Diskussion in Baden-Württemberg

Corona-Maskenpflicht: Kein Mundschutz mehr beim Shoppen? Das sagt die Regierung

Nachdem am Wochenende mehrere Bundesländer vorgeprescht sind, nimmt die Debatte um eine Lockerung der Maskenpflicht im Handel Fahrt auf. Ist Shoppen bald wieder ohne Mund-Nasen-Schutz möglich?

  • Coronavirus* in Deutschland: Bundesländer diskutieren über Lockerung der Maskenpflicht im Handel.
  • Ist Einkaufen ohne Mund-Nasen-Schutz bald wieder möglich? Mehrere Bundesländer preschen am Wochenende vor.
  • Die Entwicklung der Debatte in Deutschland und in Baden-Württemberg:

Update vom 6. Juli, 12:15 Uhr: Die baden-württembergische Landesregierung lehnt ein Ende der Maskenpflicht oder Lockerungen der Vorgabe strikt ab. „Die Maskenpflicht bleibt ein zentraler Bestandteil unserer Strategie“, sagt eine Sprecherin des Staatsministeriums am Montag in Stuttgart der dpa. Gemeinsam mit dem Abstandsgebot sei die Pflicht zur Mund-Nase-Bedeckung ein wirksames Mittel im Kampf gegen das Coronavirus und weitere Infektionen. Es gebe keinen Anlass zur Entwarnung, zumal die Ansteckungszahlen weltweit gesehen immer weiter anstiegen. Über eine Maskenpflicht in Baden-Württemberg entscheidet nach Angaben des Staatsministeriums die grün-schwarze Landesregierung. 

Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) kritisierte die Debatte um die Lockerung der Maskenpflicht und warnte: „Wir befinden uns nach wie vor in einer sehr fragilen Lage. Eine Aufhebung der Maskenpflicht wäre deshalb zum jetzigen Zeitpunkt das absolut falsche Signal.“ Die Diskussion um eine Lockerung vermittele den Eindruck, die Pandemie sei besiegt worden. „Das ist mitnichten der Fall“, sagte Lucha. Das Virus breite sich nur nicht aus, weil die meisten Menschen diszipliniert seien. 

Keine Corona-Maskenpflicht beim Einkaufen? SPD-Landeschef von Baden-Württemberg lehnt Aufhebung ab

Update vom 6. Juli, 11 Uhr: Baden-Württembergs SPD-Landeschef Andreas Stoch lehnt eine Aufhebung der Maskenpflicht im Einzelhandel ab. „Ich halte eine Aufhebung für den Handel für verfrüht“, sagt er am Montag der dpa. Die Infektionszahlen seien zum Glück in den Griff bekommen worden, weil auf Abstand und Hygiene geachtet werde - und weil dort, wo Abstände nicht eingehalten werden könnten, Masken getragen würden. Außerdem sagten viele besorgte Kunden, sie würden Geschäfte künftig meiden, müsse dort kein Schutz für Mund und Nase mehr getragen werden, sagte Stoch, der auch die SPD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg anführt.

Lockerung der Corona-Maskenpflicht: Einkaufen bald wieder ohne Mund-Nasen-Schutz?

Erstmeldung vom 6. Juli, 10 Uhr: Ist Shoppen ohne Mundschutz bald wieder möglich? Mehrere Bundesländer diskutieren jetzt über eine Lockerung der Maskenpflicht, die seit dem 27. April deutschlandweit besteht. Zwei Wirtschaftsminister preschen am Sonntag vor – doch aus Sicht mehrerer Länder ist ein Ende der Maskenpflicht im Handel noch zu früh. HEIDELBERG24* berichtet über die aktuellen Entwicklungen in Baden-Württemberg und Deutschland:

Debatte um Lockerung der Corona-Maskenpflicht: Shoppen ohne Mundschutz bald wieder erlaubt?

