Neandertaler-Gene

Coronavirus: Viel höheres Risiko für schweren Verlauf – diese Menschen sind besonders gefährdet

Coronavirus: Viele Menschen tragen eine Neandertaler-Genvariante in ihrem Erbgut. Forscher haben nun herausgefunden, dass sich das negativ auf den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung auswirken kann.

Wissenschaftler rund um den Globus gehen täglich der Frage auf den Grund, wieso sich die Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus bei manchen Menschen kaum bemerkbar machen, bei anderen wiederum ein schwerwiegender Krankheitsverlauf erfolgt, der - im schlimmsten Fall - zum Tod führen kann. Eine konkrete Antwort darauf gibt es bislang nicht, auch wenn klar ist, dass vor allem das Alter und gewisse Vorerkrankungen für ein erhöhtes Risiko sorgen können. Doch es gibt weitere Faktoren, die dabei eine Rolle spielen – einen dieser Faktoren haben nun Forscher des Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ausgemacht, wie HEIDELBERG24* berichtet.

Coronavirus: Neandertaler-Gene erhöhen Risiko für schweren Covid-19-Krankheitsverlauf

Im Sommer ergab eine groß angelegte internationale Studie diverser Forschergruppen, dass einer Gruppe von Genen auf Chromosom 3 eine besondere Rolle beim Krankheitsverlauf in Folge einer Covid-19-Erkrankung spielt. Menschen, die dort eine bestimmte Genvariante tragen, sind im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus einer größeren Gefahr ausgesetzt als andere.

Aus einer neuen Studie, die bei „Nature“ veröffentlicht wurde, geht nun hervor, dass diese Genvariante von den Neandertalern stammt – und für all jene, die diese in ihrem Erbgut tragen, erhöht sich das Risiko, in Folge einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt und beatmet werden zu müssen.

Schwere Covid-19-Erkrankung in Zusammenhang mit Neandertaler-Genen: Bis zu dreimal höheres Risiko

Hugo Zeberg und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben den Gencluster nun analysiert und herausgefunden, dass besagte Genvariante, die der eines rund 50.000 Jahre alten Neandertalers aus Krotien sehr ähnlich ist, mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 verbunden ist.

Neandertaler-Forscher Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Es hat sich herausgestellt, dass moderne Menschen diese Genvariante von den Neandertalern geerbt haben, als sie sich vor etwa 60.000 Jahren miteinander vermischten“, sagt Zeberg. Laut Studie sei die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die diese Genvariante geerbt haben, infolge einer Infektion mit dem Coronavirus künstlich beatmet werden müssen, etwa dreimal höher sei.

In der Studie wird außerdem auf die Verbreitung der besagten Risiko-Genvariante eingegangen. Besonders häufig findet sie sich demnach bei Menschen in Südasien, wo etwa die Hälfte der Bevölkerung die Neandertaler-Variante im Genom trägt. In Europa hat einer von sechs Menschen die Risikovariante geerbt, während sie in Afrika und Ostasien so gut wie gar nicht vorkommt.

Coronavirus: Neandertaler-Gene erhöhen Risiko für schweren Corona-Verlauf

Weiterhin offen bleibt jedoch die Frage, wieso Menschen mit dieser Neandertaler-Genvariante einem höheren Risiko ausgesetzt sind – diese konnte in der Studie nicht beantwortet werden. „Es ist erschreckend, dass das genetische Erbe der Neandertaler während der aktuellen Pandemie so tragische Auswirkungen hat. Warum das so ist, muss jetzt so schnell wie möglich erforscht werden“, sagt Svante Pääbo, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. (rob)*HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa/Federico Gambarini/NIAID/NIH

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