Daimlers Wandel hin zur Elektromobilität

Daimler-Werk Untertürkheim: „Historischer Beschluss“ - Einigung im Ringen um Zukunft

Wie geht es mit dem Daimler-Werk in Stuttgart-Untertürkheim weiter? Im Ringen um die Zukunft des Werks ist endlich eine Entscheidung gefallen.

Update vom 5. März: Ola Källenius hat eine klare Vision für die Zukunft von Daimler: Bis spätestens 2039 soll die gesamte Neuwagenflotte von Mercedes-Benz CO2-neutral sein. Künftig liegt der Fokus ausschließlich auf der Elektromobilität und das hat auch Folgen für einige Werke. Während die Zukunft des Daimler-Standorts in Berlin bereits geklärt ist*, mussten die Mitarbeiter in Untertürkheim noch zittern.

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die Geschäftsführung und Betriebsrat des Mercedes-Benz Werks in Stuttgart-Untertürkheim nun geeinigt. Wie geplant wird das Stammwerk von Daimler in ein Technologie-Kompetenzzentrum mit Fokus auf Elektroantriebs- und Batterietechnologie umgebaut.

Daimler-Werk Untertürkheim: E-Campus kommt - Investition von dreistelligem Millionenbetrag

„Der größte Standort im globalen Powertrain Produktionsverbund wird sich dabei auf Forschung, Entwicklung und Produktionsanläufe von Antriebssystemen konzentrieren“, erklärte Daimler am Freitag. Durch die Vereinbarung soll die Rolle des Stammwerks in Untertürkheim als Entwicklungs- und Qualifizierungs-Hub für Antriebstechnologien gestärkt werden. Zudem werde die vorhandene Kompetenz im Bereich E-Mobilität mit einem Campus für elektrische und elektrifizierte Antriebe weiter ausgebaut.

„Ein klarer Schwerpunkt unserer Aktivitäten liegt auf der Forschung und Verfahrenstechnik der Batterie- und Zelltechnologie unter Berücksichtigung der gesamten Wertschöpfungskette“, erklärte Daimler-Vorstand Markus Schäfer. Dazu soll am Standort in Untertürkheim eine neue Fabrik für die Kleinserienfertigung von künftigen Lithium-Ionen-Batteriezellen sowie ein Battery Saftey Lab entstehen. Insgesamt sollen Investitionen im dreistelligen Millionenbereich getätigt werden.

Daimler-Werk Untertürkheim: Kompromisse ermögliche Einigung im Ringen um E-Campus

Damit es schlussendlich zu dieser Einigung kam, waren jedoch auf beiden Seiten Kompromisse nötigt. Wie in Berlin wollte Daimler auch in Stuttgart-Untertürkheim wesentliche Teile nach Osteuropa verlegen. Das lehnte der Betriebsrat lange ab, dennoch wird die Produktion der Kurbelwellen laut StN.de zu einem Großteil nach Polen verlagert.

Als Kompensation sollen in Stuttgart-Untertürkheim laut StN.de künftig die Kurbelgehäuse gebaut werden, die bislang in Polen vom Band laufen. Dennoch sollen laut Betriebsratschef Michael Häberle die  „Fertigungstiefe und -volumen konventioneller Antriebe schrittweise reduziert werden“. Allerdings würden neue Produktionsumfänge eingehend geprüft, „um die Effizienz und Profitabilität des Standorts zu maximieren“.

Daimler-Werk Untertürkheim: Trotz E-Campus - Job-Abbau unumgänglich

Zusätzlich zur Fertigung der Kurbelgehäuse sicherte Daimler zu, dass in Stuttgart-Untertürkheim künftig auch die Montage und Fertigung von Teilen des elektrischen Antriebsstrangs (EATS) erfolgt. Dieser soll in künftigen Elektroautos zum Einsatz kommen und ab 2024 am Stammsitz von Daimler vom Band laufen.

Die Zukunft des Daimler-Werks in Untertürkheim ist endlich geklärt.

Häberle werte diese in einem Schreiben an die Mitarbeiter als „klares Bekenntnis zu unserem Standort und seiner Belegschaft“. Werksleiter Frank Dieß sprach gar von einem „historischen Beschluss“, betonte aber, dass die Zahl der Mitarbeiter dennoch sinken werde. Wie viele Stellen wegfallen sollen, ist nicht bekannt.

Daimler-Werk Untertürkheim: Ringen um Zukunft – Betriebsrat macht jetzt richtig Druck

Update vom 19. Januar: Der Halbleitermangel sorgt aktuell dafür, dass Daimler für mehrere Standorte Kurzarbeit anmelden musste*. Für das Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim ist das bislang noch nicht der Fall, allerdings gibt es dort ein anderes Problem: Die Zukunft des Werks ist noch immer nicht geklärt!

