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Corona-Impfung bald über Pflaster? Hoffnung für Spritzen-Muffel 

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Von: Marten Kopf

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Coronavirus - Impfung beim Kinder- und Jugendarzt
Pflaster statt Spritze? © dpa/Fabian Sommer

Die Spritze tut weh – Und mit der Diskussion um die „Booster-Impfung“ wird klar, dass sogar mehrere Injektionen nötig sein werden. Kann das nicht einfacher gehen?

Liegt‘s am Pieks? Viele Menschen lassen sich nicht impfen – und das aus unterschiedlichsten Gründen. Dabei gehören Impfungen zu den vielleicht größten zivilisatorischen Errungenschaften der Neuzeit. Andererseits liegen zwischen Impfung und vor allem Auffrischungen oft Jahre – aber wer denkt schon daran und weiß Jahre später noch, in welcher Schublade der Impfpass gerade wieder verschollen ist? Zudem bereitet vielen allein schon der Gedanke an die Spritze Bauchgrummeln.

Wissenschaftler aus Australien und den USA haben jetzt eine andere Idee: Warum Nadel und Spritze, wenn nicht auch ein einfaches Pflaster ausreicht? Ein Pflaster, das den Wirkstoff in sich trägt und ihn für den Träger unbemerkt in die Haut abgibt? Der Forschungsansatz ist nicht ganz neu, wird seit Beginn der Corona-Pandemie aber international sehr viel stringenter verfolgt. Nicht nur, aber eben auch, weil viele Menschen Spritzen scheuen. Der Vorteil liegt auf der Hand. Darüber berichtet HEIDELBERG24*.

Corona-Impfung: Pflaster wirksamer als Spritzen?

Pflaster statt Spritze? Klingt seltsam. Ist es auch. Doch tatsächlich gelten solche Pflaster sogar als wirksamer als Spritzen, weil sie nämlich eine höhere Immunreaktion hervorrufen, wie rp-online berichtet. Erst kürzlich stellt ein Team aus australischen und US-amerikanischen Forschern in der Fachzeitschrift „Science Advances“ vielversprechende Ergebnisse von neuen Versuchen mit Mäusen vor. Die Immunisierung über die Haut könnte Impfungen weltweit revolutionieren. Gerade in der aktuelle Corona-Pandemie und drohender Alarmstufe* könnte gerade das entscheidend sein.

Der Mechanismus ist dabei im Grunde simpel: Ein ein Quadratzentimeter großes Plastikpflaster wird mit mehr als 5.000 mikroskopisch kleinen Stacheln versehen, „so winzig, dass man sie gar nicht sehen kann“. So erklärt es der Virologe David Muller von der australischen University of Queensland. Die Spitzen werden mit einem dem Impfstoff beschichtet, das Pflaster mit einem Applikator aufgeklebt. „Das fühlt sich an, als würde man einen Schnipser auf die Haut bekommen“, so Muller weiter.

Pflaster statt Nadeln: Impfpflaster frühestens ab 2022

Impfpflaster sind deshalb wirksamer als die Impfung per Spritze, weil letztere normalerweise in die Muskeln gespritzt wird, wo nur wenige der für die Reaktion auf den Impfstoff erforderlichen Immunzellen sitzen, so rp-online. Außerdem verursachen nach Angaben der Forscher beim Impfpflaster die winzigen Stacheln das Absterben der Haut darunter, was den Körper alarmiere und eine größere Immunreaktion auslöse. Zudem bleibt der trocken auf das Pflaster aufgebrachte Impfstoff bei 25 Grad einen Monat lang und bei 40 Grad eine Woche lang stabil – im Gegensatz zu andere Impfstoffen, die in der Regel durchgängig bei Minustemperaturen gelagert werden müssen, was die Logistik deutlich erschwert.

Die Forscher verwendeten einen sogenannten Subunit-Impfstoff, der das für das SARS-Cov-2-Virus spezifische Spike-Protein reproduziert. Die Mäuse wurden zwei Minuten über das Pflaster oder mit einer Spritze geimpft. Das Immunsystem der Mäuse, die den Impfstoff über das Pflaster injiziert bekamen, produzierte nach zwei Dosen hohe Mengen an neutralisierenden Antikörpern – „auch in der Lunge, was für Covid-19 wichtig ist“, schildert der Forscher. Dabei übertrafen die Ergebnisse laut Muller die der Impfung per Nadel bei Weitem, so rp-online weiter.

Das in der neuen Studie verwendete Pflaster wurde übrigens vom australischen Unternehmen Vaxxas hergestellt, erste Versuche am Menschen sind aber erst ab April 2022 geplant. Allzu viele Hoffnungen auf baldige Zulassung sollte man sich also nicht machen. (mko) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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