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AstraZeneca: Trotz EMA-Aussage – Stiko-Chef bleibt bei Impf-Empfehlung für Ältere

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Von: Florian Römer, Robin Eichelsheimer

Die EMA gibt beim AstraZeneca-Impfstoff grünes Licht für alle Altersklassen. Die Ständige Impfkommission bleibt hingegen bei ihrer Empfehlung der Impfung für über 60-Jährige. 

Update vom 8. April: Trotz der positiven Aussage der EMA zum AstraZeneca-Impfstoff bleibt die Ständige Impfkommission (Stiko) bei ihrer Empfehlung, nur noch Menschen über 60 mit dem Vakzin zu impfen. Die EMA bewerte die Situation auf Grundlage des „Public-Health-Gedankens“, also auf dem Vorteil für die Gesamtbevölkerung, erklärte Stiko-Chef Thomas Mertens am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. Die Situation in Deutschland sei etwas anders, da das Land nicht so abhängig von AstraZeneca sei. „Wir können Impfstoffe verschieben“, so Mertens. Damit werde der selbe Effekt erzielt, bei niedrigerem Risiko für die jüngere Altersgruppe.

Update vom 7. April: Nachdem die EMA am Vortag einen Zusammenhang zwischen AstraZeneca und Thrombose-Erkrankungen bestätigt, hält sie die weitere Verabreichung des Impfstoffes trotzdem für sinnvoll. Wie Merkur* berichtet, empfiehlt die EU-Arzneimittelbehörde die uneingeschränkte Anwendung des Corona-Wirkstoffes. Der Nutzen sei höher zu bewerten als die Risiken, erklärt die EMA am Mittwoch.

Corona-Impfstoff von AstraZeneca: Jetzt bestätigt EMA Zusammenhang mit Thrombosen

Update vom 6. April: Ein hochrangiger Vertreter der EU-Arzneimittelbehörde EMA sieht eine Verbindung zwischen der AstraZeneca-Impfung und dem Auftreten von Thrombosen bei einzelnen Geimpften. Die genaue Ursache dafür sei noch unklar. „Wir können mittlerweile sagen, dass es klar ist, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt“, sagte der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der italienischen Zeitung „Il Messagero“. Bei den selten auftretenden Hirnvenenthrombosen oder Sinusvenenthrombosen handelt es sich um Blutgerinnsel im Gehirn. Bei einer Verstopfung der Venen ist der Blutabfluss in Richtung Herz gestört und es kommt zu einem Druckanstieg im Gehirn.

Corona-Impfung mit Astrazeneca: Stiko rät Jüngeren zu anderem Stoff für Zweitimpfung

Update vom 2. April: Nach dem Hin und Her rund um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca ist bei vielen in der Bevölkerung die Verunsicherung groß – vor allem bei all jenen Impflingen unter 60, die bereits eine erste Impfung des britisch-schwedischen Biotech-Unternehmens verabreicht bekommen haben. Die dürfte in Anbetracht der jüngsten Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nicht gerade kleiner werden.

Denn: Wie es im Beschlussentwurf vom Donnerstag heißt, sollen mit Astrazenca erstgeimpfte Personen unter 60 Jahren für die zweite Impfung auf ein anderes Vakzin umsteigen.

Wörtlich heißt es in der neuen Stiko-Empfehlung: „Für diese Personen wird empfohlen, anstelle der zweiten Astrazeneca-Impfdosis eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs 12 Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen.“ Hintergrund sei, dass der durch die Erstimpfung erfolgte Schutz nach 12 Wochen abnehme. Auch interessant: Das steht im Beipackzettel des Astrazeneca-Impfstoffs.*

Corona-Impfung: Jüngere sollen bei Zweitimpfung auf Astrazeneca verzichten – Spahn kündigt Gespräche an

Jens Spahn will sich mit den Gesundheitsministern der Länder am nächsten Mittwoch (7. April) über die Stiko-Empfehlung austauschen. „Die ergänzte Empfehlung der Stiko zu Zweitimpfungen schafft Klarheit für die etwa 2,2 Millionen Bürgerinnen und Bürger unter 60 Jahren, die in den letzten Wochen eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben“, so Bundesgesundheitsminister Spahn. Wer wolle, könne nach 12 Wochen die Zweitimpfung mit einem anderen mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna bekommen. Wer sich nach der Aufklärung durch den Arzt vor Ort dennoch mit Astrazeneca impfen möchte, kann das aber ebenfalls tun. Diese Zweitimpfungen stehen laut Spahn frühestens ab Mitte April an, Astrazeneca werde schließlich erst seit Anfang Februar in Deutschland verimpft.

