Wegen Coronavirus

Baden-Württemberg verbietet grausame Praxis bei Nutztieren

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat weitreichende Folgen für Bürger und Wirtschaft. Die Corona-Beschränkungen sorgen nun aber auch dafür, dass Tiertransporte in weit entfernte Nicht-EU-Staaten verboten werden.

  • Aktuellen Zahlen zufolge steigen die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg derzeit wieder an.
  • Für eine grausame Praxis mit Nutztieren haben die Beschränkungen durch Covid-19 jedoch auch eine gute Seite: Tiertransporte in Nicht-EU-Staaten werden vorläufig verboten.
  • Durch die Beschränkungen kann es zu langen Wartezeiten an den Grenzen kommen und Tiere können nicht angemessen versorgt werden.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) legte den gewohnten Alltag in nahezu allen Bereichen lahm und führte zu weitreichenden Einschränkungen des sozialen Lebens sowie zu etlichen Verboten und Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus*.

Die Beschränkungen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg* sind nun aber auch der Grund dafür, dass Baden-Württemberg eine grausame Praxis bei Nutztieren verbietet. Wie Landwirtschaftsminister Peter Hauk am Mittwoch in der Landeshauptstadt Stuttgart* mitteilte, werden Tiertransporte aus Baden-Württemberg in weiter entfernte Nicht-EU-Staaten bis auf Weiteres nicht mehr genehmigt. Er habe die zuständigen Behörden angewiesen, Anträge auf Nutztiertransporte „in weit entfernte Drittstaaten“ nicht zu bearbeiten, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums.

Coronavirus: Baden-Württemberg verbietet wegen Corona-Beschränkungen Tiertransporte in Nicht-EU-Länder.

Wegen Coronavirus: Baden-Württemberg verbietet Tiertransporte in weit entfernte Nicht-EU-Staaten

Als Grund für das Verbot von Tiertransporten in Nicht-EU-Staaten nennt Landwirtschaftsminister Hauk die Beschränkungen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg*. „Nach aktueller Kenntnis kommt es derzeit zu Covid-19-bedingten Beschränkungen bei der Abfertigung von Tiertransporten an EU-Außengrenzen", wird Hauk in der Pressemitteilung zitiert. Dadurch könne es zu langen Wartezeiten für Lastwagen kommen. Tiere in Tiertransportern könnten dadurch nicht angemessen versorgt werden. Das betreffe insbesondere Transporte nach Russland, Kasachstan, Usbekistan und in die Türkei, aber auch Transporte, bei denen Tiere in Mittelmeerhäfen umgeladen werden sollten.

Das Verbot von Tiertransporten in Nicht-EU-Staaten wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg kommt nicht überraschend. Zuvor hatten auch Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen lange Tiertransporte in Länder außerhalb der Europäischen Union verboten. Die Entscheidung steht offenbar in Zusammenhang mit einer ARD-Dokumentation über Missstände bei Tiertransporten, wie der SWR berichtet. In der Dokumentation waren unter anderem zahlreiche Tierschutzverstöße bei Tiertransporten aus Baden-Württemberg in Länder außerhalb der EU dokumentiert worden.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Missstände in Fleischfabriken durch Corona-Hotspots öffentlich geworden

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat ein Schlaglicht auf zahlreiche Probleme in der Fleischindustrie geworfen. Ein Corona-Hotspot war etwa die Fleischfabrik Müller in Birkenfeld im Enzkreis. Nach Angaben des Landratsamtes des Enzkreises hatten sich insgesamt mehr als 400 der 1.100 Beschäftigten der Fleischfabrik mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert*. Fast alle Mitarbeiter des Schlachtbetriebs, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten, sind Leiharbeiter aus Osteuropa. Die Beschäftigten leben überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften - man geht davon aus, dass die beengten Wohnverhältnisse zu dem Corona-Ausbruch geführt haben.

Um das Risiko für derartige Masseninfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu minimieren, ist eine neue Corona-Verordnung des Wirtschafts- und Sozialministeriums der Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann* in Kraft getreten. Ab sofort müssen Fleischbetriebe wie Müller in Birkenfeld im Enzkreis ihre Mitarbeiter täglich auf mögliche Symptome einer Corona-Infektion überprüfen. Haben sie - wie die Fleischfabrik Müller - mehr als 100 Beschäftigte, muss die gesamte Belegschaft zwei Mal pro Woche einen Test auf das Coronavirus durchführen.

In der Fleischindustrie sollen Werkverträge und Leiharbeit ab kommendem Jahr zudem verboten werden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat dazu am Mittwoch seinen Gesetzentwurf in Berlin vorgestellt. Davon betroffen sind auch Unternehmen in Baden-Württemberg.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Maurizio Gambarini

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