (+12), 20 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 87,0
  • Stadt Freiburg: 1.955 Infizierte (+23), 81 (+1) Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 116,4
  • Stadt Heidelberg: 923 Infizierte (+12), 7 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 85,5
  • Stadt Heilbronn: 1.335 Infizierte (+41), 18 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 167,5 
  • Stadt Karlsruhe: 1.573 Infizierte (+66), 15 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 141,0
  • Stadt Mannheim: 2.352 Infizierte (+70), 16 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 156,1 
  • Stadt Pforzheim: 1.050 Infizierte (+50), 10 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 177,0
  • Stadt Stuttgart: 5.628 Infizierte (+ 178), 79 Verstorbene (+1), 7-Tage-Inzidenz: 135,9
  • Stadt Ulm: 1.009 Infizierte (+13), 11 Verstorbene, 7-Tage-Inzidenz: 118,3
  • Baden-Württemberg (gesamt): 82.334 Infizierte (+ 2.048), 2.028 Verstorbene (+7), 7-Tage-Inzidenz: 113,3

Ungeachtet der rasant ansteigenden Corona-Fallzahlen halten sich einige nicht an die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus: Trotz der Sperrstunde für Gastro-Betriebe sprengt die Polizei in Weinheim eine dreiste Drogen-Party in den frühen Morgenstunden des 31. Oktobers.

Corona-Lockdown: Künstler und Politiker schicken Brandbrief an Regierung

Die Bundesregierung hat für den November einen erneuten Lockdown beschlossen, um die zweite Coronavirus*-Welle zu unterbrechen. Dabei will man aber andere Wege gehen, als noch im März. Der „Lockdown-Light“ sieht zum Beispiel vor, dass Schulen und Kindergärten geöffnet bleiben dürfen. Anders sieht es allerdings bei Restaurants, Bars, Kinos, Theatern und vielen weiteren Orten des öffentlichen Lebens aus – diese müssen nämlich wieder schließen. Das ruft viel Gegenwehr in der Politik und der Gesellschaft hervor. So wollen Bürgermeister, Künstler und Ladenbesitzer für ein Umdenken sorgen. Darüber berichtet HEIDELBERG24.de*.

Corona-Lockdown: Oberbürgermeister und Bürgermeister schicken Appell an Ministerpäsidenten

In einer Forsa-Erhebung für RTL und ntv sind 50 Prozent der 1.014 Befragten für den erneuten Corona-Lockdown. Für 16 Prozent gehen die Maßnahmen sogar nicht weit genug. Doch ein Detail sorgt für einen gewaltigen Schock – nämlich die erneuten Schließungen von Kunst, Kultur und Gastronomie. Das sehen auch mehr als 30 Oberbürgermeister und Bürgermeister aus Baden-Württemberg* kritisch – und senden einen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Wir fragen uns, nach welchen Kriterien die Bereiche ausgewählt wurden, die nun komplett geschlossen werden sollen. Theater, Oper, Kino, Gastronomie, Hotellerie und Cafes haben gute Hygienekonzepte etabliert und sind als Treiber des Infektionsgeschehens nach unserer Kenntnis von eher geringer Bedeutung. Es ist für uns nicht ersichtlich, dass durch den kompletten Lockdown dieser Bereiche das Tempo der Pandemie ausreichend gebremst werden könnte“, heißt es in dem Schreiben.

Corona-Lockdown: Schließung sind Gefahr für die Stadtgesellschaft

Die Unterzeichner des Appells an Ministerpräsident Kretschmann machen sich für Kunst, Kultur und Gastronomie stark und zeigen auf, wie unentbehrlich diese für das öffentliche Leben seien. Diese auszuschalten gefährde „Bürgersinn, Zusammenhalt und Lebensgeist der Stadtgesellschaften.“ Zudem besteht die Sorge, dass der „Lockdown-Light“ eben nicht nur einen Monat dauert, sondern sich bis in das nächste Jahr ziehen könnte. Dann ist unklar, wie viele Läden bereits Pleite gegangen sein werden. Die Folge wären „gravierende Strukturbrüche.

In einem Brandbrief wenden sich Oberbürgermeister und Bürgermeister an Winfried Kretschmann.

Aus diesem Grund appellieren die Oberbürgermeister und Bürgermeister aus Baden-Württemberg, dass die Landesregierung die Maßnahmen noch einmal überprüft und in Bereichen wie Kunst, Kultur und Gastronomie noch einmal besser zu differenzieren. „Beispielsweise ist Gastronomie mit Decken oder Heizstrahlern an der frischen Luft nach unserer Meinung völlig unbedenklich. Der Besuch einer Kunstausstellung oder einer Theatervorstellung kann durch weiter verschärfte Besucherzahlgrenzen, Masken und Abstände sicher gestaltet werden“, heißt es in dem Brief.

Corona-Lockdown: Anwalt erwartet Klagen gegen Maßnahmen

Doch nicht nur Politiker sehen den Lockdown 2.0 in dieser Form als gefährlich an. Auch der Jurist und FDP-Vize Wolfgang Kubicki sowie der Staatsrechtler Ulrich Battis sehen ein großes Problem aufkommen: „Ich gehe fest davon aus, dass es eine hohe Anzahl an Klagen geben wird und dass auch viele wie bisher in einstweiligen Rechtsschutzverfahren damit durchkommen werden, siehe die gekippten Beherbergungsverbote und Sperrstunden“, erklärt Battis der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Wolfgang Kubicki klagt in einem Gastbeitrag in der „Passauer Neue Presse“ über die „bemerkenswerte Widersprüchlichkeit“ der Beschlüsse. „Warum müssen Nagelstudios schließen, nicht aber Friseure? Wieso werden auch dort Restaurants geschlossen, wo man noch weit entfernt ist von den selbst definierten Schwellenwerten?“, fragt der Politiker. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis das erste Gericht die Maßnahmen kippe.

Corona-Lockdown: Künstler schicken Brandbrief an die Politik

Natürlich gehen auch diejenigen auf die Barrikaden, die der Teil-Lockdown am ehesten betrifft – Künstler und Ladenbesitzer. Unter den Hashtags „Alarmstuferot“ und „kulturerhalten“ machen Prominente wie Hennes Bender, Campino von den „Toten Hosen“, Bastian Pastewka oder Carolin Kebekus auf die existentiellen Gefahren der Maßnahmen aufmerksam.

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In einem Brief an Monika Grütters, Hubertus Heil, Peter Altmeier, Olaf Scholz und Jens Spahn erklären die Musiker und Komiker, dass der Kulturbetrieb ein konstruktiver Teil der Lösung und nicht des Problems sei. Der politische Dank dafür sei bislang aber ausgeblieben. *HEIDELBERG24.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. (dh)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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