Millionen Menschen sind von der aktuellen Stiko-Empfehlung betroffen: Bislang haben rund 2,85 Millionen Personen eine Erstimpfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca erhalten, gerade einmal rund 2.000 Menschen wurden bereits ein zweites Mal mit dem Präparat geimpft – miteingerechnet sind dabei all jene Personen über 60, für die die Empfehlung nicht gilt.

Gegenüber dem Spiegel äußerte sich der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens, dass man aktuell nur über das Risiko bei einer Zweitimpfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff spekulieren könne, da die Zahl der Durchgeimpften noch sehr gering sei. „Der naheliegende Ausweg ist aus meiner Sicht, es gar nicht zu probieren, sondern zur Sicherheit eben als Alternative einen RNA-Impfstoff zu geben“, erklärt er die jüngste Empfehlung.

Impfung bei Hausärzten: Nach Ostern endlich Start in Praxen – doch die Dosen sind überschaubar

Update vom 1. April: Es war eine schwere Geburt, aber jetzt kommt allmählich ein wenig Schwung in die Sache, denn nach den Ostertagen beginnen endlich die Corona-Impfungen in Arztpraxen. Zunächst geht es noch um überschaubare Mengen, doch die Belieferung soll schrittweise hochgefahren werden. Für die erste Woche haben insgesamt 35.000 Hausarztpraxen 1,4 Millionen Impfdosen bestellt, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag (1. April) in Berlin erklärte. Gemäß der Planungen von Bund und Ländern sollen zunächst 940.000 Dosen geliefert werden, die Impfzentren der Länder sollen 2,25 Millionen Dosen erhalten.

Das wird noch kein großer Schritt sein, aber ein wichtiger.

Jens Spahn – Bundesgesundheitsminister

Mit Blick auf den Impfstart in den Arztpraxen würden nun Abläufe etabliert, um den Impfumfang in wenigen Wochen deutlich steigern zu können, so Spahn weiter. Drei Millionen Dosen pro Woche seien bereits für Ende April für die Praxen vorgesehen.

Zunächst starten die Impfungen ausschließlich bei Hausärzten, danach sollen auch Fachärzte in die Impfkampagne miteinbezogen werden. Wann das so weit ist, ist bislang jedoch offen. Der Impfstoff geht vom Bund an den Großhandel und schließlich über die Apotheken an die Praxen.

In den ersten beiden Wochen nach Ostern wird in Arztpraxen nur der Impfstoff von Biontech und Pfizer verwendet, ab dem 19. April kommt das Vakzin von AstraZeneca hinzu, danach schließlich noch der Wirkstoff von Johnson & Johnson. Bundesgesundheitsminister Spahn rief all jene Bürger, die bereits Termine in Impfzentren gebucht haben, dazu auf, diese auch wahrzunehmen. „Zu den 430 Impfzentren, die wir bisher haben, kommen nach Ostern 35.000 weitere hinzu, und das ist kein Aprilscherz“, freut sich Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung über den bevorstehenden Impfstart in den Arztpraxen.

Corona: Hausärzte starten Impfungen in Praxen – ohne AstraZeneca und Moderna

Erstmeldung vom 25. März: Mittlerweile breitet sich das Coronavirus* in der dritten Welle in Deutschland aus. Wegen starker Kritik nahm Kanzlerin Merkel die angedachte „Osterruhe“ wieder zurück. Währenddessen steigen die Infektionszahlen in Deutschland und Baden-Württemberg* stark an. Ein wesentlicher Baustein im Kampf gegen die Pandemie sind Impfungen. Seit Ende Dezember arbeiten Impfzentren in Baden-Württemberg*, nach Ostern sollen Hausärzte der vergleichsweise ‚lahmen‘ Impfkampagne mehr Schwung verleihen. Eigentlich sollten Berechtigte sich ab 6. April in Hausarztpraxen impfen lassen können, der Termin wurde jetzt aber um einen Tag verschoben, wie aus einer Mitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervorgeht. Überraschenderweise wird zum Startschuss in den Hausarztpraxen aber nicht das Vakzin von AstraZeneca verimpft, sondern der mRNA-Impfstoff von BioNTech*, berichtet HEIDELBERG24*.

Corona-Impfung: Hausärzte beginnen am 7. April

Die steigenden Infektionszahlen zeigen, wie wichtig der Impfstart in den Praxen nach Ostern ist, um die Pandemie in den Griff zu bekommen“, betont Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ergänzt: „Mit den Impfstoffmengen, die wir im April erwarten, werden wir in Hausarztpraxen etwa mit einer Impfsprechstunde pro Woche beginnen können.“ „Der Impfstart in den Praxen findet nach Ostern in homöopathisch geringen Mengen statt, mit zunächst 20 Impfdosen je teilnehmender Praxis“, sagt Roland Stahl, Pressesprecher der KBV.