Dabei wollten sich Daimler und der Betriebsrat des Stammwerks in Stuttgart eigentlich noch vor dem Jahreswechsel einigen. „Das wäre ein wichtiges und positives Signal gewesen“, betonen der Betriebsratsvorsitzende Michael Häberle und sein Stellvertreter Roland in einem Schreiben an die Mitarbeiter.

Daimler-Werk in Untertürkheim: E-Campus ja! Aber zu welchen Bedingungen?

Im Kern geht es um die zukünftige Ausrichtung des Leitwerks für Antriebstechnologie. Beide Parteien sind sich einig, dass das geplante Kompetenzzentrum Elektromobilität an dem traditionsreichen Daimler-Standort angesiedelt werden soll. Wie StN.de berichtet, sind jedoch die Bedingungen umstritten.

„Noch nie haben sich unsere Standortverhandlungen so schwierig gestaltet“, schreibt der Betriebsrat an die Daimler-Mitarbeiter im Stammwerk in Stuttgart. Noch vor Weihnachten hatte sich eigentlich ein für beide Seiten tragbarer Kompromiss abgezeichnet. „Die Standortleitung wollte sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht fest zu diesem Kompromiss bekennen“, erklärt Häberle.

Daimler-Werk in Untertürkheim: Verhandlungen gehen weiter – Betriebsrat will schnelles Ergebnis

In der kommenden Woche sollen die Verhandlungen mit Daimler auf Drängen des Betriebsrats fortgesetzt und möglichst schnell abgeschlossen werden. „Wir wollen und wir müssen in den nächsten Wochen zu einem Ergebnis kommen“, betonen die Betriebsräte.

Doch wo hakt es eigentlich? Immerhin ist man sich beim E-Campus ja eigentlich einig. Das Problem ist schnell erklärt: Daimler möchte die Fertigung für Verbrennungsmotoren nach Osteuropa verlegen. Selbiges gilt auch für die bereits vereinbarte Fertigung von Kurbelwellen in Untertürkheim.

Der Betriebsrat möchte aber nicht auf die Fertigung konventioneller Antriebe verzichten, obwohl längst klar ist, dass Daimler das Ende der Verbrennungsmotoren bereits beschlossen hat*. Die beiden Betriebsräte legen sich in dem Schreiben an die Mitarbeiter laut StN.de jedoch fest: „Für eine erfolgreiche und faire Transformation unseres Standorts benötigen wir unbedingt Produktionsarbeitsplätze im konventionellen und im alternativen Antrieb.“

Daimler-Werk in Untertürkheim: Streit eskaliert! Vorstand reagiert mit Schock-Drohung

Update vom 26. November: Bei Daimler* schaukelt sich der Streit um den künftigen Kurs und die Sparpläne der Konzernführung* um Vorstandschef Ola Källenius weiter hoch, wie echo24.de* bereits berichtete. Nach diversen Angriffen der Betriebsräte* in den vergangenen Tagen reagierte nun der Autobauer. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter drohte er mit einem Aus für das geplante Kompetenzzentrum Elektromobilität im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim, wenn die Arbeitnehmervertreter weiter auf ihren Forderungen beharrten.

Daimler will in Untertürkheim einen „Campus Mercedes-Benz Drive Systems“ errichten und Batterien und elektrische Antriebe entwickeln. Der Betriebsrat will das auch, besteht aber darauf, dass für wegfallende Arbeit im Zuge des Umstiegs eine Kompensation in Form anderer Produktionsaufträge geschaffen wird - so wie es einst mit dem Unternehmen vereinbart worden war. Der E-Campus allein reiche nicht aus, die beim Verbrenner wegfallenden Stellen zu kompensieren.

„Die Verhandlungsführer der Arbeitnehmerseite beharren darauf, dass alle bestehenden Vereinbarungen unverändert umgesetzt werden“, heißt es nun in dem Schreiben des Managements, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zwar seien die aus damaliger Sicht sinnvoll und richtig gewesen, doch die Lage habe sich grundlegend verändert. „Festhalten am Status quo ist daher keine Option“, schreiben die Vorstände Markus Schäfer und Jörg Burzer.

Stuttgart-Untertürkheim: Daimler Vorstand droht mit Verlagerung von E-Campus

Streitpunkt ist unter anderem die Fertigung von Kurbelwellen. „Klar ist: Kommt die neue Kurbelwellenfertigung in vollem Umfang nach Untertürkheim, müssen wir für den Campus Mercedes-Benz Drive Systems alternative Szenarien prüfen. Denn eine Bündelung von Zukunftstechnologien ist dann aus Platzgründen in Untertürkheim nicht mehr möglich.“

NameDaimler AG
HauptsitzStuttgart
Anzahl der Mitarbeiter298.655 (Stand 2019)
VorstandsvorsitzenderOla Källenius (seit Mai 2019)

Eine Daimler-Sprecherin bestätigte, dass derzeit verschiedene Alternativen geprüft würden. Um wie geplant Zukunftstechnologien in Stuttgart-Untertürkheim umzusetzen, müssten dort entsprechende Voraussetzungen zum Beispiel bei den Flächen geschaffen werden. Dazu gehöre auch, dass nicht am angestammten Portfolio festgehalten werden könne. Man strebe aber weiterhin eine konstruktive Lösung zusammen mit den Arbeitnehmervertretern an.

