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Expertin: Seltene Rohstoffe für E-Autos sind politischer Zündstoff - drohen Handelskriege?

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Von: Valentin Betz

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In einem Tagebau werden Seltene Erden gefördert.
In einem Tagebau werden Seltene Erden gefördert. Im Handelskrieg mit den USA droht China mit einer Verknappung der Seltenen Erden. © Str/dpa

Daimler und Co. brauchen für ihre E-Autos massig Rohstoffe. Die sind nicht nur aufgrund ihrer Verfügbarkeit ein Problem, sondern sorgen auch für politischen Zündstoff.

Stuttgart - Wenn es um das Thema E-Mobilität geht, fachsimpeln Experten gerne über technologischen Fortschritt und Optimierungsbedarf bei der Reichweite von Batterien. Tatsächlich arbeiten Fahrzeughersteller wie die Daimler AG* auf Hochtouren, um die Technik der E-Autos gegenüber dem Verbrenner attraktiver zu machen.

In letzter Zeit gerät aber zusehends ein anderer Aspekt der E-Mobilität in den Fokus. Denn eine Batterie, die gar nicht erst gebaut werden kann, bringt auch mit der höchsten Reichweite nichts. Für die Herstellung der Akkus sind diverse Rohstoffe notwendig, deren Vorkommen sich regional stark konzentriert. Weil beispielsweise Kobalt im Wesentlichen aus dem Kongo stammt, könnte die Produktion von E-Autos bald stocken (BW24* berichtete). Die relevanten Rohstoffe bergen durch ihre regionale Konzentration allerdings auch anderweitig Zündstoff. Gegenüber dem Handelsblatt warnt eine Expertin vor einer Abhängigkeit von einzelnen Ländern.

Seltene Rohstoffe: Steigender Bedarf verstärkt Bestreben der EU nach weniger Abhängigkeit

Denn fest steht: Ohne seltene Rohstoffe wie Kobalt, Graphit oder Lithium funktionieren weder die E-Mobilität noch andere moderne Technologien wie die Windkraft - und der Bedarf wächst immer weiter an. Die Europäische Union (EU) schätzt, dass sich der Bedarf an Kobalt bis 2030 verfünffacht, Lithium wird nach demselben Zeitrahmen 18-mal häufiger gebraucht werden als noch heute. Nicht nur deshalb will die EU unabhängiger von Lieferanten jenseits der eigenen Grenzen werden.

In Norwegen entsteht deshalb beispielsweise ein Tagebau, der die Ausbeutung des weltweit größten Phosphat-Vorkommens ermöglichen soll. Das Lithium für die europäische Produktion könnte in Zukunft sogar aus Deutschland kommen: Der Oberrheingraben enthält Lithium für 400 Millionen E-Autos*. Doch es geht für Deutschland und die EU nicht nur aus Kostengründen mittels Einsparung von Lieferwegen darum, unabhängiger von Rohstoffen aus dem Ausland zu werden - denn diese sind längst auch zum Politikum geworden.

Streit um Rohstoffe: Regionale Konzentration sorgt für Konflikte zwischen Staaten

Wenn es um die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen geht, verhandeln schnell nicht nur Unternehmen miteinander, sondern gleich ganze Staaten. Allerdings hätte die Europäische Union bei einem Streit oft schlechte Karten. 19 der 30 von der EU als „kritisch“ eingestuften Rohstoffe stammen derzeit aus China. Auch für die USA könnte das bei Rohstoffen und Seltenen Erden künftig zum Problem werden. Hier tobt, wie Business Insider mehrfach berichtete, bereits seit Jahren ein Handelskrieg. Solche Konflikte um knappe Ressourcen könnten in Zukunft weiter zunehmen.

Gegenüber dem Handelsblatt warnt eine Rohstoffmarktexpertin deshalb vor einseitigen Abhängigkeiten. Eine Unterbrechung der Lieferkette für E-Autos könnte beispielsweise schnell zu politischen Spannungen führen. Das zeigt sich aktuell beispielsweise auch beim Aluminium. Weil die Produktion in China stockt, ist die gesamte Autobranche in Gefahr*. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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