Kritik an Gesundheitsminister

Corona-Schock: Infizierte Ärzte sollen arbeiten – „wenn Versorgung zusammenbricht“

Jens Spahn sorgt für eine Aussage für jede Menge Diskussion. Sollen infizierte Ärzte und Krankenhausmitarbeiter arbeiten?

Fassungslosigkeit in ganz Deutschland! Gesundheitsminister Jens Spahn macht die Ansage, dass infizierte Ärzte und Krankenhauspersonal trotz einer Infektion mit dem Coronavirus arbeiten sollen, bevor das Gesundheitssystem zusammenbricht. Doch wie viel Sinn würde das machen? Der Vorschlag stößt auf heftige Kritik.

NameJens Spahn
Geburtstag16. Mai 1980 (Alter 40 Jahre)
Beruf Gesundheitsminister

Corona-Infizierte weiterarbeiten zu lassen, ist der politische Offenbarungseid. Der Geist der Konzertierten Aktion wäre tot“, kritisiert der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Corona: Infizierte Ärzte sollen arbeiten – Gesundheitsminister Jens Spahn mit fragwürdiger Aussage

Am Donnerstag (12. November) ist offiziell deutscher Pflegetag. Gesundheitsminister Jens Spahn (40) sieht das zum Anlass eine schockierende Aussage zu machen. Er äußert sich zu möglichen Einsätzen von Beschäftigten des Gesundheitswesens, auch wenn sie an Corona erkrankt sind.

Jens Spahn steht in der Kritik. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Der beste Weg sei, dass ein Infizierter und die Menschen, die mit ihm in Kontakt standen, in Quarantäne bleiben, sagt Spahn. „Wenn (...) wegen Isolation und Quarantänemaßnahmen so viele dann gar nicht mehr da sind, im Krankenhaus, in der Arztpraxis,
in der Pflegeeinrichtung, dass die Versorgung zusammenbricht, muss man schauen, was ist neben der bestmöglichen Lösung die zweitbeste.“

Deutschland: Gesundheitsminister Jens Spahn – infiziertes Krankenhauspersonal muss notfalls arbeite

Doch wie soll das gehen, ohne dass Patienten – möglicherweise sogar Risikogruppen – ebenfalls infiziert werden? Jens Spahn findet die Antwort in täglichen Corona-Tests und FFP2-Masken – also „mit ganz besonderen Schutzvorkehrungen arbeiten zu lassen“, so der Gesundheitsminister. Nach Medienberichten kommt das sogar bereits vereinzelt in Deutschland vor.

Eugen Brysch fordert hingegen ein Systemwechsel in Kliniken und Altenheimen. Statt alle Mitarbeiter wegen einzelner Corona-Fälle in Quarantäne zu schicken, empfiehlt er die tägliche Anwendung von Schnelltests. Das Ergebnis liege in 20 Minuten vor .

Kritik gegen Gesundheitssystem – Personal stößt an seine Grenzen

Aktuell ist das größte Problem der Mangel an Intensivplätzen für Corona-Kranke wegen zu wenigen Intensivpflegern. Auch an anderen Stellen in Kliniken und Altenheimen ist die ohnehin hohe Belastung weiter gestiegen. „Diese Zusatzbelastung durch die Pandemie facht das Problem, das vorher schon da war, weiter an“, so Spahn und fügt hinzu: „wir haben hier einen
Marathon, keinen Sprint.“

Man solle deshalb auch die Bezahlung nach Tarif rechtlich verankern. Außerdem sollen Pflegefachkräfte aufgewertet und ihre Kompetenzen gestärkt werden. Zudem wolle man den Ausbildungsmarkt ankurbeln. In Altenheimen sollen im Januar 20.000 zusätzliche Pflege-Assistenzen anfangen. (jol/dpa)

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