Mehrere Bundesländer haben sich am Wochenende gegen ein Ende der coronabedingten Maskenpflicht im Handel ausgesprochen – darunter unter anderem Bayern, Schleswig Holstein, Brandenburg und Hamburg. „Im Verlauf der Pandemie hat sich die Expertenmeinung gefestigt, dass die Mund-Nasen-Bedeckung eine sehr wirksame Maßnahme ist“, argumentiert zum Beispiel Hamburgs Senatssprecher Marcel Schweitzer gegenüber der dpa. Die Landesregierung von Baden-Württemberg* hat sich bisher in der Diskussion noch nicht geäußert.

Die Debatte um die Lockerung der Maskenpflicht im Handel war ins Rollen geraten, nachdem sich der Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern für ein baldiges Ende der Mundschutz-Pflicht in seinem Land ausgesprochen hatte – und dafür von seiner Regierungschefin ausgebremst wurde. „Wenn das Infektionsgeschehen so gering bleibt, sehe ich keinen Grund, länger an der Maskenpflicht im Handel festzuhalten“, hatte Minister Harry Glawe (CDU) der „Welt am Sonntag“ gesagt. Darauf antwortete Regierungssprecher Andreas Timm der dpa: Die Landesregierung habe gerade erst die Maskenpflicht bis August verlängert, weil sie wichtigen Schutz biete. Entscheidungen könnten erst nach Gesprächen getroffen werden. So lange wird es wohl noch nötig sein, immer eine Maske im Gepäck zu haben. Hier gibt es die Anleitung, wie man den Mund-Nasen-Schutz ganz einfach selbst macht.*

Lockerung der Corona-Maskenpflicht: So reagieren Handel und Politik

Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hatte sich dafür ausgesprochen, die „strikte Maskenpflicht im Einzelhandel in den kommenden Monaten in eine Empfehlung“ umzuwandeln, wenn das Infektionsgeschehen dies zulasse. In der Staatskanzlei stieß die Aussage ebenfalls nicht auf Zustimmung: „Der Ministerpräsident ist nach wie vor der Auffassung, dass wir sehr vorsichtig sein müssen im Umgang mit dem Coronavirus.“

Auf offene Ohren stieß eine Abschaffung der Maskenpflicht erwartungsgemäß beim Handel – aber auch hier nur mit Einschränkungen: „Für den Einzelhandel ist es gut, wenn die Maskenpflicht, sobald dies gesundheitspolitisch möglich und vernünftig ist, abgeschafft wird“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland
(HDE), Stefan Genth, am Sonntag der dpa. Die Einschätzung, wann und in welchen Regionen dieser Schritt möglich sei, müssten aber Politik und Medizin treffen.

Maskenpflicht wegen Corona: Einkaufsbummel ohne Mund-Nasen-Schutz? Wohl erstmal nicht

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor einer Aufhebung der Regelung. „Die Maskenpflicht im Handel ist eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen das Coronavirus. Es wäre das völlig falsche Signal, diese Pflicht jetzt schon wieder aufzuheben“, sagt Lauterbach der „Rheinischen Post“. „Schafft eine Landesregierung die Maskenpflicht ab, experimentiert sie mit der Gesundheit der Menschen und erhöht das Risiko für eine zweite Infektionswelle.“

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene hat sich ebenfalls gegen die Aufhebung ausgesprochen. Sie sende das falsche Signal, dass die Situation im Griff sei. „Das können wir aber so nicht feststellen“, sagte Martin Exner am Sonntag der dpa. Gebrauchte Masken können übrigens eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen – wenn man sie nicht richtig entsorgt. Das sollte man beim Wegwerfen der Maske beachten*.

Coronavirus: Robert-Koch-Institut präsentiert aktuelle Zahlen für Deutschland

Das Robert Koch-Institut (RKI) verweist auf Anfrage darauf, sich generell nicht zu konkreten Maßnahmen vor Ort zu äußern. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI zufolge 239 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Weltweit wurde allerdings ein Rekord bei den nachgewiesenen Neuinfektionen geknackt: Binnen 24 Stunden seien 212.326 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 gemeldet worden (Stand 4. Juli), hieß es in einem WHO-Bericht. (dpa/kab) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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