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Heilbronn: Baby zum Sterben ins Feld gelegt? Junge Mutter vor Gericht

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Von: Marten Kopf

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Vor dem Gebäude des Landgerichts Heilbronn steht ein Hinweisschild. (Archiv)
Vor dem Gebäude des Landgerichts Heilbronn steht ein Hinweisschild. (Archiv) © Bernd Weißbrod/dpa

Zwei Funde innerhalb von nur 24 Stunden. Zwei Mütter, die ihre Babys zum Sterben zurückließen. Eine der beiden Frauen sitzt deswegen nun in Heilbronn auf der Anklagebank. 

Update vom 11. März, 12:54 Uhr: Aus Verzweiflung und Ratlosigkeit hat eine Mutter nach eigener Aussage ihr erst wenige Stunden altes Neugeborenes auf einem Weg am Stadtrand von Schwäbisch Hall ausgesetzt. „Ich wusste überhaupt nicht, was ich tun sollte“, lässt die 22-Jährige am Freitagmorgen (11. März) im Heilbronner Landgericht über ihre Verteidigerin verlesen. Sie könne sich ihr Verhalten nicht erklären und habe einen „riesengroßen Fehler“ gemacht, den sie „nicht wieder gut machen“ könne. Die Frau muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatte sich die 22-Jährige beim Verlassen des Neugeborenen „mit der Möglichkeit seines Todes zumindest abgefunden“. Die angeklagte Frau weist das zurück: „Ich wusste, dass an der Stelle auf dem Feldweg immer Radfahrer und Spaziergänger unterwegs sind“, sagt sie aus. „Und ich glaubte, er sei bei einer anderen Mutter in besseren Händen als bei seiner eigenen.“

Der Säugling war Anfang September auf dem Weg von einer Spaziergängerin entdeckt und ins Krankenhaus gebracht worden. Am selben Morgen hatte die Mutter ihr Baby nach eigener Aussage allein und zu Hause bekommen und die Geburt verschwiegen.

Heilbronn: Baby zum Sterben ins Feld gelegt? Junge Mutter vor Gericht

Erstmeldung vom 11. März, 11.58 Uhr: Heilbronn/Schwäbisch-Hall - Zwei Babys werden ausgesetzt, das eine auf einem Feldweg, das andere in einem Keller. Von den Müttern fehlt zunächst jede Spur, bis sich eine der beiden bei der Polizei meldet. Die Mutter des zweiten Neugeborenen wird zwei Wochen später ermittelt. Die grausige Tat sorgt im Herbst 2021 in Baden-Württemberg* für Entsetzen. Für eine der Frauen hat ihre Entscheidung nun auf Nachspiel. Wegen versuchten Totschlags muss sie sich von Freitag (11. März) an vor dem Heilbronner Landgericht verantworten.

Heilbronn: Mutter lässt Baby zum Sterben zurück – Prozess gegen junge Frau beginnt

Ihr erst wenige Tage alter Säugling wird Anfang September 2021 in einer weißen Plastikwanne auf einem Weg am Stadtrand von Schwäbisch Hall entdeckt und ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei bittet anschließend auch die Öffentlichkeit um Hinweise*, wie HEIDELBERG24* seinerzeit berichtete. Fünf Wochen später meldet sich die damals 21-Jährige bei der Polizei und räumt ein, den Jungen ausgesetzt zu haben. Ermittlungen bestätigen dies nach Angaben der Staatsanwaltschaft. Allerdings liegen die Gründe für die Tat völlig im Dunkeln.

Laut Staatsanwaltschaft gibt die Frau dem Jungen kurz vor dem Aussetzen auf dem Feldweg für ihn unverträgliche Kuhmilch zu trinken. Als sie das Kind zurücklässt habe, habe sie sich mit der Möglichkeit seines Todes zumindest abgefunden. Für den Prozess vor der 1. Schwurgerichtskammer sind insgesamt fünf Verhandlungstage eingeplant sowie 17 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Die Frau sitzt seit Mitte Oktober in Untersuchungshaft.

Schwäbisch Hall: Gegen zweite Mutter wird noch ermittelt

Auch die Mutter des zweiten zurückgelassenen Babys wird sich vermutlich noch vor Gericht verantworten müssen. Die Ermittlungen dazu seien aber noch nicht abgeschlossen, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hechingen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Frau legte ihr eigenes Neugeborenes nur einen Tag vor dem Fund des Babys auf dem Feldweg im Keller eines Mehrfamilienhauses im Landkreis Sigmaringen ab. Der erst wenige Stunden alte Säugling wurde nach dem Fund in eine Klinik gebracht. Zwei Wochen später spürten Ermittler die Kindsmutter schließlich auf. (mko/dpa) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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