Daimler AG: Angst um Mitarbeiter in Werk in Untertürkheim – Betriebsrat mit klarer Forderung

Erstmeldung vom 19. November: Stuttgart - Der Wandel hin zur Elektromobilität und die Auswirkungen der Corona-Pandemie setzen dem Stuttgarter Autobauer Daimler mächtig zu. Im Zug der Sparmaßnahmen bei den Personalkosten hatte der Autokonzern zuletzt angekündigt, Tausenden Mitarbeitern ihre 40-Stunden-Verträge zu kündigen*. Ab März 2021 sollen die Betroffenen nur noch 35 Stunden pro Woche arbeiten, wie echo24.de* berichtet. Der harte Sparplan von Daimler wirkt sich auch auf die Zulieferer aus. Um zahlungsfähig zu bleiben, hatte der Finanzchef kürzlich an die Mitarbeiter appelliert, Rechnungen so spät wie möglich zu bezahlen*.

Besonders hart treffen die Sparmaßnahmen die Mitarbeiter in der Produktionsstätte in Stuttgart-Untertürkheim am Firmensitz von Daimler. Nach einem Papier des Betriebsrates an die Angestellten von Ende September sollen bis zum Jahr 2025 dort etwa 4.000 Stellen abgebaut werden*. Hintergrund ist, dass mehrere Teile der Produktion von Verbrennungsmotoren ins Ausland, konkret nach Osteuropa, verlagert werden sollen. In dem Untertürkheimer Werk werden Motoren, Achsen und Getriebe gefertigt. Auch im Daimler-Werk in Berlin sind Tausende Jobs in Gefahr*.

Daimler-Werk in Untertürkheim soll E-Campus werden – mit Folgen für Mitarbeiter

Daimler-Boss Ola Källenius sieht die Zukunft des Autokonzerns in der Elektromobilität. Aus diesem Grund soll der Fokus im Werk in Untertürkheim nicht mehr auf Verbrennungsmotoren liegen. Stattdessen soll das Daimler-Werk bei Stuttgart zu einem „Campus für Elektromobilität“ werden. Dieser Wandel bringt strukturelle Veränderungen mit sich – mit deutlichen Auswirkungen für die Mitarbeiter. Darauf reagierte der Betriebsrat heftig – er sah sich erpresst. Die Arbeitnehmervertreter wollten deshalb keine Anträge auf Mehrarbeit mehr genehmigen.

Bei aktuellen Verhandlungen bei Daimler geht es um die Sparmaßnahmen an den einzelnen Standorten und welche Ziele dort erreicht werden sollen. Der Betriebsrat befürwortet die Zukunftsplanungen für das Werk in Untertürkheim, allerdings bemängelt er, dass der konventionelle Antrieb, der noch einige Jahre wichtig für Daimler sein wird, abrupt ausgelagert werden soll – was viele Arbeitsplätze im Stuttgarter Werk kosten könnte. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, soll der neue „E-Campus“ nämlich in den bestehenden Gebäuden umgesetzt werden, Daimler möchte keine weiteren bauen.

Vorstandschef Ola Källenius hat einen harten Sparplan bei Daimler ausgerufen.

Daimler/Stuttgart: Zukunfts-Pläne für Untertürkheim – Betriebsrat wird deutlich

Doch die aktuellen Verhandlungen – zuletzt traf man sich zum elften Mal – hinsichtlich des Daimler-Werks in Untertürkheim stocken. Grund sei, dass das Unternehmen nicht erkläre, „wie es Beschäftigung im Werk sichern will, wenn wie gefordert Teile der Produktion ins Ausland gehen sollen“, erklärte Betriebsratschef von Untertürkheim, Michael Häberle, gegenüber der StZ. Daimler plane dagegen im Laufe der Transformation ein Personalabbauprogramm auch in der Produktion und ein Wechsel von Angestellten in andere Werke.

„Wenn wir dem nicht zustimmen, steht im Raum, dass der E-Campus nicht nach Untertürkheim kommt“, sagt der Betriebsratschef. Das wolle man natürlich nicht. Häberle fordert – wenn schon ausgelagert wird – eine entsprechende Kompensation. Diese könne in Form anderer Industriearbeitsplätze innerhalb des Werks ausfallen. Sollte Daimler der Wandel hin zur Elektromobilität wirklich wichtig sein, müsse man im Stuttgarter Werk auch investieren, so Häberle. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa

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