Für den Start in den Arztpraxen stehen in der ersten Woche (KW 14) knapp eine Millionen Impfdosen zur Verfügung“, erläutert ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) auf Anfrage von HEIDELBERG24. Aus logistischen Gründen soll zunächst „Comirnaty“ von BioNTech/Pfizer verwendet werden: Für den reibungslosen Start der Impfkampagne in Arztpraxen wolle man „die etablierten Versorgungsstrukturen über den Großhandel und die Apotheken“ nutzen, so das BMG. Großhandel und Apotheken seien im sachgerechten Umgang mit Impfstoffen geübt und hielten Transportvorgaben der Hersteller ein.

Corona-Impfung: Startschuss bei Hausärzten ohne AstraZeneca

Eigentlich galt der Vektor-Impfstoff von AstraZeneca* für breite Massenimpfungen durch Hausärzte als prädestiniert ‒ das Vakzin ist im Vergleich zu den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna* verhältnismäßig leicht zu transportieren und zu lagern. Dennoch spielt AstraZeneca zum Startschuss der Corona-Impfungen in Hausarztpraxen ab dem 7. April keine Rolle. Warum Hausärzte vom 7. bis zum 18. April ausschließlich den BioNTech-Impfstoff verabreichen sollen, erklärt der Sprecher des BMG mit den geringen Liefermengen von AstraZeneca: In den beiden Aprilwochen (KW 14 und 15) werde man zunächst die avisierten Zweitimpfungen in den Impfzentren sicherstellen, danach soll AstraZeneca auch in den Praxen zum Einsatz kommen.

Vor dem Transport in die Praxen wird das BioNTech-Vakzin im Großhandel aufgetaut und über Apotheken ausgeliefert, erklären BMG und KBV. Hausärzte haben nach der Anlieferung fünf Tage Zeit, den Impfstoff zu verimpfen. Damit ab 7. April geimpft werden kann, müssen interessierte Arztpraxen bis spätestens 30. März (12 Uhr) bei der primär beliefernden Apotheke bestellen, teilt die KBV mit. Bestellmengen des (noch) knappen Impfstoffs sind zunächst auf 18 bis maximal 50 Impfstoffdosen pro Woche begrenzt.

Corona: Bund erwartet mehr Impfstoff ab Ende April

Insgesamt gibt der Bund zunächst wöchentlich eine Millionen Impfdosen an Hausarztpraxen ab, rechnet aber im zweiten Quartal mit deutlich größeren Mengen an gelieferten Impfstoffen. BioNTech wird Deutschland laut Lieferprognosen zwischen April und Ende Juni 40 Millionen Impfdosen zur Verfügung stellen, AstraZeneca zwischen 12 und 15 Millionen, Johnson&Johnson* 10 Millionen und Moderna 6 Millionen. Aktuell (25. März) wurden laut Impfdashboard 15,6 Millionen Impfdosen an Deutschland geliefert, 75 Prozent der Dosen wurden verimpft. Während BioNTech seinen produzierten Impfstoff direkt an Großhändler übergibt, liefert AstraZeneca an den Bund, der sich anschließend um die Verteilung kümmert.

Die Hausärztin Birgitt Lucas verabreicht einem 49-jährigen Patienten die erste Impfung gegen Covid-19. Hausärzte in Stadt und Landkreis Hof dürfen seit einem Beschluss vom 16.03.2021 ihre Patienten individuell gegen Corona impfen und somit von der Impfreihenfolge abweichen. | Aktuell
Hausärztin impft Patient gegen Corona. © Nicolas Armer/dpa - Bildfunk

Mit den Vakzinen von BioNTech, Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson, sind in der EU vier Impfstoffe zugelassen. Während die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna hohe Wirksamkeit aufweisen, stand der Vektor-Impfstoff des Pharmaunternehmens AstraZeneca immer wieder im Fokus, kommt aber nach jüngsten Auswertungen immer noch auf eine Wirksamkeit von 76 Prozent. Weil das Serum im Verdacht stand, neben anderen Nebenwirkungen* möglicherweise Blutgerinnsel* zu verursachen, wurden in Impfungen mit dem Präparat in Deutschland und weiteren europäischen Ländern zeitweise gestoppt. Zwischen der EU und dem britisch-schwedischen Unternehmen schwelt seit Wochen ein Zwist, da zugesagte Liefermengen nicht eingehalten werden. Am Mittwoch (24. März) entdeckten EU-Kontrolleure in Italien ein „geheimes“ AstraZeneca-Lager mit fast 30 Millionen Impfdosen*. (rmx/rob) *HEIDELBERG24 und Mekur ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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